BBZ: Bericht fordert Absetzung von Rektor Schläpfer - Regierung wartet ab

Autor
Alexa Scherrer

Am Donnerstag hat die Schaffhauser Regierung die Berichte zur Causa BBZ veröffentlicht. Einer davon empfiehlt, Schläpfer müsse gehen. Die Regierung bestätigt ein Führungsproblem.

Welche konkreten Massnahmen am BBZ ergriffen werden, ist noch offen.

Es sind genau so viele Ansichten wie Berichte: Die Untersuchungsergebnisse zu den Vorkommnissen am Schaffhauser BBZ, welche von der Schaffhauser Regierung heute veröffentlicht worden sind, widersprechen sich zum Teil diametral. So zeigt etwa die Untersuchung der externen Vertrauensperson des Kantons Schaffhausen ein erschreckendes Bild - nach einer anonymen Befragung von BBZ-Mitarbeitern ist unter anderem von Angstkultur, Mobbing und Sexismus die Rede. Der Bericht empfiehlt, das Arbeitsverhältnis mit Schläpfer zu beenden. 

Berichte öffentlich einsehbar

Die Schaffhauser Regierung bleibt bei ihrer Auffassung, dass der dieser Untersuchung vorausgehende Kommissionsbericht nicht unabhängig war. Das bestätigt auch ein Drittgutachten eines Winterthurer Rechtsanwalts. Dort heisst es, beide Berichte - sowohl der der Kommission als auch jener der Vertrauensperson - würden Schwächen aufweisen. Eine konkrete Handlungsempfehlung gibt der Anwalt nicht ab. 

Auszug aus dem Drittgutachten des Rechtsanwalts.

Auch die Regierung hat noch nichts entschieden. Sie teilt mit, dass die Vorkommnisse jetzt weiter aufgearbeitet und nachbearbeitet sowie «entsprechende Massnahmen» umgesetzt werden. Sie hält fest, dass das Arbeitsklima am BBZ beeinträchtigt sei und ein Führungsproblem bestehe. Handlungsbedarf sieht der Regierungsrat daher «im Bereich des Führungsverhaltens der Schulleitung (Integrität am Arbeitsplatz), beim Arbeitsklima am BBZ und bei der Zusammenarbeit des BBZ mit dem Erziehungsdepartement». Das derzeit hängige Personalverfahren in Sachen Ernst Schläpfer stehe in keinem direkten Zusammenhang mit den veröffentlichten Berichten.

Alle drei Berichte sind in geschwärzter Form hier öffentlich zugänglich.

BBZ-Affäre: Das ist bisher geschehen

  • 27. Juni 2018 An einem Notenkonvent im BBZ kommt es zum Streit zwischen Rektor Ernst Schläpfer und einem Lehrer. Ein Schüler hatte an einer Prüfung gemogelt, der Lehrer hatte ihm dafür eine Note 1 erteilt - das war zu hart, findet Schläpfer.
  • 28. Juni 2018 Schläpfer schreibt eine Mail an alle BBZ-Lehrkräfte. Die Rede ist unter anderem von einer «beleidigten Leberwurst».
  • 30. November 2018 Inzwischen ist deutlich geworden, dass es am BBZ ein Krise gibt, die weit über die Frage der Notensetzung hinausgeht. Regierungsrat Christian Amsler setzt eine Untersuchungskommission unter der Leitung von Erwin Gfeller ein. Gfeller ist Leiter der Aufsichtskommission der Höheren Fachschule Schaffhausen HFS/BBZ. Gfeller soll neben den Streitigkeiten allgemein die Führungskultur und das Arbeitsklima am BBZ untersuchen.
  • 21. Januar 2019 Amsler beauftragt Barbara Tholen als externe Vertrauensperson ebenfalls mit einer Untersuchung über die Vorkommnisse am BBZ
  • 30. Januar - 15. Februar 2019 17 BBZ-Leute melden sich bei Barbara Tholen.
  • 6. Februar 2019 Gfeller sagt im SN-Interview, dass der Konflikt tiefer gehe: «Seit Längerem gibt es unterschwellig Kritik am rustikalen Führungsstil von Rektor Schläpfer.» Er schütze Schläpfer nicht, aber er sei «sehr froh, dass wir in der Person von Ernst Schläpfer jemanden haben, der etwas schultern kann.» 
  • 18. Februar 2019 Die Politik schaltet sich ein: Kantonsrätin Linda De Ventura (AL, Schaffhausen) stellt Fragen zur Untersuchung, will wissen, wie lange die Regierung schon vom Konflikt weiss und ob die Gfeller-Kommission wirklich neutral sei.
  • 5. März 2019 Die Regierung beantwortet die Anfrage. Sie erwarte «einen umfassenden und ungefilterten 360-Grad-Blick und eine unabhängige und objektive Beurteilung».
  • 14. - 18. März 2019 Die Gfeller-Kommission führt ihre Hearings durch, befragt insgesamt 19 Personen aus dem BBZ und auch Rektor Schläpfer.
  • 5. April 2019 Barbara Tholen reicht ihren Bericht ein.
  • 9. April 2019 Die Gfeller-Kommission reicht ihren Bericht ein.
  • 15. April 2019 Regierungsrat Amsler beauftragt Rechtsanwalt Florian Schneider aus Winterthur mit einer Analyse der Berichte Tholen und Gfeller und der Situation am BBZ.
  • 7. Mai 2019 Die Regierung weist den Gfeller-Bericht zurück. Die Kommission habe ihren Auftrag unzureichend erfüllt, zudem gebe es Anzeichen, dass die Untersuchung nicht vollkommen neutral und unabhängig durchgeführt worden sei.
  • 13. Mai 2019 Rechtsanwalt Schneider legt seinen Bericht vor. Gleichentags leitet die Regierung ein Personalverfahren gegen Ernst Schläpfer ein.
  • 15. Mai 2019 Die Gfeller-Kommission weist die Vorwürfe der Regierung zurück, spricht von «Desavouierung» und «Ehrverletzung».
  • 23. Mai 2019 Die Regierung veröffentlicht alle drei Berichte. (zge)

Darum geht's: Was steht in welchem Bericht? Der BBZ-Fall im Audiobeitrag von Radio Munot 

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