Zwischenbericht der Sust zum Flugzeugabsturz der Ju-52

Autor
Schaffhauser N…

Der Absturz der Ju-52 im letzten August beschäftigt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) noch immer. In einem Zwischenbericht nimmt sie Stellung zu den bisherigen Ergebnissen.

Beim Absturz kamen 20 Personen ums Leben. Bild: Kapo GR

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) hat einen Zwischenbericht zum Flugzeugabsturz der Ju-52 veröffentlicht.

«Die Abklärungen, die zur Rekonstruktion des eigentlichen Flugweges und des Unfallherganges dienen, wurden umgehend begonnen und dauern immer noch an», so die Sust. Auch die technische Untersuchung würde noch andauern, allerdings würde diese sich wegen des hohen Zerstörungsgrades als schwierig erweisen. Für die Untersuchung seien mehr als 40 Mobiltelefone, Digitalkameras, Speicherkarten und andere Komponenten mit allfälligen Datenspeichern an der Unfallstelle sichergestellt worden. Allerdings seien dort ebenfalls viele Medien zerstört gewesen und nicht mehr und nur schwer auslesbar gewesen.

Einen Flugschreiber hatte die Ju auch nicht, weswegen wichtige Daten, wie zum Beispiel die Kommunikation zwischen den beiden Piloten während es Unglücks nicht nachgeprüft werden könne, so die Sust. Daher könne die «Zusammenarbeit der beiden Piloten während des Unfallfluges nur basierend auf allgemeinen Merkmalen der beiden Personen analysiert» werden. Man habe daher die «Vorgeschichte der Besatzung rekonstruiert, wobei diesbezüglich auch Angaben aus früheren Tätigkeitsgebieten genutzt werden». Daneben würde wie üblich eine Abklärung der unmittelbaren Vorgeschichte, der Flugvorbereitung und des Gesundheitszustandes der Besatzung vorgenommen. In diesem Zusammenhang sei es auch «unumgänglich die Betriebsgrundsätze des Unternehmens, die Ausbildung der Besatzungen und die Führungsinstrumente des Flugbetriebs zu analysieren». Auch ein «Flight Data Monitoring» fehlte bei der Maschine, weswegen die für die Untersuchung des tatsächlichen Flugbetriebs ungewöhnliche Wege beschritten wurden: So hat sich die Sust in mehreren Aufrufen an die Bevölkerung gewandt und diese gebeten, Foto- und Filmaufnahmen, Flugwegaufzeichnungen und Beschreibungen von früheren Flügen zur Verfügung zu stellen. Diesen Aufrufen wurde mit grosser Hilfsbereitschaft Folge geleistet, so dass heute mehr als 200 Meldungen zum Unfallflug und zu früheren Flügen vorliegen.

Zusätzlich wurde das gesamte Tal südwestlich des Piz Segnas mit einem dreidimensionalen Scan-Verfahren aufgenommen und mit dem dreidimensionalen Geländemodell des Bundesamtes für Landestopografie kombiniert. So könnten die Aufnahmen, die zugeschickt wurden, analysiert und ausgewertet werden.

Nach derzeitigem Stand erwartet die Sust den Abschlussbericht für das erste Quartal 2020. (rd)

Der Ju-Absturz vom 4 August

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) und die Kantonspolizei Graubünden nahmen direkt nach dem Unfall ihre Ermittlungen auf. Im November konnte in einem Zwischenbericht eine technische Ursache als Unfallgrund ausgeschlossen werden, so die Sust.

Am 4. August 2018 um 16:10 Uhr startete das historische Verkehrsflugzeug Junkers Ju 52 vom Flugplatz Locarno (LSZL) zu einem Flug nach Dübendorf (LSMD). Der gewerbsmässige Flug unter Sichtflugregeln fand im Rahmen einer zweitägigen Erlebnisreise von Dübendorf ins Tessin statt und war folglich die Rückreise.

An Bord des dreimotorigen Flugzeuges befanden sich zwei Piloten, eine Flugbegleiterin sowie 17 Passagiere.

Gegen das nördliche Ende dieses Talkessels begann das Flugzeug annähernd um 16:56 Uhr eine Linkskurve. Die Flugzeugnase senkte sich und die Linkskurve entwickelte sich zu einer spiralförmigen Flugbahn gegen unten. Der Aufprall mit dem Gelände erfolgte wenige Sekunden später in einer senkrechten Fluglage und mit annähernd senkrechter Flugbahn. Alle 20 Personen an Bord des Flugzeuges wurden beim Unfall getötet. Das Flugzeug wurde zerstört. (rd)

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