Ratschläge eines «Schwoben»: So verhalten Sie sich richtig in der Schweiz

Autor
Ralph Denzel

Wer in der Schweiz fremd ist, sollte einige Dinge beachten, um sich nicht unbeliebt zu machen. Wir sagen Ihnen, was genau.

Was man im Umgang mit Schweizern beachten sollte. Bild: Pixabay

Ein Grossteil der Ausländer in der Schweiz kommt direkt aus der Nachbarschaft: Viele Deutsche verdienen ihr Geld ennet der Grenze, ich eingeschlossen. Trotzdem gibt es immer wieder Dinge, die das Zusammenleben schwierig machen – und die man beachten sollte, denn: Auch wenn die Schweiz Deutschland sehr ähnlich ist, so gibt es doch jede Menge Unterschiede und Fettnäpfchen, die man umschiffen kann. Darum finden Sie hier einen Erfahrungsbericht eines Deutschen, der nun seit fast zwei Jahren in der Schweiz arbeitet: Was für Dinge sollte man im Umgang mit Eidgenossen dringend vermeiden?

Unpünktlichkeit

Am Anfang gilt: Pünktlichkeit ist Trumpf! Ja, als Deutscher ist das etwas, was einem im ersten Moment nicht sonderlich schwerfällt, sind wir doch bekannt dafür, dass wir mit blindem Kadavergehorsam selbst zu den absurdesten Zeiten pünktlich erscheinen. Würde man einem Deutschen sagen, er müsse morgens um 5.14 Uhr an seinem Arbeitsplatz sitzen – wetten, dass er spätestens um 5.09 Uhr arbeitend dort sitzt? Fünf Minuten früher ist ja schliesslich obligatorisch und wahrscheinlich in unseren Genen gespeichert. Bewahren Sie sich das, aber: Auch Schweizer sind nur Menschen. Wenn irgendwann ein Vertrauenverhältnis geschaffen wurde, dann verzeiht man einem auch mal einige Minuten Verspätung – zumindest, wenn es einen triftigen Grund dafür gibt.

Unhöflichkeit

In der Schweiz lernt man Danke, Bitte und Gerngeschehen zu sagen – denn das begegnet einem dauernd. Ob es an der Supermarktkasse ist, im Restaurant, oder im Büro. Selbst der unhöflichste Mensch kann sich irgendwann nicht mehr dem Gruppenzwang erwehren, bei einer Bestellung im Restaurant nicht mehr nur sagen: «Ich nehme das SchniPo», denn auch dort ist wie überall: Desto höflicher, desto schweizerischer. Für Deutsche fällt das, vor allem in Restaurants, manchmal schwer. Wir Deutschen leben schliesslich oft nach dem Prinzip: «Ich hab dafür bezahlt, also erwarte ich auch etwas dafür.»

Nicht so bei den Eidgenossen – dort gilt eher: «Ich habe dafür bezahlt, von daher wenn es möglich wäre, könnten Sie bitte…»

Direktheit

Schweizer sind keine direkten Menschen, damit muss man auch erstmal klar kommen. Angenommen, sie arbeiten mit einem Kollegen an einem Projekt, dieser ist aber überhaupt nicht davon überzeugt: Sie können sicher sein, dass zuerst mal herausgestellt wird, was für tolle Arbeit Sie gemacht haben, wie gut doch eigentlich ihre gesamte Leistung ist, um dann, eher in einem Nebensatz darauf hinzuweisen, dass es eben nicht ganz so optimal ist, was «natürlich keine Kritik an Dir ist, absolut nicht.» Im Umkehrschluss muss das aber auch für Sie bedeuten: Deutsche Direktheit ist hier nicht willkommen. In Deutschland würde man einfach sagen: «Nee, das ist nichts. Da müssen wir nochmal drüber.»

Sie merken: Während die Deutschen Kritik mit einem Vorschlaghammer verteilen, nehmen die Schweizer eher einem Uhrenmacherhammer – der hat einen Durchmesser von unter einem Zentimeter.

Für Deutsche gilt also: Vorschlaghammer weg und ein paar Nummern kleiner direkt sein.

Meckern

Ja, wir Deutsche sind eine Nation von Meckerern – würde man einen Deutschen in einen Raum mit 20 nackten und willigen Traumfrauen stecken, er würde sich darüber beschweren, dass der Raum viel zu voll sei.

Legen Sie das ab, vor allem in Restaurants.

Ja, die Preise sind etwas höher als in Deutschland, aber Sie verdienen jetzt auch ein Schweizer Gehalt und können es sich leisten. Erstens wirkt es nervig und unhöflich, wenn die Kollegen permanent wegen Ihnen auf die Preise schauen müssen, zweitens ist zu viel Aufregung schlecht für das Herz und drittens bedienen Sie damit nur das Klischee eines dauermeckernden Deutschen. 

Dialekt

Auch hier: Lassen Sie es einfach. Man merkt, dass Sie es nicht können. Geben Sie es auf. Nein, Sie können es nicht, wirklich. Sie ersparen sich peinliche Momente und Ihrem gegenüber das Bedürfnis, Sie zu verbessern, was gegen die Höflichkeit der Schweizer geht. Es reicht, wenn Sie ein Grüezi hinbekommen und nicht jedes zweite Wort ihrer Kollegen nachfragen müssen. Aber versuchen Sie nicht Schweizerdeutsch zu sprechen.

Bitte - wirklich nicht.

Keine Zeit fürs die kleinen Dinge haben

Wenn Sie jemanden treffen, vielleicht geschäftlich, überlegen Sie sich direkt von vorneherein, was Sie noch bereden könnten – abseits vom Geschäft. Schweizer sind nicht sonderlich erfreut darüber, wenn man die deutsche Tugend «Zeit ist Geld, Geld haben wir nicht» in Gesprächen anwendet. Geben Sie ihrem Gegenüber Zeit, erstmal anzukommen, reden Sie über das Wetter, ob er gut hergefunden hat (Extrapunkte gibt es, wenn Sie ihm noch einen Kaffee anbieten) und kommen Sie dann langsam zum Geschäftlichen.

Zürich toll finden

Wenn Sie nicht in Zürich sind, ist diese Aussage ein Punkt, mit dem Sie fast in jedem anderen Kanton punkten können. Es ist kurios, aber eine Tatsache: In der Schweiz ist der Kanton und die Stadt Zürich so ungefähr wie das kleine Kind mit Läusen, mit dem niemand spielen will. Es wird geschnitten, man macht Witze darüber und will möglichst nichts damit zu tun haben. Warum? Gute Frage. Klischees über Zürcher gibt es zuhauf. Sie seien arrogant, sie seinen überheblich, sie seien unfreundlich. Sie merken, wenn Sie über Zürich herziehen, können Sie sich oft Freunde machen – aber um Gottes Willen: Nennen Sie die Einwohner der Stadt und des Kantons dann bitte: Zürcher und NICHT Züricher. Denn das disqualifiziert Sie sofort für weitere Beleidigungen.

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