Schaffhauser Spielplatz-Report: Von Vandalismus und Normen

Autor
Ralph Denzel

Ein Spielplatz ist kein Kinderkram, zumindest wenn es um Planung, Wartung und Unterhalt geht. Wir haben nachgefragt, was alles nötig ist, damit Kinder draussen spielen können. Und wir haben alle Spielplätze der Stadt Schaffhausen in einer Karte zusammen getragen.

Wenn das Wetter wärmer wird, zieht es viele Eltern mit ihren Kindern wieder auf einen Spielplatz. Haben Sie sich schon einmal gefragt, was alles nötig ist, damit dieser Platz so dasteht, wie er es tut? Wie viel Arbeit erledigt und Regeln erfüllt werden müssen, damit Ihr Kind rutschen kann? Wir haben es nicht gewusst und deshalb nachgefragt - und waren überrascht, was letztlich notwendig ist.

Grosse Auswahl, grosser Aufwand

Die Auswahl an Spielplätzen ist in Schaffhausen enorm gross: So findet man alleine im Stadtgebiet fast 30 Orte, an denen der eigene Nachwuchs nach Herzenslust toben, klettern und buddeln kann. Die Wartung dabei übernimmt Grün Schaffhausen. «Mitarbeitende von Grün Schaffhausen wenden für Unterhalt und Erneuerung der Spieleinrichtungen etwa 800 bis 1000 Arbeitsstunden pro Jahr auf», sagt Leiter Konrad Bruderhofer. Nicht einberechnet ist dabei die Reinigung der Plätze, welche ungefähr einmal die Woche notwendig ist – bei massiven Verschmutzungen noch häufiger.

Das komme leider regelmässig vor, wie Konrad Bruderhofer erklärt, allerdings: «Wir stellen fest, dass die Orte mit übermässiger Zerstörung und Verschmutzung immer wieder ändern.» Problemorte gibt es dabei immer wieder. So seien die Anlagen beim Mosergarten oder die Anlagen beim Munot immer wieder stark verschmutzt. Ansonsten kann man, laut Grün Schaffhausen, jedoch kaum «Hot Spots» feststellen. An solchen vermutet man Gruppen «die in einer Sturm und Drang-Phase über die Stränge schlagen», so Bruderhofer. Diese Gruppen würden sich aber wieder auflösen, womit auch die Brennpunkte wieder verschwinden würden. 

Für Eltern ist das natürlich wenig tröstlich, denn letztlich leiden die Kinder darunter, wenn ein Spielplatz nicht verfügbar ist. Ausserdem ist es eine Kostenfrage für die Stadt: So entstehen jährlich Kosten von knapp 30‘000 Franken wegen Vandalismus.

Sicherheit ist gewährleistet – und kompliziert

Aber nicht nur Vandalismus, wenn zum Beispiel zerbrochene Flaschen rumliegen, ist eine Gefahr für die Kinder: Auch die Spielgeräte selbst können irgendwann ihre Lebensdauer überschritten haben. «Spielplätze kontrollieren wir mindestens einmal pro Woche», so Konrad Bruderhofer. Dies geschehe im Rahmen der Reinigung der Anlagen. Zusätzlich würden die Geräte aber auch dreimal im Jahr auf «Funktion, Standsicherheit, Vollständigkeit der Schutzeinrichtungen und auf Verschleiss» kontrolliert. Dafür wurden einige Mitarbeiter speziell geschult, wie Konrad Bruderhofer erklärt.

Das ist auch nötig, denn für Spielplätze gibt es strenge Regeln nach Schweizer Norm. Hilfe bietet die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU), welche Handlungsempfehlungen für die Sicherheit bei Geräten liefert. «Für Planung und den Bau eines Spielplatzes gibt es Empfehlungen der BfU und eine ganze Reihe von Normen», so Konrad Bruderhofer. Um die Sicherheitsstandards zu gewährleisten, ist bald einmal höhere Mathematik nötig. 

Dinge, die man beim Anbringen einer Schaukel beachten und berechnen muss. Bild: BfU

Dabei müssen die Planer auch die «Beschaffenheit der Spielgeräte und Einrichtungen definieren» und sich mit Dingen wie «Absturzhöhe, Geländerhöhe, Falldämpfung, Vermeidung von Fangstellen, Quetschstellen etc.» befassen.

Für eine normale Rutsche gibt es Einiges zu beachten. Bild: Screenshot BfU-Handlungsrichtlinien

Ein Beispiel: Eine freistehende Rutsche darf nur eine Höhe von 250 Zentimeter haben. Das «Einsitzteil», also dort, wo man zu rutschen beginnt, muss eine Mindestbreite von 30 Zentimeter aufweisen. Der Seitenschutz muss 15 Zentimeter hoch sein. Dazu kommen noch unzählige Vorgaben über den Boden, die sogenannten «Fallräume», deren Beschaffenheit und sogar die Höhe über dem Boden am Ende der Rutsche.

Viel Arbeit, die sich lohnt - schliesslich geht bei der Sache ja um die Sicherheit und auch den Spass von Kindern.

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