Lädeli vom Camper für Camper

Autor
Mark Gasser

Auf wenigen Quadratmetern bietet der Dauercamper Heinz Aus der Au neu im Camper-Lädeli auf dem Langwieser Campingplatz alles an, was er selber bislang vermisste.

Er weiss, was die Grundbedürfnisse auf dem Campingplatz sind: Heinz Aus der Au in seinem neuen Lädeli. Doch auf Anregung hin erweitert er laufend sein Angebot. Bild: Mark Gasser

«Das ist aber cool», meint ein Badegast am frühen Mittwochabend. Er sei in Feuerthalen aufgewachsen, aber so was habe er hier noch nie gesehen. Und das ist genau der Grund, warum der 59-jährige Heinz Aus der Au, der mittlerweile den vierten Sommer in der Freizeitanlage Rheinwiese in Langwiesen campiert, nun ein Camper-Lädeli eröffnet hat – stilgetreu in einem Camper. «Ich habe von Anfang an gedacht, als ich hierher kam: Da fehlt ein Laden. Ich habe noch keinen Zeltplatz gesehen, wo es nicht auch ein Lädeli gab – und wenn er nur zwei Quadratmeter gross war.» So bietet er nun an, was für das kurzfristige Überleben oder das Freizeitvergnügen auf dem Campingplatz und am Rhein so nötig ist.

Zwei Schränke sind mit Konserven gefüllt, dazu bietet er eine kleine Auswahl an Pasta an. «Man kann sich daraus schon einen Znacht zusammensetzen.» Gerade Velofahrer seien nach Tagesreisen, wenn sie auf dem Zeltplatz eintrudelte, «nach dem Strampeln ziemlich kaputt» und wollten nicht mehr viele Meter für einen Einkauf zurücklegen. So öffnet er ab 17  Uhr sein Lädeli, da dann die Nachfrage am grössten sei und er auch Zeit habe. Tagsüber ist er zwar auch als Platzwart im Einsatz, doch in seinem eigenen Campingwagen hat er Zeit, um dank WLAN an Softwareprojekten und Programmierungen zu arbeiten, seinem richtigen Beruf. «So habe ich aber hier einen super Ausgleich. Denn ich will nicht den ganzen Tag in die Glotze starren.»

«So habe ich einen super Ausgleich. Ich will nicht den ganzen Tag in die Glotze starren.»

Heinz Aus der Au, Platzwart und Camper-Lädeli-Betreiber

Innerhalb der wenigen Quadratmeter finden sich auch eine Kinderecke mit Spielen, Wasserspielzeugen, Luftmatratzen, und daneben stapeln sich Haushaltssachen, Zahnbürsten, Küchenutensilien, Grillzangen. Und zum Ambiente eines italienischen Basars, den Heinz Aus der Au möglichst nachempfinden will, gehören natürlich die an Kleiderhaken vor dem Laden hängenden Strand- und Sommerkleider. Die Sonnencreme, Kosmetika und Toilettenartikel sind in einem kleinen Gestell, dem «Beauty­tempel», wie Heinz ihn nennt, aufgereiht. Dort hängen auch Flipflops: «Die Deutschland-Flip-flops muss ich bald zum halben Preis anbieten – die will niemand mehr», meint er in Anspielung aufs WM-Aus der Deutschen. Doch auch sonst ist seine Ware günstig, oft schlägt er nur 20, 30 Rappen Marge auf den Einkaufspreis drauf. Verdienen werde er so kaum etwas. Doch darum gehe es ihm nicht.

Der kleine Tante-Emma-Laden, wenn man so will, bietet das Nötigste an und hat sich bereits nach gut einer Woche auf dem Camping­platz und unter den Badegästen herumgesprochen. Einen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Ansturm im Sommer gab es jedoch erst am Wochenende. Und obwohl Heinz Aus der Au jahrelange Campererfahrung hat, erweitert er laufend auch sein Sortiment auf Hinweise seiner Klientel hin, denn was als Idee begann, kristallisierte sich dank eines alten Wohnwagens, den er gratis erhielt, recht spontan zum neuen Hobby des Campers heraus. Nach Absprache mit dem Pächterpaar Vera Strauss und Patrick Rähmi, denen er auch als Platzwart im Campingbereich unter die Arme greift, konnte er sein Unterfangen in die Tat umsetzen. Die beiden hätten selber die eine oder andere innovative Idee umgesetzt und seien flexibel – etwa bei Essenswünschen.

 

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