«Es ist praktisch unmöglich, keine Frau zu wählen»

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Schaffhauser N…

Christian Amsler will erster Schaffhauser Bundesrat werden. Was Schaffhauser Politiker zu seiner Kandidatur sagen.

Christian Amsler will erster Schaffhauser Bundesrat werden. Bild: Selwyn Hoffmann

von Isabel Heusser und Mark Liebenberg

Seine Ambitionen waren schon länger bekannt, seit gestern ist es offiziell: Erziehungsdirektor Christian Amsler (FDP) bewirbt sich um die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann. Am Donnerstagabend hat die FDP Schaffhausen seine Kandidatur einstimmig beschlossen (die SN berichteten). Nun steht am 16. November eine grosse Hürde an: Dann nominiert die FDP-Fraktion ihre finalen Kandidaten. Ob es Amsler aufs Zweierticket schafft, ist ungewiss: Neben der St. Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter, die als Kronfavoritin gilt, hat auch der Nidwaldner Ständerat Hans Wicki Interesse angemeldet.

Sollte Amsler reüssieren, hat er eine Stimme aus der Bundesversammlung schon mal auf sicher: diejenige von SVP-Ständerat Hannes Germann. «Ich finde es toll, dass er den Mut für eine Kandidatur aufbringt.» Karin Keller-Sutters Leistungsausweis sei zweifellos unbestritten, jene von Amsler aber auch. «Und wenn ich die Gelegenheit habe, jemanden aus meinem Kanton zu wählen, dann mache ich das auch.» Er werde im Vorfeld sein Möglichstes tun, um sich für Amsler einzusetzen, sagt Germann: «Er und Karin Keller-Sutter als Zweierticket wären eine Win-win-Situation für mich.»

Anders sieht es SP-Nationalrätin Martina Munz: «Die FDP hat seit 30 Jahren keine Frau mehr im Bundesrat. Es ist darum praktisch unmöglich, keine Frau zu wählen.» Anders sei es bei der CVP. Mit Doris Leuthard sei zwölf Jahre lang eine Frau vertreten gewesen, «da dürfte es jetzt auch wieder ein Mann sein».

Munz’ Fokus liegt auf der FDP. Sie werde Karin Keller-Sutter «hundertprozentig» ihre Stimme geben. Nicht nur, weil sie eine Frau sei: «Sie ist sehr kompetent und hat Führungserfahrung.» Munz wünscht sich für die FDP ein reines Frauen-Zweierticket: «Schade, dass keine zweite Kandidatin in Sicht ist.» Amslers Chancen auf einen Bundesratssitz seien minimal. Doch für die Wahl sei eine Doppelkandidatur aus den Parteien wünschenswert. «Es ist darum sehr löblich, dass er sich für eine Kandidatur hergibt und bereit ist, als Aussenseiter den ganzen Rummel über sich ergehen zu lassen.»

Auch der freisinnige Schaffhauser alt Ständerat Peter Briner begrüsst Amslers Ambitionen: «Das Fenster für eine Kandidatur ist jetzt offen. Danach ist das Amt wieder für acht Jahre besetzt.» Amsler bringe die richtigen Qualifikationen für einen Bundesrat mit: «Wichtig sind die drei K: Kompetenz, Kommunikation und Konkordanz.» In allen drei Bereichen sei der Kandidat stark. Im Vergleich zum Nidwaldner Ständerat Hans Wicki habe Amsler nur einen Nachteil: «Ihm fehlen die Erfahrung in der Bundesversammlung und die Vernetzung.»

«Mut und Sportlichkeit»

Deshalb hänge nun alles davon ab, wie er sich bei den Hearings vor der FDP-Fraktion im Bundeshaus präsentieren werde. Briner glaubt, dass Amsler durchaus Chancen hat, aufs FDP-Zweierticket zu kommen. Sollte er es nicht schaffen, ist das aus Briners Sicht keine Niederlage: «Er befindet sich in einem Wettbewerb, und den kann man verlieren. Trotzdem beweist er schon jetzt Mut und Sportlichkeit.» Ähnlich war die Stimmung am Donnerstagabend an der FDP-Parteiversammlung. Neben Briner sprachen sich noch weitere FDPler dezidiert für Amslers Kandidatur aus. Ein Parteimitglied forderte die Anwesenden auf, unbedingt ein starkes Zeichen zu setzen und die Nomination einstimmig vorzunehmen. Ein weiterer Freisinniger forderte den Vorstand auf, auch bei einer Niederlage Amslers den Schwung in die kommenden beiden Wahljahre mitzunehmen. Das Traktandum Bundesratskandidatur dauerte nur gerade eine halbe Stunde. Mit Rücksicht auf die vielen Fernsehkameras und die überregionalen Medienvertreter wurde auch darauf verzichtet, eine Beratung hinter verschlossenen Türen durchzuführen.

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