Vier Tore, drei Punkte und eine Ansage des FC Schaffhausen

Autor
Pascal Oesch

Dank einer fulminanten ersten ­Halbzeit kaufte der FCS dem FC Vaduz den Schneid ab. Der 4:1-Heimsieg gegen die Liechtensteiner war auch in dieser Höhe verdient.

Wie schon im Heimspiel gegen Wil war Miguel Castroman auch gegen die Vaduzer treibende Kraft in der Offensive – und zweifacher Torschütze für den FCS. Bild: Roger Albrecht

Er habe schon den einen oder anderen Gedanken an das 3:3 von Mitte Mai verschwendet, gestand Boris Smiljanic. Damals hatte sein FC Schaffhausen auch gegen Vaduz gespielt – und in den letzten Minuten eine 3:0-Führung preisgegeben. Aber gestern lief einiges anders. Dementsprechend sagte der FCS-Trainer nach der Begegnung: «Als wir kurz vor Schluss das 4:1 erzielten, war die Sache geritzt.» Tatsächlich brach der Widerstand der Gäste aus dem «Ländle» nun endgültig. Langsam tickte die Uhr, während das Heimteam zum Schaulaufen ansetze. Vier Tore ­waren ihm gelungen – drei davon im ersten Durchgang. Mit einem in vielen Belangen gelungenen Auftritt machte Schaffhausen vor 959 Zuschauern eine deutliche Ansage. Denn Vaduz gehört im Challenge-League-Tableau keinesfalls zur blossen Laufkundschaft.

In der Liechtensteiner Startelf standen Namen wie Philipp Muntwiler, Sandro Wieser und Marco Mathys – alles Akteure mit Erfahrung aus der höchsten Spielklasse. Sie schlossen im Lipo-Park eine englische Woche ab: Vaduz war nämlich am Donnerstag noch in der 2. Runde der Europa-League-Qualifikation gefordert. Und genau dort setzte der Matchplan des FC Schaffhausen an. «Wir wussten, dass wir in den ersten 20 Minuten draufgehen mussten», erklärte Verteidiger Arijan Qollaku. Das taten seine Kollegen und er auch – mit durchschlagendem Erfolg: Ein 2:0 leuchtete zu diesem Zeitpunkt von der Anzeigetafel. Erst traf Miguel Castroman, dann Karim Barry. Beide Male zeichnete sich André Gonçalves als Vorbereiter aus. Beim zweiten Tor griff er im Mittelfeld energisch ein, eroberte den Ball zurück und setzte Barry mustergültig ein. Wenn eine Szene als Sinnbild für diese Partie herhalten konnte, war es diese.

Schaffhausen gab den Ton an, bekleidete die Rolle des Herrn im eigenen Haus, gestand Vaduz wenig zu. Vor allem in offensiven Belangen führte der FCS die wesentlich feinere Klinge. Bis Liechtensteins Rekordcupsieger erstmals gefährlich zum Abschluss kam, verging fast eine halbe Stunde. Und als kurz vor dem Pausenpfiff sogar das 3:0 fiel, fanden sich die Gastgeber und ihre Anhänger in der wohl besten aller möglichen Welten wieder. Erneut traf der bestens aufgelegte Miguel Castroman – auf Vorarbeit des ebenfalls formstarken ­Karim Barry. Vaduz’ Trainer Roland Vrabec setzte danach auf den Impuls eines Dreifachwechsels. Ein Indikator dafür, dass einiges im Argen lag. Vrabec’ Ensemble fand jetzt besser in Spiel. Das lag aber auch daran, weil Schaffhausen einen Gang zurückschaltete. Beim ­Ehrentreffer profitierte FCV-Mittelfeldmann Mohamed Coulibaly sogar von einem Patzer Franck Grasselers im FCS-Gehäuse. Nur Minuten zuvor war zum einzigen Mal an diesem Nachmittag Hektik aufgekommen.

Rudelbildung nach rüdem Foul von Sele

Als Aron Sele ein rüdes Foul an Barry beging, entluden sich die Emotionen: Rudelbildung, Einreden auf den Unparteiischen, Diskussionsbedarf auf beiden Seiten. Sele hatte mehr als Glück, nur verwarnt zu werden. Die Schlusspointe setzte schliesslich Schaffhausens Neuzugang Valentino Pugliese mit dem Treffer zum 4:1. Wie die andere Verpflichtung Elie Dindamba feierte er einen gelungenen Einstand. Und so freute sich der FCS über verdiente drei Punkte. Hausaufgaben erwarten ihn spätestens morgen. «Im defensiven Spiel gab es noch die eine oder andere Nonchalance», konstatierte Trainer Boris Smiljanic und schob abschliessend nach: «Das müssen wir uns im Dienstag auf Video anschauen.»

Die drückende Hitze als das Gesprächsthema im Lipo-Park

34 Grad Lufttemperatur – Fussballspielen war an diesem Wochenende landauf, landab wahrlich kein Zuckerschlecken. Als gestern um 14.30 Uhr die Begegnung zwischen Schaffhausen und Vaduz angepfiffen wurde, strahlte die Sonne nahezu auf den kompletten Kunstrasen. «Um mich muss man sich keine Sorgen machen», betonte FCS-Trainer Boris Smiljanic. «Wir achten darauf, dass sich die Spieler immer wieder abkühlen.» Dementsprechend ordnete Schiedsrichter Stefan Horisberger jeweils zur Mitte der beiden Halbzeiten ausserordentliche Trinkpausen an. Nasse Schwämme wurden dann bereitgestellt, Getränkebidons und Tücher. Die Protagonisten begaben sich kurz zu den beiden Auswechselbänken, ehe sie sich wieder ans Werk machten.

Vom Staff und von den Auswechselakteuren bekamen sie aufmunternde Worte auf den Weg. Und auch das ­Publikum bedachte die Akteure immer wieder mit aufmunterndem Applaus. Ihr Job kam trotzdem einem Kraftakt gleich. «Bei dieser Hitze ist es schon nicht mehr so menschlich», gab FCS-Verteidiger Arijan Qollaku in den wesentlich kühleren Katakomben des Lipo-Parks nach den über 90 sehr heissen Minuten zu Protokoll. Er konnte sich nicht erinnern, jemals bei solchen Bedingungen aktiv ge­wesen zu sein. Ihm stimmte auch ­Danilo Del Toro zu: «Selbst als ich noch bei den Junioren spielte, war es nicht so.

In der Challenge League überrascht der FC Winterthur: Der jüngste 3:1- Heimsieg gegen Aarau scheint ihn belebt zu haben. Die Zürcher siegten beim makellos in die Saison gestarteten Rapperswil-Jona mit 4:0. Der FCW legte einen Blitzstart hin. Innenverteidiger Isik traf schon nach wenigen Sekunden, und Offensivspieler Radice doppelte nach sieben Minuten nach. Später im Spiel trafen die Gäste noch zwei weitere Male ins Tor – und dreimal Latte oder Pfosten. (poe/sda)

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