Geschichten, über die wir 2018 (nicht) gerne berichtet hätten

Autor
Ralph Denzel

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Wir blicken zurück auf die Geschichten, die wir nie hatten - teilweise sind wir ganz froh darüber, teils auch etwas traurig.

Was hätten wir 2018 gerne berichtet? Hier erfahren Sie es. Bild: OPP

Das Jahr 2018 war nicht unbedingt arm an Schlagzeilen – und trotzdem gibt es manche, von denen wir rückblickend gewünscht hätten, sie schreiben zu können. Da die Chance aber sehr gering ist, dass in den letzten beiden Tagen des Jahres die Geschichten noch wahr werden, nutzen wir jetzt die Chance und sagen: Um einige ist es schade, bei anderen sind wir ganz froh, dass wir sie nie erzählen mussten.

Schalalala! Schaffhausen feiert den WM-Sieg

Völlig unvorbereitet, völlig überraschend aber auch völlig verdient, gewinnt die Schweizer Nationalmannschaft die Fussball-WM in Russland und wird Weltmeister. Die Fussballwelt steht Kopf und auch die Stadt. Der Munot wird mit einer überdimensionierten Schweizer Flagge geschmückt, die Strassen werden zu Ehren der Kicker für einige Tage unbenannt. So tobt die Party über den WM-Triumph nicht mehr auf dem Fronwagplatz, sondern auf dem Stephan-Lichtsteiner-Platz. Neun Monate nach dem sensationellen Sieg gegen Frankreich, dem hochgelobten Favoriten, erblicken immer mehr kleine Xherdans, Ricardos oder Granits das Licht der Welt. Wie könnte man aber auch jemals vergessen, wie genial dieser Steilpass von Ricardo Rodriguez das gesamte französische Mittelfeld durchdrungen hatte, wie Granit Xhaka eine Jahrhunderflanke in den Strafraum spielte, genau auf den Kopf von Xherdan Shaqiri, der den Ball mit solcher Wucht über die Linie köpfte, dass der französische Torwart Hugo Lloris keine Chance hatte. Trotz einem Sturmangriff nach dem anderen auf das Schweizer Tor: Die Nati rettet das Ergebnis über die Zeit und holt sich so zum ersten Mal in der Geschichte den Weltmeisterpokal.

So ging es in der Innenstadt nach dem Sieg gegen Serbien ab - wie wäre es wohl nach einem WM-Titel gewesen?

Gut, die bösen Blicke der deutschen Nachbarn, die beim «Weltmeisterfeuerwerk» über dem Rhein sich nur nochmal an die Schmach von Russland erinnert fühlten, waren nicht ganz so schön – aber das war letztlich jedem egal.

Der Bock wird zensiert

Deutlicher kann man seine Männlichkeit kaum zur Schau stellen, oder? Bild: Selwyn Hofmann

In Zeiten von Gleichberechtigung und Gender-Neutralität muss man sehr vorsichtig sein – das wissen auch die Schaffhauser Stadtväter und -mütter und entscheiden sich daher, nach einer langen um emotionalen Diskussion: Der Schaffhauser Bock am Museum Allerheiligen muss zensiert werden. Schon zu lange präsentiere dieser in bester Man-Spreading-Manier seine Geschlechtsorgane – das könne in Zukunft nicht mehr so sein.

Ein Aufschrei ging daraufhin durch die Stadt – und zwar in alle Richtungen. Den einen ging ein blosser schwarzer Balken, der über die Hoden des Bocks montiert wurde, nicht weit genug, den anderen ging das zu weit. Nun jedenfalls ist der Bock fürs erste, zumindest visuell, entmannt – ob aus der Zensur auch eine Kastration wird, soll das Stimmvolk Anfang 2019 entscheiden. Apropos Bock…

David und Cem machen ein Selfie-Fitness-Center auf

Die beiden Schaffhauser «Bachelorette»-Kandidaten Cem und David. Bild: Screenshot

Es war eine der schönsten Bromances seit Winnie Puh und Ferkel, seit Patrick Star und Spongebob Schwammkopf, seit Ernie und Bert - David und Cem, bekannt aus «Die Bachelorette». Während ganz Schaffhausen (meistens heimlich) voller Spannung darauf wartete, welcher der beiden Herren den anderen ausstach und letztlich das Herz der Baslerin Adela erobern sollte, wurden aus den beiden Konkurrenten Freunde – und als solche hatten sie, schon während der Staffel, eine glorreiche Idee: Kaum war das Liebesaus zwischen Adela und Cem öffentlich, traten die beiden wieder zusammen vor die Kamera und präsentierten ihre Business-Idee: DavCem-Studios.

Dahinter verbarg sich ein Fitnessstudio mit integrierten Fotografen. Dieser konnte zusammen mit dem regulären Abo dazu gebucht werden und knipste die Mitglieder bei ihrem Workout. Gegen einen weiteren Aufpreis konnte man zudem von einem professionellen Social Media-Manager die Bilder ins passende Instagram-Format bringen lassen, den richtigen Filter darüber gelegt und ein paar aussagekräftige Hashtags eingefügt bekommen. Das Geschäft boomte bei den beiden – und Schaffhausen wurde zum Mekka für Fitness-Selfie-Süchtige.

Red Bull übernimmt den FC Schaffhausen

RB Schaffhausen? Bild: Pixabay

Damit haben Sie nicht gerechnet, was? Wohl niemand. Aber der Energie-Drink-Hersteller hat sich den kleinen Club aus der Ostschweiz ausgesucht und nimmt ihn nun unter seine Fittiche. Das schmeckte natürlich im ersten Moment nicht jedem: Die Bierkurve ging in den Ausstand, wurde von Gegnern immer wieder als «Dosen-Drink»-Kurve tituliert. Auch das Stadion wird verändert: Der FC musste anfangen, sich in den Vereinsfarben zu kleiden, was dazu führte, dass die nicht mehr Schwarz und Gelb dominierte, sondern plötzlich das typisch Weiss-Rote-Red-Bull-Outfit, wie man es schon bei RB Leipzig oder RB Salzburg gesehen hat. Damit der FC Schaffhausen aber nicht einfach nur RB Schaffhausen hiess, hatte das Marketing von Red Bull die Idee, den Club, auch in Anlehnung an das Wappentier der Stadt, die «Roten Böcke» zu nennen – dass daraus dann zwar auch wieder RB Schaffhausen wurde und das Schaffhauser Wappentier eigentlich ein Mufflon und kein Bock im eigentlich Sinne ist, wurde den Verantwortlichen allerdings erst klar, als der FCS das erste Mal unter neuem Sponsor auflief.

Immerhin: Durch die kräftige Finanzspritze und einigen sündhaft teuren Einkäufen setzte sich der FCS – Pardon – RBS direkt nach Saisonstart an der Tabellenspitze fest und gab diese auch bis zur Winterpause nicht mehr ab – nur die Fanzahlen sanken noch weiter. Spannung kam im Stadion einfach nicht mehr auf, wenn man ohnehin schon weiss, welcher Verein am Ende gewinnen wird.

Farid Bang und Kollegah singen Schaffhauser-Lieder

Die beiden Skandalrapper Farid Bag und Kollegah. Bild: zVg

Es war der Aufreger im April: Die beiden Skandal-Rapper Farid Bang und Kollegah sollten beim Albanian Festival in der BBC-Arena auftreten. Dagegen regte sich jedoch massiver Widerstand, weil die beiden Musiker antisemitische Liedtexte gehabt haben sollen – ja, was nun? Um zu beweisen, dass sie auch ganz anders können und weil die beiden unbedingt in der Munotstadt auftreten wollten, entschlossen sie sich im April ein Gegenkonzert zu geben. Auf dem Munot, ohne Goldketten, mit viel Pathos in der Stimme und mit deutlichen Problemen mit dem Schweizerdeutsch, trällerten die beiden dann Schaffhauser Volkslieder. Dieter Wundermanns «Blos e chlini Stadt» wurde dabei ebenso zum Besten gegeben wie auch das «Munotglöggli». Auch wenn die meisten der angereisten Fans doch ziemlich irritiert von dieser Darbietung waren, so fand dieses Konzert doch viel Anklang – zwar eher bei den asiatischen Touristen, die sich diese Attraktion auf dem Munot nicht entgehen lassen wollten, aber immerhin. Und, auch das funktionierte: Von den antisemitischen Texten der beiden sprach in den nächsten Monaten niemand mehr.

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