Füttern verboten – zum Wohle der Tiere und zum Schutz der Häuser

Autor
Dario Muffler

Die Stadt Schaffhausen erinnert mit Plakaten daran, dass das Füttern von Tauben gesetzlich verboten ist.

Die Plakate stehen seit gestern an belebten Punkten in der Schaffhauser Altstadt. Bild: Selwyn Hoffmann

Sie sitzen um zwölf Uhr mittags auf dem Fronwagplatz und essen Ihr Sandwich. Bald scharen sich ein paar Tauben um Sie, weil bei jedem Biss einige Krümel zu Boden fallen. Sie reissen ein kleines Stückchen vom Brot ab und werfen es den neugierigen Vögeln zu. Eine idyllische Vorstellung. Aber Sie haben soeben gegen das Gesetz verstossen.

In der Polizeiverordnung der Stadt Schaffhausen steht, dass das Taubenfüttern auf öffentlichen Strassen, Plätzen und in Anlagen verboten ist. Nun aber keine Angst! Von der Polizei in Gewahrsam genommen werden Sie nicht, wenn Sie eine Taube füttern. Stadtökologe Urs Capaul erklärt das Vorgehen der Polizei: «In aller Regel spricht man mit der betroffenen Person, das reicht meistens aus.» Wenn das nicht helfe, dann müsse die Polizei die fütternde Person verzeigen: Es käme also zu einer Geldbusse. Da dieses Fütterungsverbot in Vergessenheit geraten ist, erinnert die Stadt seit gestern mithilfe von Plakaten wieder daran.

Viele Jungvögel sterben

Das Fütterungsverbot bestehe aus gutem Grund, erklärt Urs Capaul. «Tauben ziehen das ganze Jahr über Junge auf, weil sie immer genug zu fressen haben», sagt er. Die Population nimmt dadurch ständig zu. Natürliche Feinde fehlen nämlich weitestgehend. Aktuell werden in Schaffhausen rund 800 Tiere gezählt. Nachdem im Dezember 2014 die Taubenpest von den damals rund 1300 Tieren rund 600 dahingerafft hatte, nahm der Bestand in den vergangenen drei Jahren wieder zu. Für die aktuelle Grösse der Taubenpopulation ist die Stadt Schaffhausen aber zu klein. Es mangelt an guten Brutplätzen, wie es die zwei Taubenschläge im Obertorturm sind. Diese werden von der Stadt regelmässig gereinigt. Zudem wird darauf geachtet, dass nie zu viele Tiere im Schlag sind. Weil solche Orte knapp werden, weichen die Tauben an ungeeignete Orte aus, um zu nisten. Die Folge: Es kommt zu Krankheiten. Nur knapp die Hälfte der Jungvögel überlebt, während die andere Hälfte an Unterkühlung oder an Parasiten stirbt. Verschiedene Parasiten und Käfer sind aber nicht nur für die Gesundheit von Tauben ein Risiko. Einige Krankheiten können sogar auf den Menschen übertragen werden. Trockener, zu Staub zerfallener Kot von Tauben ist für Menschen die häufigste Ansteckungsquelle.

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Kilogramm Kot im Jahr produziert eine einzige Taube. Dieser sieht nicht nur unschön aus, sondern greift auch die historische Bausubstanz der Häuser in der Altstadt an.

Der besagte Kot der Vögel bereitet auch weitere Probleme: Er verschmutzt die Plätze und die Gebäude in der Altstadt nicht nur, sondern schadet der Bausubstanz. Er ist nämlich stark säurehaltig und verätzt den Naturstein historischer Gebäude. Da die Tauben wegen der zunehmenden Population in Hinterhöfen von Altstadtbauten nisten, hinterlassen sie auch dort ihren Dreck. «Das hat zu einigen Reklamationen geführt», sagt Urs Capaul. Und bei jedem dieser kleinen Tiere kommt eine stattliche Menge an Kot zusammen – zwölf Kilogramm pro Jahr, um genau zu sein.

«Altes Brot bringt Taubenkot!»

Die Reklamationen aus der Bevölkerung hat die Stadtverwaltung nun zum Anlass genommen, um wieder einmal auf die Taubenpro­blematik aufmerksam zu machen. An verschiedenen Punkten in der Stadt, an denen viele Passanten vorbeilaufen, stehen seit gestern Plakate, auf denen zum Beispiel steht: «Altes Brot bringt Taubenkot!» Fett geschriebene Worte bitten den Leser, das Füttern von Tauben zu unterlassen. Einerseits sind die Anweisungen auf Deutsch formuliert, andererseits aber auch auf Englisch. Wie Urs Capaul sagt, hat die Stadt diese Plakate nicht selbst gestalten lassen. «Es sind dieselben Sujets, die bereits in den Städten Luzern und Zug zum Einsatz gekommen sind», sagt er. «Das zeigt, dass es diese Problematik auch in anderen Städten und nicht nur in Schaffhausen gibt.»

Die Plakate werden nun rund zwei Wochen an den verschiedenen Orten in der Altstadt aufgestellt. Zudem führt ein sogenannter QR-Code, den man mit einem Smartphone einlesen kann, auf die Website der Stadtökologie. Dort gibt es zusätzliche Informationen zu Tauben. Urs Capaul hat zudem angekündigt, dass die Plakate im Mai dann nochmals aufgestellt werden.

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