Angst vor einer Masernepidemie: Ist Schaffhausen vorbereitet?

Autor
Ralph Denzel

In Biel musste eine Schule geschlossen werden, weil viele Kinder an den Masern erkrankt sind. Die Schaffhauser Behörden sagen: Wir hätten genauso reagiert – aus gutem Grund.

Der wirksamste Schutz gegen Masern ist Impfen. Bild: Keystone

Das Masernvirus ist heimtückisch. Wenn man sich mit dem Erreger angesteckt hat, bilden sich die verräterischen roten Punkte auf dem Körper nicht sofort. Zuvor kommt es zu Fieber und Grippesymptomen wie Halsschmerzen und Husten. Die roten Punkte kommen meistens erst nach ungefähr zwei Wochen. Genug Zeit, um im Zweifel den hochaggressiven Virus weiter zu verteilen.

In Biel musste erst kürzlich eine Schule geschlossen werden, nachdem die Masern dort ausgebrochen waren. Während einige Menschen sagen, dies sei unverhältnismässig, sind die Behörden in Schaffhausen anderer Meinung: Im Kanton Bern habe man richtig reagiert – und hier würde man es genauso machen.

Hohe Impfquote, trotzdem nicht immer ausreichender Schutz

Die Masern-Impfquote in Schaffhausen ist laut Anna Sax, Leiterin des kantonalen Gesundheitsamtes Schaffhausen, ziemlich hoch: «2017 lagen im Kanton die Impfquoten bei den 8-Jährigen bei 94, bei den 16-Jährigen bei 91 Prozent.» Allerdings zeigen Statistiken des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), dass diese Quote im Kanton nur bei der ersten Impfung erreicht wird. Bei der zweiten Impfung liegt sie «nur» noch bei 87,1─94,6 Prozent (siehe Infobox). Laut Kantonsärztin Maha Züger eine gute Zahl, allerdings: Die erste Impfung alleine bringe keinen vollständigen Impfschutz. Die Expertin rät sogar zu drei Impfungen. Bei der ersten Impfung antworte das Immunsystem meistens noch nicht und bilde dementsprechend auch keine Antikörper. «Erst nach der zweiten oder sogar dritten Impfung kann man sicher sein, dass ein vollständiger Impfschutz vorhanden ist.»

Zwei grosse Sorgen treiben bei Masern vor allem die kantonalen Behörden um: Die schnelle Ausbreitung und die möglichen Komplikationen, die so eine Infektion nach sich ziehen kann. Maha Züger: «Eine Schule ist ein ungemein exponierter Ort und Masern können sich in einem Umfeld, wo Kinder spielen und dauernd Kontakt miteinander haben, sehr schnell verbreiten.» Die möglichen Folgen von Masern sind dabei gravierend: «Infolge einer Infektion kann es zu Durchfällen, Lungenentzündungen oder sogar Hirnhaut- und Hirnentzündungen kommen», warnt Maha Züger. Diese Krankheiten sind lebensbedrohlich und können langwierige Folgen für die Gesundheit haben. Auch aus diesem Grund sind Maserninfektionen meldepflichtig.

Auch der Vorsteher des Erziehungsdepartements, Christian Amsler, ist sich diesen Gefahren bewusst und versichert auf Nachfrage: «Das Erziehungsdepartement steht im engen Austausch mit den Schulgemeinden, wenn so etwas passieren würde.» Er gibt jedoch zu: Als er die Nachricht aus Biel las, klopfte er erstmal auf Holz, «dass sowas nicht auch bei uns passiert.»

Was, wenn in Schaffhausen die Masern ausbrechen?

Wenn ein Kinderarzt bei einem Kind die Masern diagnostiziert, passiert im Kanton Schaffhausen Folgendes: Diese Meldung gibt er sofort an das Gesundheitsamt und den Kantonsarzt weiter. Die beiden treffen dann, zusammen mit dem Erziehungsdepartement, dem Departement des Inneren und den kommunalen Schulgemeinden die Entscheidung, wie es weitergehen soll. Das beinhaltet meistens auch, dass sämtliche Personen, die Kontakt mit diesem Kind hatten, angerufen werden und der Impfpass kontrolliert wird. Ist keine Impfung vorhanden, wird dementsprechend weiterverfahren. «Im Notfall kann das bedeuten, dass eine Schule geschlossen werden muss», sagt Maha Züger, «zumindest, bis die Infektion ausgestanden ist».

Aber nicht nur für Erkrankte kann eine Infektion Folgen haben. So sagt Anna Sax vom Gesundheitsamt, dass Eltern schriftlich darauf hingewiesen werden, dass bei einem Masernausbruch ein Schulverbot von bis zu 21 Tagen ausgesprochen wird – und zwar nicht nur für die kranken Kinder, sondern auch für nicht geimpfte, gesunde Geschwister. Diese radikale Massnahme folgt auch dem Wunsch von Schulleitern, dass weiter Unterricht stattfinden kann. «Kein Schulleiter will seine Schule geschlossen haben», sagt Christian Amsler. «Wenn es zu einer Zwangsferienlösung kommt, muss das von vorneherein gut abgesprochen sein.»

Behörden empfehlen Impfungen

Für das Gesundheitsamt, die Schulbehörde und die Kantonsärztin ist daher klar: Masernimpfungen sind wichtig. «Die Erziehungsberechtigten der schulpflichtigen Kinder im sechsten und im achten Schuljahr werden über die empfohlenen Basisimpfungen informiert und haben die Möglichkeit, fehlende Impfungen kostenlos nachholen zu lassen», so Anna Sax. Dieses Vorgehen finde man beim Gesundheitsamt sehr wichtig und richtig. So habe man auch die recht hohe Impfquote erreicht. Auch Christian Amsler zeigt sich sehr zufrieden mit einer Durchimpfungsrate von 94 Prozent. Er selber sei auch geimpft, wie er auf Nachfrage erklärt. Auch Erwachsene mit keinem oder mit zu geringem Impfschutz können Opfer dieser Krankheit werden.

Ebenso erfreut über die hohe Quote ist Kantonsärztin Maha Züger. Seit 2013 gab es im Kanton Schaffhausen keine Infektionen mit Masern mehr. Gleichzeitig erklärt sie aber auch: «Die fehlenden sechs Prozent bei den Impfungen klingen nicht nach viel – aber bei einer Durchimpfung von 100 Prozent hätten wir irgendwann gar kein Problem mehr mit Masern.»

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