Zu klein, zu krumm oder zu breit kommt nicht infrage

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Schaffhauser N…

Unser Kopf der Woche, André Moritz, sucht jedes Jahr den schönsten Weihnachtsbaum für den Fronwagplatz.

André Moritz, Abteilungsleiter Wald, hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Bild: Elena Stojkova

Was tun Schaffhauser, wenn sie in ihrem Privatgarten eine schöne, grosse Tanne stehen haben, die sie loswerden wollen?

Sie rufen bei André Moritz an und bieten ihre Tanne als Weihnachtsbaum für den Fronwagplatz an. «Ich kriege das ganze Jahr über zahlreiche Angebote für den Weihnachtsbaum», sagt der Abteilungsleiter Wald von Grün Schaffhausen. Viele davon schaue er sich an. «Oft sind sie zu klein, zu krumm, zu breit.» Aber etwa fünf bis acht Bäume kommen pro Jahr in seine engere Auswahl. «Wir gehen nie aktiv auf Leute zu und fragen nach einem Baum in ihrem Garten.» Das sei nicht nötig. «Wir können lange nicht alle Tannen brauchen, die uns angeboten werden.» Nur einmal hat Moritz bis jetzt erlebt, dass der Weihnachtsbaum für den Fronwagplatz aus dem Wald geholt werden musste. «Das ist schon lange her, und es war nicht einfach, an den Baum heranzukommen, da viele andere Bäume in der Nähe standen.» Ihm komme es gelegen, wenn die Bäume aus Privatgärten stammten, es sei eine Win-win-Situation. «Beide Seiten profitieren: Wir bezahlen nichts für die Tanne, und die Besitzer werden sie los.» Für das Absägen und Entsorgen eines Baumes aus dem Garten müssen Besitzer ansonsten schnell einmal tausend Franken bezahlen.

Jeweils Mitte Oktober schaut sich Moritz seine engere Auswahl mit zwei Försterkollegen nochmals an, um sicherzustellen, dass die Bäume noch gesund sind und schön aussehen. «Dieses Jahr hatten wir einen in der engeren Auswahl, der im Frühling gut aussah, bei der Begutachtung im Oktober dann aber durchfiel.» Die Bäume hätten sehr unter der Trockenheit im Sommer gelitten.

Seit vielen Jahren kümmert sich das Dreierteam um Auswahl, Transport, Aufstellung und Abbau der Tanne. Am Montagmorgen wird sie aufgestellt. Dafür mietet Moritz einen Pneukran. Dieser muss ziemlich nahe an den Baum herankommen. Die Spitze des Baumes wird so befestigt, dass der Kran den Baum, sobald er abgesägt ist, nach oben ziehen und auf einen Anhänger laden kann. «Beim Transport von Privatgarten zum Fronwagplatz eskortiert uns die Polizei, das ist sehr hilfreich bei einem solch grossen Baum.» Der höchste Baum, der in den letzten Jahren auf dem Fronwagplatz aufgestellt wurde, war etwa 16 Meter hoch, mindestens sollte er 12 Meter hoch sein. «Sonst wirkt er auf diesem grossen Platz mickrig.» Auch dieses Jahr kommt der Weihnachtsbaum für den Fronwagplatz aus einem Privatgarten an der Steigstrasse. Es ist, wie letztes Jahr und oft schon, eine Serbische Fichte. Sie ist ein eher schmaler Baum und deswegen leichter zu transportieren. Letztes Jahr gab es einige kritische Kommentare: Der Weihnachtsbaum sei zu mager gewesen. «Aber die diesjährige Tanne ist, wie ich finde, ein sehr schönes Exemplar.» Bis Mitte Januar wird die Tanne auf dem Fronwagplatz etwa bleiben. «Danach wird sie gehäckselt und energetisch verwertet.» (est)

 

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