Schweizer Firmen, die es in Schaffhausen nicht mehr gibt

Autor
Ralph Denzel

«Ex Libris», «Vilan», «Charles Vögele» - die Namen stehen alle für mehr oder minder verschwundene Unternehmen. Auch in Schaffhausen betrieben diese ihre Filialen - wir gehen auf Spurensuche.

Wo sind all diese Firmen hin? Bilder/Montage: RD

Die freie Marktwirtschaft ist ständig in Bewegung. Das sieht man wohl nirgends so deutlich, wie wenn man durch die Altstadt läuft und sich verinnerlicht, welche, teils traditionellen Geschäfte, heute nicht mehr dort sind. Wir haben mit der Kamera einen Spaziergang gemacht und erinnern uns an grosse Unternehmen, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie existieren nicht mehr - oder zumindest nicht mehr so, wie früher.

Charles Vögele

Hier war früher der Vögele in Schaffhausen. Bilder: RD

Direkt an der Unterstadt gelegen hatte das Modeunternehmen viele Jahre lang seinen festen Platz in Schaffhausen – aber, wie so viele anderen, war auch hier der Erfolg irgendwann vorbei. In seinen Spitzenzeiten war das Unternehmen in der Schweiz, Deutschland, Österreich, Belgien, den Niederlanden und sogar in Slowenien und Ungarn vertreten. Aber nach einigen schlechten Jahren wurde die Charles Vögele Holding von OVS geschluckt – welche Anfang des Jahres ebenfalls pleite ging.

In Schaffhausen erinnert nur noch der verblichene Schriftzug an der Wand an das Unternehmen.

Bezeichnend: Der verblasste Schriftzug des ehemals grossen Unternehmens.

Ex Libris

Seit diesem Jahr leer: Der Ex Libris in der Innenstadt.

Früher war es ein Glaubensstreit: Wo bekommt man die ganz besonderen CD, die man derzeit sucht? Beim Ex Libris, oder beim City Disc? Diese Frage stellt sich heute bei keinem der beiden Anbieter mehr wohl. Der Grund: Die Digitalisierung. Nur wenige wollen heute noch eine CD kaufen, wenn man diese doch auch bequem von Zuhause aus downloaden kann? Das Gleiche mit Büchern. Warum sollte man zum Laden an der Ecke gehen, wenn man das gleiche Produkt doch mit wenigen Klicks direkt vom heimischen Sofa aus beschaffen kann? 

Ex Libris gibt es zwar noch, aber eben nur noch in der digitalen Variante.Die Filiale im Schaffhausen (siehe Bild oben) gab es knapp 30 Jahre, ehe sie dieses Jahr im Zuge einer «betrieblichen Umstrukturierung» geschlossen wurde.

EPA

Früher EPA, heute Coop.

Als Kind war es ein Highlight: Der Besuch in der EPA. Schliesslich gab es dort doch eine grosse und schöne Spielwarenabteilung. Die Filialen mit den drei Buchstaben an der Fassade sucht man heute aber vergebens, auch in Schaffhausen. In den alten Geschäftsräumen ist nun ein Coop-City eingezogen. Nostalgiker erkennen zwar noch die Aufteilung von früher, aber sonst erinnert nichts mehr an die Firma mit den drei bunten Buchstaben.

Einer der letzten Tage der EPA. Bild: Archiv-SHN

2001 wechselten die 30 EPA-Filialen das erste Mal den Besitzer, ehe diese 2003 in den Besitz von Coop übergingen. Dieser machte daraus Coop-City-Warenhäuser – womit der Name EPA verschwand.

City Disc

Hier gab es früher eine Filiale von «City Disc»

1985 war ein gutes Jahr für Freunde von Musik: Da gründete die Manor-Inhaberfirma Maus Frères Holding City Disc – der Medienanbieter, wenn man ausgefallene CDs in Schaffhausen finden wollte – und, wie bereits erwähnt, oft Streitpunkt zwischen Musikliebhabern, was denn jetzt besser sei: Ex Libris, oder City Disc?

Die Frage stellt sich schon lange nicht mehr. Nach sinkenden Umsätzen wurde das Unternehmen immer wieder weiterverkauft, bis es 2009 letztlich beim Mobilfunkanbieter Orange landete. Wirklich geholfen hat das nicht. Es gibt noch City Disc, aber nur Online, wie auch Ex Libris – in einer Stadt findet man die Kette nicht mehr.

In Schaffhausen befindet sich heute ein Elektronikladen in den alten Geschäftsräumen.

ABM

Hier war früher ein ABM-Kaufhaus.

Wussten Sie eigentlich, dass «ABM» «Au Bon Marché», also «zum günstigen Preis» bedeutet? Das war auch das Konzept hinter dem Detailhändler, der 1956 gegründet wurde. In der besten Zeit gab es knapp 60 ABM-Warenhäuser in der ganzen Schweiz. Der Umsatz damals: Knapp 700 Millionen Franken im Jahr. Doch dann, in den Neunzigern, sorgten unternehmerische Fehlentscheidungen und Reorganisationen zu tiefroten Zahlen. 2004 war es das dann für das Unternehmen und es verschwand von der Bildfläche. Einige Filialen wurden zu Oviesse-Filialen umgewandelt, andere gingen an C&A.

Dort, wo früher das ABM in Schaffhausen war, ist heute ein Kaufhaus der Kette «Depot» zu finden.

Pick Pay

Die damalige Filialleiterin bei der Eröffnung des «Pick Pay» in Herblingen. Bild: SN-Archiv

Einer der wohl ersten Discounter in der Schweiz war Pick Pay. 1968 von Bruno Gideon gegründet, Es lief soweit gut, auch wenn die grossen Gegenspieler Migros und Coop auf dem Lebensmittelmarkt übermächtig sind und ihre macht auch nie wirklich von der Firma gebrochen werden konnte. Als Pick Pays Mutterkonzern, die Bon appétit Group, von der deutschen Rewe Group übernommen wurde, läuteten schon leise die Totenglocken für den Schweizer Discounter – aber das ahnte man damals noch nicht.

Viele Standorte von Pick Pay waren an kurzfristig unkündbaren Mietverträgen mit Migros gebunden. Die Rewe Group schmeichelte sich beim Schweizer Grosshändler ein, aber ging dann plötzlich und völlig überraschend eine Kooperation mit Coop ein – wenig überraschend: Migros sah das überhaupt nicht gerne.

Als Konsequenz lies Migros die Mietverträge der Pick Pay Filialen auslaufen – und das Geschäft so langsam sterben. 2005 ging es an Denner über – oder zumindest das, was noch davon übrig war. Einige Filialen konnten erhalten bleiben, viele wurden aber einfach geschlossen.

Vilan

Für viele Schaffhauser noch heute eher der «Vilan» als der «Manor».

Vor allem wenn man mit älteren Generationen spricht, sagen viele noch heute nicht «Manor» zum grossen Einkaufszentrum in am Fronwagplatz, sondern «Vilan». Das Symbol, das entfernt an eine Blume erinnert, wurde damals zuhauf auf Tüten durch die Schaffhauser Innenstadt geschleppt. Es gab ja schliesslich dort fast alles, was man brauchte.

Auch wenn es den Namen nicht mehr gibt, gibt es die Kette immer noch: Aber eben heute kennt man es als «Manor». In Schaffhausen war das 1994 der Fall: Hier wurde aus dem «Vilan» der «Manor». Noch früher hiess der «Vilan» übrigens «Kaufhaus zum Schwanen» - die Filiale wurde bereits 1955 eröffnet.

Konditormeister Tobias Ermatinger enthüllte 1994 den neuen Schriftzug am Warenhaus. Bild: SN-Archiv

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