Hollywood in Schaffhausen: Filmdrehs in der Region

Autor
Ralph Denzel

Das ist doch bei uns! Diesen Satz können Filmfreunde ziemlich oft sagen, denn: Die Region Schaffhausen hat schon in einigen Filmen als Kulisse gedient. Wir stellen Ihnen einige Projekte vor.

Schon mancher Film wurde hier gedreht. Bild: S. Hoffmann/Pixbay - Montage: OPP

Kamera ab - und Action! 

Die alten Gassen von Schaffhausen und auch die Region an sich waren schon öfter Schauplatz so mancher Filmproduktion – sowohl von grossen Filmreihen, wie dem «Tatort», aber auch kleinere Projekte haben schon die Region als Kulisse benutzt. Wir haben eine Auswahl von Filmen zusammengetragen, in denen man bei der einen oder anderen Stelle «Hey, das kenne ich doch!», rufen kann.

The Ring Thing

Zugegeben: Das geringe Budget des Films «The Ring Thing» merkt man an jeder Ecke, aber das hat Kinogänger nicht davon abgehalten in Scharen in die Kinos zu stürmen und die Parodie auf «Der Herr der Ringe» aus dem Jahr 2004 anzuschauen. Auch die Einschätzung von Kritikern, die den Film als «schlechtesten Schweizer Film aller Zeiten» bezeichneten, tat dem Erfolg keinen Abbruch.

Die abgedrehte Story: Der Bankier Fredi ist verliebt – in eine Heidi (ja, der Film strotzt vor Klischees). Auf einer Flugzeugtoilette übt er mit einem von ihm gekauften Ring den Heiratsantrag, den er seiner holden Heidi machen will – bis ihm buchstäblich der (Flugzeug)Boden unter den Füssen wegbricht. Fredi landet daraufhin in einer Bergwelt, wo er mit dem Hobbit Friedo verwechselt wird. Aber es kommt noch dicker: Der Ring, den er für seine Verlobte vorgesehen hat, wurde ihm vom bösen Lord Sauraus gestohlen. Dieser will nun mit Hilfe des Ringes die gesamte Welt mit Fondue (wie gesagt: Klischees) überbacken! Schreck lass nach.

Was hat die Region damit zu tun? Raten Sie doch mal, wo Sauraus seine Festung hat: Richtig: Auf dem Munot. Dort arbeiten die Helfer des bösen Zauberers daran, die Welt in Käse zu verwandeln. Aber sehen Sie hier selbst:

 

 

Kevin

Niemand geringeres als Gilles Tschudi hat in diesem Kurzfilm aus dem Jahr 2009 die Hauptrolle gespielt. Und diese hatte es in sich, schliesslich spielte der Schauspieler dabei einen Vater, dessen Sohn einen Amoklauf an einer Schule begangen hat.

Der Schauspieler Gilles Tschudi bei den Dreharbeiten in Schaffhausen.

Die Story: Durch einen tragischen Unfall hat Kevin hat beim Spielen seinen Bruder erschossen. Im Wald lässt der Vater, gespielt von Gilles Tschudi, die Kinder kurz aus den Augen – und das Unglück geschieht. In Folge dessen muss Kevin seinen Bruder ersetzen, kommt aber nicht an die Leistungen und Talente seines verstorbenen Bruders heran. Der Vater setzt ihn daraufhin noch mehr unter Druck, woran der Junge irgendwann zerbricht. Dass er in der Schule gehänselt wird, bringt das Fass letztlich zum Überlaufen und führt zum Amoklauf.

Der Film mit einem Budget von 10‘000 Franken wurde komplett in und um Schaffhausen gedreht. So war die Kammgarn ein Drehort, die Vorstadt(siehe Bild), ebenso wie eine Bar in der Altstadt. Das Projekt, initiiert von den drei Schaffhauser Jungregisseuren Christian Gleich, Marc Heer und Marco Del Monte, erhielt viele positive Kritiken von Seiten der Presse. Sicher auch Dank dem erfahrenen Schauspieler Gilles Tschudi, der die Rolle des Vaters unentgeltlich spielte. «Solche Unternehmen, die voller Herzblut sind, muss man unterstützen», sagte er zu diesem Film.

Leider ist der Film im Internet nicht mehr zu finden und auch die Seite, auf der die Regisseure Kopien ihres Werkes verkauften, ist nicht mehr erreichbar.

Zwingli – der Film

Nicht in Schaffhausen, aber in der Region gedreht, wurde der «Zwingli»-Film. Binnen weniger Wochen wurde dabei die Altstadt von Stein am Rhein in das mittelalterliche Zürich verwandelt. Auch der Rhein wurde als Kulisse für den Film genutzt. «Wir haben hier alles, was wir brauchen, direkt vor Ort», schwärmte damals der Regisseur Stefan Haupt bei einer Führung durch das Filmset.

Die Handlung des Films folgt dabei dem Zürcher Reformator Huldrych Zwingli, von seinen Anfängen bis zu seinem grausamen Tod im Jahre 1531. Neben der Altstadt von Stein am Rhein wurde auch das Kloster genutzt. Dort wurden die alten Räume zu Zwinglis Arbeitszimmer, ebenso wurde darin eine Sitzung des damaligen Zürcher Stadtrates gedreht. Wer sich in Stein am Rhein auskennt, wir wohl mehr als einmal sagen: «Moment, das kenne ich doch!» Unseren Bericht vom Drehort gibt es übrigens hier zum Nachzulesen.

Tatort – Der Polizistinnenmörder

Für viele Menschen, vor allem in Deutschland, gehört der Sonntagabend der Filmreihe «Tatort». Die Faszination für diese Reihe ist tief im Bewusstsein von Millionen von Zuschauern verwurzelt.

Auch in der Schweiz erfreut sich die Arbeit von Kommissaren grosser Beliebtheit - und in Schaffhausen wurde schon grenzüberschreitend ermittelt: Kommissarin Klara Blum, gespielt von der deutschen Schauspielerin Eva Mattes und ihr Kollege Kai Perlmann, gespielt von Sebastian Bezzel, sind im Tatort «Der Polizistinnenmörder» im Gebiet um die Schifflände und dem «Güterhof» zu sehen.

Die Story: Gejagt wird ein Waffenhändler – dieser hat jedoch einen Maulwurf in den Reihen der Polizei. Als dann auch noch eine junge Polizistin getötet wird, ist die Sache persönlich geworden und die Jagd nach den Tätern rund um den Bodensee und bis in die Schweiz ist eröffnet. Neugierig? Hier können Sie den Tatort anschauen:

 

Die Schweizer

Der Munot verwandelte sich in eine mittelalterliche, französische Burg: Bild: S. Hoffmann

Weit reisen muss man nicht immer, um gute Kulissen zu finden. Das dachten sich auch die Regisseure der Doku-Fiktion «Die Schweizer» - und brachten nicht nur Hollywood-Flair sondern auch Frankreich auf den Munot. Wie schon in «The Ring Thing» diente unsere Hausburg als Schlossdrehort. In dem Film war es das Schloss des französischen Königs Ludwig XI., der dort Schweizer Gesandte empfing.

Die Doku-Reihe behandelte grosse Schweizer in der Geschichte und ihren Einfluss auf das Weltgeschehen. Hier können Sie die Folge mit dem Munot sehen.

Hadh Kar Di Aapne

Nein, wir sind nicht auf der Tastatur eingeschlafen - das ist der Titel eines Bollywood-Films, der hier in Schaffhausen, Stein am Rhein und am Rheinfall gedreht wurde. Das indische Filmteam von Vicky-Films Mumbai produzierte dabei einen klassischen, indischen Spielfilm – was bedeutet: Es ist eine Liebesgeschichte mit viel Musik und Tanz. Siehe oben.

Das rund 50-köpfige Team verbrachte damals drei Tage in der Region, ehe es wieder zurück ging. Die Dreharbeiten erfreuten vor allem indische Touristen am Rhein, die sich um Autogramme der Stars bemühten. 

Das war übrigens nicht das einzige mal, dass sich ein indisches Filmteam von der Region verzaubern lies. Bereits 1997 wurde in Stein am Rhein ein Bollywood-Film gedreht. Hier können Sie einen Ausschnitt davon sehen.

Aber damit nicht genug: Die Schweiz wird immer beliebter bei Bollywood-Filmen. Ganz vorne dabei ist auch oft unsere Region, wie die interaktive Karte von Swissinfo.com zeigt.

Wenn Sie also einen Faible für Bollywood-Filme haben und irgendwann die Schaffhauser Altstadt oder den tosenden Rhein in einem sehen: Jetzt wissen Sie auch, warum.

 

Der Hexenstein

Auch dieser Film muss erwähnt werden, auch wenn er etwas aus der Reihe fällt: «Der Hexenstein» war ein Projekt zweier Jugendarbeiter in Schaffhausen, die mit Kindern aus der Region in den Herbstferien einen Jugendfilm drehen wollten.

In dem Film geht es um das Waisenkind Anna Amstadt, das bei ihrer bösen Tante lebt. Die 12-jährige ist musikalisch sehr begabt und will nichts lieber als mit einem eigenen Lied zusammen mit ihren Freundinnen am Casting der «Grössten Schweizer Talente» in der Kammgarn teilnehmen. Ihre Tante will das jedoch auf jeden Fall verhindern. Unterstützung bekommt Anna von ihrem Grossvaters, der ihr am Abend vor dem Casting zum Geburtstag eine alte Melodie schenkt. Darin versteckt ist ein Code, den Anna zum mysteriösen «Hexenstein» führen wird.

Der Film wurde 2011 gedreht, brauchte aber fast anderthalb Jahre, ehe er fertig produziert war. Das Interesse daran war dann so gross, dass bei der Premiere im Kinepolis der grosse Saal ausverkauft war.

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