Christian Amsler hat die übernächste Geländekammer stets im Blick

Autor
Dario Muffler

Wir zeigen, was hinter der Bundesratskandidatur von FDP-Regierungsrat Christian Amsler steckt.

Um 5.30 Uhr reisst der Wecker den ambitionierten Mann aus Stetten aus dem Schlaf. Und das täglich. Dabei sei es gerade der Schlaf, der ihn leistungsfähig mache, sagt Christian Amsler: «Ich brauche im Schnitt sechseinhalb Stunden.» Auf diese Dauer komme er, indem er abends konsequent um 22.45 Uhr ins Bett gehe. Keine einfache Aufgabe, wenn er etwa nach Yverdon fahren muss, wo gestern die dritte und letzte Station der FDP-Roadshow mit den drei Kandidaten für Johann Schneider-Ammanns Nachfolge im Bundesrat stattfand. «Dabei ist meine Agenda als Regierungspräsident so schon voll», sagt Amsler. Eine Kandidatur für die Landesregierung bringt aber zusätzliche Termine und Verpflichtungen mit sich. Diese nimmt Amsler gerne auf sich: «Ich will auf das Ticket der FDP-Bundeshausfraktion», betont er.

Zurück ins langsam erwachende Stetten: Nachdem ihn der Wecker aus dem Schlaf geholt hat, fahren Amslers Körper und Geist schnell hoch. Bei Kaffee und Müesli mit Honig liest Amsler schon frühmorgens Zeitungen. Parallel dazu schreibt er die ersten Mails: Dankesschreiben auf Zusprüche, Lob für Fotografen, aber auch einmal ein Mail, in dem er seine Meinung zu einem Artikel eines Journalisten kundtut. «Mein Umfeld attestiert mir eine unheimliche Effizienz und einen enorm raschen Output», sagt er. Mit seiner direkten Art hob er sich nicht zuletzt auch an den FDP-Veranstaltungen in Winterthur und Muttenz von seinen Konkurrenten ab: Amsler gestikuliert und wäre wohl selbst ohne Mikrofon in der letzten Reihe zu hören.

7 bis 21 Uhr: Noch immer Regierungsrat

Auch den Umgang mit Journalisten beherrscht Amsler: Er reagiert schnell auf Anfragen, antwortet ausführlich, doch selten ausschweifend. Bereits vor seiner Bundesratskandidatur war Amsler ein kommunikativer Politiker, der sich auf sämtlichen grossen sozialen Medien bewegte. Jetzt aber postet er mindestens einmal täglich etwas. Die Reaktionen auf die Posts zeigen: Seine Beiträge interessieren das Publikum. «Ich bekomme unzählige bestärkende Nachrichten auf den unterschiedlichsten Kanälen», sagt er.

Zwischen 7.10 und 21 Uhr sei er aber noch immer vor allem eines: Regierungsrat des Kantons Schaffhausen, betont Amsler. Zu seiner Regierungsarbeit gehören Sitzungen, Besprechungen, Lehrerkonferenzen, Mitarbeitergespräche und offizielle Anlässe, bei denen er beispielsweise eine Eröffnungsrede halten muss. Am Montag etwa besuchte Amsler mit seinem Team das Technologiezentrum in St. Georgen im Schwarzwald.

Der Text für die Nomination steht

Medienanfragen nähmen aktuell ebenfalls viel Zeit in Anspruch, sagt Amsler. Er spricht von täglich mindestens drei bis vier Pressekontakten. Alle Texte und Stellungnahmen verfasst Amsler eigenhändig. «So habe ich ­alles im Griff und unter Kontrolle», sagt er. Eine externe Unterstützung sei für ihn bisher nicht infrage gekommen. «Der Umweg über Dritte wäre mir zu aufwendig», so Amsler. «Ich habe sehr gute Grundtexte zur Verfügung und kann so auch schnell auf Anfragen reagieren.» So habe er am vergangenen Wochenende bereits auch zwei Texte für den morgigen Tag vorbereitet: den einen, mit dem er bei einer Nomination durch die FDP-Bundeshausfraktion vor die Medien treten will, den anderen für den Fall einer Nichtberücksichtigung. «Und beides sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch», sagt Amsler. Die vorausschauende Art habe er sich im Militär angeeignet, so Amsler, der in der Schweizer Armee den Rang eines Obersts hat. «Immer vorbereitet sein und stets in die übernächste Geländekammer blicken», so laute seine Einstellung.

«Mein Umfeld attestiert mir eine unheimliche Effizienz und einen enorm raschen Output.»

Christian Amsler, Bundesratskandidat

Doch wie stark vermag diese Medienarbeit die FDP-Fraktionsmitglieder zu beeinflussen? «Für die Beziehungspflege nach Bern habe ich fast das gesamte letzte Wochenende investiert», sagt Amsler. Mit wem er Gespräche geführt hat, will er aber nicht verraten. «Meine Taktik ist mein Geheimnis», sagt er. Persönlich in Bern sei er ebenfalls gewesen – aber aufgrund einer Verwaltungsratssitzung, wie Amsler betont. Und: «Ich habe durchaus mein Netzwerk in Bern.»

Sollte es Amsler morgen in Bern auf das Ticket der FDP-Fraktion schaffen, werde er sein bisheriges Vorgehen anpassen, sagt er: «Dann müsste man die Organisation hochfahren.» Amsler spricht vom Engagement eines Medien- und Kommunikationsprofis, der ihn bis zum Wahltag am 5. Dezember unterstützen würde. «Dann braucht es professionellen Support», sagt er. Er habe bereits auch mehrere Angebote von Beratern und Agenturen bekommen, unter anderem auch von bekannten und im Bundeshaus gut vernetzten Persönlichkeiten.

Schafft er es auf das Ticket, wird es teuer

Sollte Amsler einen Profi anstellen, würde das für ihn ins Geld gehen. Er bezahlt sämtliche Ausgaben dieses Wahlkampfs selber. «Ins Gewicht fielen bisher vor allem die zahlreichen Zugbillette», sagt er. Insgesamt seien es wohl ein paar Hundert Franken, die zusammengekommen seien. Von der Partei gibt es keine monetäre Unterstützung. «Vielmehr geben wir Amtsträger Geld an die Partei ab», sagt Amsler. Der sogenannte Mandatsbeitrag gehe für ihn aber völlig in Ordnung: «Das Geld wird für kantonale und nationale Wahlkämpfe gebraucht, nicht aber für Bundesratswahlen», sagt er.

Der Fahrplan zum Bundesrat

Morgen Freitag nominiert die FDP-Fraktion des Bundeshauses ihre offiziellen Kandidaten für die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Anschliessend finden mit den Politikern auf dem offiziellen Ticket sogenannte Hearings bei den anderen Parteien statt. Die Vereinigte Bundesversammlung wählt die zwei neuen Bundesräte dann am 5. Dezember.

 

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