Der bittere Fehlstart des FCS

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Schaffhauser N…

Die FCS-Profis wollten mit einem Sieg zum Rückrundenstart ihrem verstorbenen Präsidenten Aniello Fontana drei Punkte schenken. Daraus wurde nichts. Am Ende hiess es verdient 2:0 für Chiasso.

Faruk Gül (r.) hatte die Führung auf dem Fuss, verpasste sie aber in seinem 222. Spiel für den FCS. Bild: Roger Albrecht

von Daniel F. Koch

Fussball.Das erste Heimspiel in der Challenge League im Jahre 2019 war etwas ganz Spezielles. Nur wenige Tage zuvor war Clubbesitzer Aniello Fontana nach langer Krankheit, aber doch überraschend verstorben. Für die Spieler, die gemeinsam mit der Familie und vielen Trauergästen an einer bewegenden Feier im Schaffhauser Münster vom Pa­tron Abschied nahmen, ging der fussballerische Alltag wieder los.

Erinnerungen an Aniello Fontana

Nach den Lieblingsmusikstücken des Patrons, einer kurzen Bilderschau seines sportlichen Wirkens für den FC Schaffhausen und der Trauerminute, die vom langjährigen Stadionspeaker und Clubstatistiker Ronny Bien kommentiert wurde, pfiff Lionel Tschudi die Partie an. 923 Zuschauer waren bei winterlichen Temperaturen zum ersten Spiel der Nach-Fontana-Ära gekommen. Der Gastgeber trat in schwarzen Trikots mit dem Aufdruck «Danke Aniello» an. Auch die Fans der Bierkurve hatten der Bedeutung dieser Partie Rechnung getragen und Banner aufgehängt.

Die Fans des FCS gedachten dem verstorbenen Präsidenten Aniello Fontana. Bild: Kay Uehlinger

Eines lautete: «Dini Vereinstreui brennt immer wiiter», stand dort in Anspielung darauf, dass Fontana nicht nur 27 Jahre lang Präsident und Clubbesitzer gewesen war, sondern auch alles für den Verein gemacht und viel Herzblut, Engagement und Geld in das Gedeihen des FCS eingesetzt hatte.

Als Höhepunkt seines Wirkens gilt natürlich der Bau des neuen Schaffhauser Fussballstadions, des Lipo-Parks. Das Vermächtnis eines Fussballförderers.

Unzufriedene Fans

Leider konnte die Mannschaft auf dem Spielfeld ihr Vorhaben, dem verstorbenen Patron drei Punkte im ersten Rückrundenspiel zu schenken, nicht in die Tat umsetzen. Im Gegenteil: Trotz statistischer Überlegenheit (65 Prozent Ballbesitz) und optischer Dominanz kam am Ende eine Heimpleite heraus, die die treuen FCS-Anhänger mit einem lauten Pfeifkonzert quittierten. Und das völlig zu Recht.

Denn die FCS-Spieler waren nicht in der Lage, den aggressiven und giftigen Gästen, die oft an der Grenze des Erlaubten agierten, Paroli zu bieten. Vielleicht wäre die Partie anders verlaufen, hätte Faruk Gül in der 20. Minute das Zuspiel von Tunahan Cicek verwertet. Gül kam frei vor Gästekeeper Anthony Mossi zum Schuss, brachte den Ball aber nicht im Gehäuse unter. Darum konnte sich der Publikumsliebling nicht so richtig freuen, dass er sein 222. Spiel für den FCS absolviert hatte. «Es ist sehr traurig, weil wir keinen Erfolg hatten. Aus gefühlten 95 Prozent Ballbesitz haben wir nichts herausholen können.» Kollege Arijan Qollaku vermisste bei seinen Mitspielern den Killerinstinkt vor dem Gästetor. Und so musste man an eine der Fussballweisheiten denken, die da lautet: «Wer die Chancen vorn nicht macht, bekommt sie hinten rein.» Und genau so kam es dann auch. In der 25. Minute nützte Sofian Bahloul die erste Möglichkeit der Tessiner eiskalt und dank gütiger Mithilfe der FCS-Verteidigung zum 0:1. Noch vor der Pause, der FCS wusste durch sicheres Ballspiel zu überzeugen, leider nur in der Quer- und Rückbewegung, erhöhte Chiasso auf 0:2. Ein sehenswerter Diagonalpass von Nikola Milosavljevic auf Nicolae Milinceanu war der Ausgangspunkt. Der Rumäne fackelte nicht lange und traf (44.) via Innenpfosten zum 0:2. FCS-Keeper Franck Grasseler blieb nur die Rolle des Zuschauers.

Die Wende blieb aus

Lange Gesichter zur Pause bei den FCS-Spielern und deren Supportern. Kann das Heimteam die Partie noch drehen? Welchen taktischen Kniff zieht Trainer Boris Smiljanic aus seinem Register? Fragen, die man sich auf der Tribüne des Lipo-Parks vor Wiederanpfiff stellte. Doch die Antworten fielen enttäuschend aus. Das FCS-Spiel verlief wie in Durchgang eins. Kein Aufbäumen, kein Energieanfall. Warum suchten die Offensivkräfte, hier vermisste man die verletzten Miguel Castroman und Danilo del Toro an allen Ecken und Enden, nicht den direkten Weg zum gegnerischen Tor? Warum wurde nicht mehr über die Flügel gespielt? Je länger die Partie dauerte, umso unruhiger wurden die Fans, Pfiffe für misslungene und teilweise haarsträubende Fehler im Spielaufbau folgten auf dem Fusse. Als Lionel Tschudi nach 94 Minuten abpfiff, blieb die Erkenntnis, dass der Gästesieg verdient war. «Es war eine bittere Niederlage», kommentierte FCS-Trainer Boris Smiljanic. «Wenn in diesem Spiel 100 Aktionen waren, so machten meine Spieler 96 richtig. 4 nicht.» Aber genau diese vier brachten dem Team von Chiasso-Trainer Andrea Manzo zwei Treffer und drei Punkte ein. Und dem FCS die Erkenntnis, dass man nicht von der Barrage träumen soll, ehe man seine Hausaufgaben erledigt hat. Gegen ein sehr defensives Chiasso hätte man gewinnen müssen. Doch es fehlten die guten Ideen und das innere Feuer.

Der nächste Auftritt in Wil

Die Chance zu einer Reaktion haben die FCS-Spieler am nächsten Sonntag in der IGP-Arena in Wil. Dort treffen die beiden Verlierer des Rückrundenstarts aufeinander. 

Weitere Stimmen zum Spiel hören Sie hier:

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