«Der Fussball ist kein Wunschkonzert»

Autor
Daniel F. Koch

Der FC Schaffhausen hat sich mit einem 2:1-Sieg über den Tabellenletzten FC Wil in die Winterpause verabschiedet. Trainer Boris Smiljanic hat nach sechs Runden Murat Yakin ersetzt. Seine Bilanz: sechs Siege, sechs Niederlagen. Für ihn ist die Bilanz durchaus positiv.

FCS-Cheftrainer Boris Smiljanic dirigiert seine Spieler auch lautstark, wenn es die Situation erfordert. Bild: Roger Albrecht

Boris Smiljanic, mit dem 2:1-Sieg gegen den FC Wil, 36 Punkten auf dem Habenkonto und Platz 2 in der Challenge League beenden Sie mit dem FC Schaffhausen das Fussballjahr 2017. Zufrieden?

Boris Smiljanic: Ja. Ich bin zufrieden. Das Fussballjahr hat mich insgesamt sehr zufriedengestellt. Auch wegen der guten Vorarbeit von Murat Yakin. Es ist uns gelungen, diese Arbeit auf anständige Art und Weise fortzuführen. Glücklich bin ich auch, weil wir das letzte Spiel gewinnen konnten. Das Resultat hat mich happy gemacht, die Leistung weniger.

Der Wechsel von der U 21 der Grasshoppers zu den Profis des FC Schaffhausen sowie die Nachfolge von Startrainer und Exkollege Murat ­Yakin war auch für Sie speziell. Wie beurteilen Sie die Veränderungen aus heutiger Sicht?

Es waren grosse Veränderungen. In den drei Monaten in der Challenge League habe ich enorm viel gelernt. So funktionieren die Spieler in dieser Liga anders als U-21-Spieler. Mir hat das den Horizont enorm erweitert.

Sie starteten Ihre erste Stelle als Trainer in der Challenge League mit einer Niederlage in Genf und dem Ausscheiden im Cup gegen den Erstligisten Münsingen. In den zwölf Runden unter ihnen gab es sechs Niederlagen und sechs Siege. Wie stufen Sie diese Resultate ein?

Bei sechs Siegen und sechs Niederlagen ist die Bilanz durchzogen. Ich hätte gerne eines der beiden Topspiele gegen Xamax Neuenburg oder Servette Genf gewonnen. Letztlich konnten wir mit unseren Resultaten zumindest den dritten Platz in der Tabelle halten. Und das ist mit dem FC Schaffhausen ein Zwischenresultat, das man durchaus positiv bewerten kann, auch wenn ich gerne zwei Siege mehr auf dem Konto hätte. Aber der Fussball ist nun mal kein Wunschkonzert.

Nervt es Sie, dass man Sie immer wieder mit Ihrem Vorgänger Murat Yakin vergleicht? Einige Leute bemängeln, dass der Glamour-Effekt der Yakins verloren ging?

Nein, das nervt mich überhaupt nicht. Das war in der Anfangsphase, als ich beim FC Schaffhausen anfing, viel intensiver. Heute kommt das immer seltener vor. Ich hatte und habe damit überhaupt keine Mühe.

Nach dem 2:1-Heimsieg gegen den FC Wohlen stellten Sie zufrieden fest, dass Sie den Eindruck haben, dass die Spieler jetzt ihre Art, eine Mannschaft zu führen, verstanden haben. Danach folgten die Niederlagen gegen die Aufstiegsanwärter Neuenburg und Servette. Ihr Team konnte zwar mithalten, verlor aber trotzdem. Wurmt Sie das?

Ja, natürlich wurmt mich das. Denn eine dieser beiden Partien hätte ich gerne gewonnen. Beim 1:2 gegen Xamax waren wir die bessere Mannschaft, beim 1:2 gegen Servette zumindest in der ersten Hälfte. Ich hätte gerne einmal einen Big Point geholt, um den Abstand zu den Spitzenplätzen noch zu verringern.

Wenn Sie am 4. Januar das Training wiederaufnehmen, haben Sie vier Wochen Zeit gehabt, Ihr Team auf die Rückrunde vorzubereiten. Das werden Sie im heimischen Lipo-Park machen und nicht im Süden. Wo werden Sie die Schwerpunkte setzen?

Wie in jeder Vorbereitungsphase geht es erst einmal darum, die physischen Grundlagen für die Rückrunde bei den Spielern zu setzen. In diesem Bereich sehe ich noch viel Potenzial. Allerdings muss man bald darauf achten, dass man die Frische für das Startspiel erhält. Nach zwei Wochen Konditionsarbeit muss man sich aber bereits wieder um den taktischen Feinschliff kümmern.

Wie sieht es personell aus? Können die Schlüsselspieler wie beispielsweise Tunahan Cicek gehalten werden, oder haben Sie noch Wünsche, um Ihren Kader zu verstärken? Haben Sie das mit FCS-Geschäftsführer Marco Truckenbrod Fontana schon besprochen?

Wir haben schon zwei, drei Meetings zu diesem Thema gehabt. Wir hoffen natürlich, dass wir Cicek halten können, er hat ja noch Vertrag bis 2019. Wer ihn holen möchte, muss bezahlen. Offiziell ist beim Club aber noch keine Anfrage eingegangen. Wir haben fünf, sechs Alternativen im Hinterkopf. Falls einer unserer Spieler gehen würde, könnten wir sofort reagieren. Allerdings wollen wir den Kader nicht künstlich aufblähen. Ich glaube, dass wir in dieser Konstellation noch einiges bewegen können. Ich habe vollstes Vertrauen in meine Spieler.

Sie haben immer erwähnt, dass Sie die Mannschaft nach Ihren Vorstellungen aufstellen wollen. Welche Ideen haben Sie, und werden Sie eine solche Änderung auf die Rückrunde hin einführen?

Zunächst einmal konnte ich meine Spielideen nicht umsetzen. Der Schock des Trainerwechsels war bei den Spielern gewaltig. Normalerweise wird kein Trainer gewechselt, wenn es gut läuft. Darum habe ich die Spieler mit meinen Vorstellungen nur schwer erreicht. Die Mannschaft war damals nicht aufnahmefähig. Doch so langsam kommt das. Ich konnte in dieser Phase viel von der Mannschaft und auch über mich lernen. Ich habe mich zurückgenommen und mich der Mannschaft angepasst. Trotzdem habe ich natürlich meine Ideen weiter im Kopf. Meine Vorstellung von gutem Fussball sieht folgendermassen aus: Die Spielidee ist wichtig, nicht das System. Da muss man variabel bleiben. Ich möchte, dass meine Mannschaft einen schönen dominanten Fussball spielt und mit viel Ballbesitz auftritt. Dabei muss aber immer auch das Resultat stimmen. Das ist in der Challenge League schon irgendwie grotesk.

Zum Schluss noch eine Frage zu Ihrer persönlichen Zukunft. Der Club hat immer kommuniziert, dass er nichts mit dem Abstieg zu haben möchte. Mit 36 Punkten auf der Habenseite dürfte das wohl schon erreicht sein. Ihr Vertrag verlängert sich automatisch, wenn Sie mindestens Platz 5 erreichen. Mit welchen Erwartungen steigen Sie persönlich in die Rückrunde ein?

Ich habe keine grossen Erwartungen. Von den Spielern erwarte ich wie bisher auch viel Einsatz und eine professionelle Arbeitseinstellung. Das ist das Entscheidende. Alles andere sind nur Nebenschauplätze, die man eröffnet und die nur viel Energie kosten und der Sache nicht dienlich sind. Meine Ziele in der Rückrunde sind klar umrissen. Es ist wichtig, gegen die Teams, die hinter uns in der Tabelle sind, gut auszusehen und, wann immer möglich, zu gewinnen. Gegen die Spitzenclubs wie Xamax und Servette sollten wir nicht leer ausgehen. Wenn uns das gelingt, habe ich auch mein persönliches Ziel erreicht.

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