Wo auch Tiere Weihnachten haben – und wo nicht

Autor
Ralph Denzel

Manche Tiere können Weihnachten feiern - andere haben jedoch trotz ihrer menschlichen Pfleger kein Weihnachtsfest - zumindest nicht so, wie man es ihnen wünschen würde.

Manche Tiere haben Grund zur Freude an Weihnachten - andere nicht. Bild: Pixabay

Wenn die Weihnachtszeit ansteht, freuen sich nicht nur Zweibeiner, sondern oft auch die Vierbeiner, denn diese Zeit macht Herrchen und Frauchen grosszügiger. Das bedeutet für die Tiere: Leckerli, Spielzeug und zusätzliche Streicheleinheiten rund um die Festtage. Kommt hinzu, dass die Menschen auch noch mehr Zeit für ihre Lieblinge haben. Wir haben in der Region Schaffhausen nachgefragt, worauf sich Tiere während der Weihnachtszeit freuen können – und warum Tiere manchmal gar kein Weihnachten haben.

Die Damhirsche auf dem Munot

Auch bei Schnee fühlen sich die Damhirsche in der freien Natur am wohlsten. Bild: Selwyn Hoffmann

Dass der Munot derzeit wieder in weihnachtlichem Glanz erstrahlt, dürfte den Damhirschen im Burggraben recht egal sein. Um die Tiere kümmert man sich auch über die Feiertage nicht mehr oder weniger als sonst  – und das bedeutet, sie bekommen viel Aufmerksamkeit. Munotwächterin Karola Lüthi erklärt: «Die Damhirsche werden über Weihnachten so versorgt wie immer.» Das bedeutet für sie und ihren Mann Ruedi Büeler, dass die beiden «täglich zweimal in den Graben» gehen, dort die Unterstände auswischen, die Krippen mit Heu füllen und den Hirschen Futter geben. Dieses ist speziell für die Hirsche konzipiert: «Das ist ein Futter, das sie in Pelletsform bekommen, extra für Wiederkäuer.»

Stehen die auf dem Speiseplan, ist für die Damhirsche Weihnachten: Kastanien. Bild: Pixabay

Und was, wenn Schnee und Kälte kommen? Das macht den Tieren nicht viel aus, wie Karola Lüthi weiss. «Die Damhirsche sind eine Wildtierkolonie, von daher muss man sie bei schlechtem oder kaltem Wetter nicht reinnehmen, sie sind immer draussen und schlafen auch draussen.» Das führt laut der Munotwächterin zu teils lustigen Situation: «Wenn Schnee liegt, sieht man an den grünen Flecken, wo sie geschlafen haben.» Spezielle Nahrung bekommen die Tiere an Weihnachten nicht – das sei aber auch nicht nötig, so Karola Lüthi. Die Damhirsche fressen sehr gerne Früchte wie Äpfel oder Zwetschgen, Kastanien oder trockenes Brot.» Dadurch, dass die Tiere das jeden Tag bekommen, «haben sie immer ein bisschen Weihnachten.»

Fleisch für die Büsis im Katzenhaus

Frohe Weihnachten - auch für Büsis. Bild: Pixabay

Auch im Katzenhaus in Schaffhausen haben die Stubentiger ein Zuhause – wenn auch, so ist es gewünscht, nur vorübergehend. Zumindest bei der Nahrung können sich die Büsis nicht beschweren. So erklärt uns Linda Strack vom Katzenhaus: «Bei uns werden die Katzen das ganze Jahr sehr gut versorgt. Sie bekommen bei uns Trockenfutter zur freien Verfügung, bis zu dreimal täglich Nassfutter sowie einmal täglich Frischfleisch vom Metzger und natürlich jeden Tag frisches Wasser.» Aber nicht nur das: «Zur Belohnung oder Angewöhnung, also für eine positive Verknüpfung mit dem Menschen, bekommen sie zusätzlich verschiedene Leckerli.»

Im Katzenhaus versucht man den Tieren auch ein Weihnachtsfest zu bescheren. Bild: Eva Kunz

Die Bewohner des Katzenhauses haben aber auch ein «Weihnachtsfest» - mehr oder minder. Das liege vor allem an den Futterspenden, die das Katzenhaus um die Weihnachtszeit herum bekommt, so Linda Strack. «Kurz vor Weihnachten werden wir von unseren Gönnerinnen und Gönnern regelmässig mit verschiedenen Spenden - unter anderem grosszügige und hochwertige Futterspenden - unterstützt, welche wir natürlich gerne an unsere Schützlinge verfüttern.»

Linda Strack vom Katzenhaus Schaffhausen. Bild: Selwyn Hoffmann

Die Weihnachtszeit bringt jedoch auch ein Problem mit sich, welches immer wieder aktuell wird: Die Frage, ob Haustiere ein adäquates Weihnachtsgeschenk sind. Auch im Katzenhaus merkt man, dass im November und Dezember mehr Katzen adoptiert werden. «Das liegt aber selten an Weihnachten, sondern daran, dass die Leute mehrheitlich zu Hause sind und man in der Eingewöhungszeit die Fenster und Türen ohne Weiteres ein paar Wochen geschlossen lassen kann.» Linda Strack stellt in diesem Zusammenhang aber auch direkt klar: «Wir vermitteln keine Tiere als Weihnachtsgeschenk. Interessenten werden bei uns vor einer Vermittlung entweder am Telefon oder per Mail ausgefragt.» Nur wenn sich die Mitarbeiter des Katzenhauses sicher sind, dass der potentielle Besitzer ernsthafte Absichten mit dem Büsi hat, bekommt er auch eines.

«Unsere Hündin hätte gerne eine Decke»

Das Tierheim Schaffhausen. Bild: Selwyn Hoffmann

Auch im Tierheim Schaffhausen versuchen die Mitarbeiter es für ihre Schützlinge so angenehm wie möglich zu machen. Ein wirkliches Weihnachten fällt aber leider meistens aus für die Tiere. So Sagt Stefanie Hanneg vom Tierheim Schaffhausen: «Unser Budget, vor allem für Futter, ist immer sehr knapp bemessen. Daher können wir leider an Weihnachten nicht irgendwas Spezielles hinstellen.»

Auch sonst würde man mit den gegebenen Ressourcen versuchen, die Tiere bestmöglich zu versorgen. «Wir bekommen viele Sach- und Futterspenden und sind auch sehr froh darüber», so Stefanie Hanneg. Aber: «Wir haben zum Beispiel eine ältere Hündin, die dringend eine weichere Decke brauchen würde – dafür fehlt uns dann aber leider das Geld.»

Vor allem das Alter macht es diesem speziellen Tier laut der Chefin des Tierheims auch schwer, in absehbarer Zeit einen Platz zum Bleiben zu finden. «In der Weihnachtszeit ist es wirklich so, dass Menschen vermehrt den Wunsch haben, sich ein Tier zuzulegen.» Beliebt sind dabei aber vor allem Welpen oder kleine, junge Tiere – für ältere bleibt meistens das Tierheim die Heimat.

Wie beim Katzenhaus gibt es auch hier das Problem: Oft wollen Menschen sich Tiere einfach nur zutun, ohne wirklich darüber nachzudenken, was das bedeuten würde. Merken die Mitarbeiter dann, dass die Motivation bei der Adoption der Wunsch ist, ein «Haustier zu Weihnachten» zu verschenken, wird dies unterbunden. «Das tut dem Tier und auch dem Menschen nicht gut.»

Spielzeug wird immer gern genommen im Tierheim - es muss nur auch für die Tiere passen. Bild: Pixabay

So hat das Tierheim dieses Jahr vor allem eines auf dem Wunschzettel: «Wir würden uns sehr über Spezialfutter freuen. Manche Tiere haben so empfindliche Mägen, dass sie etwas anderes nicht vertragen.» Auch Spielzeug für die Tiere wird immer gerne genommen. «Das bekommen wir recht oft, aber leider ist es nicht immer geeignet.»

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