«Die Schule ist nun mal kein Ponyhof»

Autor
Isabel Heusser

Wegen eines Konflikts hat das Erziehungsdepartement eine Untersuchungskommission am Schaffhauser BBZ eingesetzt. Deren Präsident Erwin Gfeller hat klare Erwartungen an den Kanton.

Die Arbeitsbedingungen für Lehrer am BBZ seien sehr gut, sagt Erwin Gfeller. Bild: Zeno Geisseler

Am Berufsbildungszen­trum des Kantons Schaffhausen (BBZ) schwelt seit längerer Zeit ein Konflikt zwischen Rektor Ernst Schläpfer und einem Lehrer, der an der Berufsmittelschule und der Höheren Fachschule unterrichtet. Weil Gespräche unter Einbezug des Erziehungsdirektors Christian Amsler keine Entspannung brachten, setzte das Erziehungsdepartement auf Wunsch von Schläpfer und der Schulleitung eine Kommission ein. Sie soll die Führungs- und Mitarbeiterkultur am BBZ untersuchen. Leiter der Kommission ist ­Erwin Gfeller, Präsident der Aufsichtskommission der Höheren Fachschule Schaffhausen (HFS-BBZ).

Herr Gfeller, ausgelöst wurden die ­Unstimmigkeiten am BBZ durch unterschiedliche Ansichten zu Noten, die ein Lehrer gesetzt hatte. Was war denn da los?

Erwin Gfeller: In der Klasse des Lehrers haben Schülerinnen und Schüler während mehrerer Prüfungen geschummelt. Der betroffene Lehrer auf der einen Seite und der Rektor sowie die Schulleitung auf der anderen Seite haben unterschiedliche Ansichten, wie damit umzugehen ist. Man muss an dieser Stelle festhalten, dass es keine Reglemente dazu gibt. Dieser Konflikt hat sich hochgeschaukelt. Schulleitung und Rektor wünschen sich nun, dass eine Gruppe von Fachleuten das Thema Notensetzung vertieft anschaut und reglementiert. Ich persönlich bin allerdings nicht dafür, dass der Schulbetrieb über­reglementiert wird. Es braucht einen gewissen Spielraum, damit die Schulleitung Einzelfälle beurteilen und dann entscheiden kann.

«Wenn wir schon einen grossen Aufwand betreiben, soll der Bericht nicht ­einfach in einer Schublade verschwinden.»

Die Untersuchungskommission, die nun gegründet wurde, prüft aber auch das ­Betriebsklima am BBZ. Weshalb?

Seit Längerem gibt es unterschwellig Kritik am, sagen wir, etwas rustikalen Führungsstil von Rektor Ernst Schläpfer. Es steht die Frage im Raum, ob die persönliche Integrität der Lehrer in irgendeiner Form verletzt wurde. Das muss man ganz genau anschauen. Eine Anordnung des Rektors oder Schulleiters allein ist keine solche Verletzung. Ich begleite diese Schule nun schon seit rund 30 Jahren und habe einen sehr guten Einblick. Ich nehme immer wieder an nationalen Konferenzen teil und stelle fest, dass das BBZ einen sehr guten Ruf hat, sowohl auf der Ebene Berufsbildung wie auch als Höhere Fachschule. In den letzten Jahrzehnten wurde viel in die Infrastruktur investiert. Die Arbeitsbedingungen für die Lehrer sind sehr gut, das muss man klar festhalten. Fakt ist auch, dass Lehrer führen eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist. Sie sind es gewohnt, der Chef zu sein im Klassenzimmer.

Was bedeutet das?

Es braucht eine Führungskraft, die den Lehrern beibringt, dass sie sich in ­einem getakteten System mit einem wichtigen Auftrag befinden: Berufsleute für unsere Wirtschaft auszubilden. Dafür werden viele Steuergelder eingesetzt. Die Schule ist nun mal kein Ponyhof. Ich persönlich bin sehr froh, dass wir in der Person von Ernst Schläpfer jemanden haben, der etwas schultern kann. Dass nun eine Untersuchung durchgeführt wird, ist für alle Beteiligten sehr belastend.

Sie kennen den Rektor schon sehr lange. Können Sie in dieser Angelegenheit ­überhaupt neutral sein?

Ja natürlich. Ich bin aber allergisch gegen Vorverurteilungen. Früher gab es die Hexenjagd, wo das endete, weiss man. Es ist explizit meine Aufgabe, hinzuschauen und auf Ungereimtheiten zu reagieren. Ich schütze Ernst Schläpfer nicht. Wenn ich in den letzten Jahren als Aufsichtspräsident festgestellt hätte, dass etwas nicht stimmt, hätte ich gefordert, dass das Erziehungsdepartement etwas unternimmt.

Wenn nun aber ein Lehrer unzufrieden ist: An wen kann er sich wenden?

Erste Anlaufstelle zu Fragen des regulären Schulbetriebs ist die Schulleitung. Bei anderen Themen, zum Beispiel der Verletzung der persönlichen Integrität, können Vertrauenspersonen kontaktiert werden, die ebenfalls vom Kanton angestellt sind. Weiter gibt es externe Ansprechpersonen, die absolut neutral sind und in keinster Weise verbandelt sind mit dem Schulhaus oder dem Kanton. Es handelt sich um eine Ombudsstelle für alle Mitarbeiter des Kantons. Die gibt es für alle staatlichen Schulen in Schaffhausen. Das Angebot wurde am BBZ bisher kaum genutzt. Wenn, dann wurden ab und zu kantonsinterne Angestellte angesprochen.

«Lehrer zu führen, ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Sie sind es ­gewohnt, der Chef zu sein im Klassenzimmer.»

Wie ist die einberufene Subkommission zusammengesetzt?

Sie besteht aus drei Mitgliedern, die der Aufsichtskommission des BBZ angehören, und zwei Mitgliedern von der Aufsichtskommission der Höheren Fachschule. Erziehungsdirektor Christian Amsler und ich haben beschlossen, dass ich die Subkommission leite, weil ich als Milizpräsident der Aufsichtskommission etwas unabhängiger bin als Christian Amsler. Er ist in seiner Funktion mittendrin im Geschehen, und wir wollen verhindern, dass man der Subkommission mangelnde Neutralität vorwerfen kann.

Und wie geht die Subkommission nun vor?

Wir haben in der Gruppe entschieden, nach dem Zufallsprinzip zwölf Per­sonen im BBZ zu den Vorkommnissen zu befragen, vom Mitarbeiter der Mensa bis zum Lehrer. Das Personalwesen des Kantons war dann aber der Meinung, dass alle Mitarbeiter des BBZ die Möglichkeit haben sollten, sich einzubringen. Das Personalwesen hat darauf alle Mitarbeiter über die Untersuchung informiert. Die Mitarbeiter können sich nun an mich wenden, um ihre Meinung zu äussern. Sie können aber auch anonym Aussagen machen oder an eine der externen Ombudsstellen gelangen. Diese wird uns dann einen anonymisierten Bericht mit den erhaltenen Rückmeldungen zukommen lassen. Wir haben jetzt schon viele Reaktionen von Lehrern er­halten, die entsetzt sind über die Vorwürfe an den Rektor. Unsere Aufgabe ist es nun, Klarheit zu schaffen. Für den Rektor, die Schulleitungen, aber auch für die Angestellten. Inzwischen haben wir rund 20 Personen, die Stellung nehmen möchten. Die meisten davon übrigens positiv in Bezug auf Ernst Schläpfer. Bis zum 15. Februar können sich weitere Personen melden. Schliesslich werden wir mit allen Personen, die sich an uns gewandt haben, Einzelgespräche führen. Wo, haben wir noch nicht definiert – wichtig ist, dass die Personen sich nicht beobachtet fühlen. Was in diesen Gesprächen gesagt wird, nehmen wir natürlich ernst. Wir müssen aber gewichten, ob die Kritik von einzelnen Leuten kommt oder weit verbreitet ist. Stossen wir auf ein Problem, werden wir dieses vertieft anschauen. Die Untersuchung wird mit einem Bericht zuhanden des Erziehungsdirektors abgeschlossen. Dieser wird, wenn nötig, auch Vollzugsmassnahmen enthalten. Der Prozess sollte bis Ende März abgeschlossen sein.

Welche Befugnisse hat die Kommission?

Die Kommission spricht Empfehlungen aus. Wenn wir schon einen grossen Aufwand betreiben, soll der Bericht aber nicht einfach zur Kenntnis genommen werden und in einer Schublade verschwinden. Wir werden überwachen, ob die von uns geforderten Massnahmen tatsächlich umgesetzt werden. Sonst hat die ganze Untersuchung keinen Wert. Ich komme wie die anderen Kommissionsmitglieder aus der Privatwirtschaft, da herrschen andere Verhältnisse als beim Staat. In einer kantonalen Institution geht es oft sehr lange, bis Entscheidungen gefällt werden.

Im Endeffekt war es ein einzelner Lehrer, der die Untersuchung ausgelöst hat.

Persönlich bin ich der Meinung, dass man diesen Fall, der nun schon seit ­einigen Monaten anhält, schon längst hätte lösen müssen. Das ist aber kein Vorwurf an den Rektor oder die Schulleitung, sondern liegt an der Struktur des Kantons. Da mischen viele Stellen mit. Als schwerfällig würde ich den Kanton nicht bezeichnen. Aber die Angelegenheit hätte intern gelöst werden sollen, nun wurde sie halt nach aussen getragen. Es gibt meiner Meinung nach Leute, die ein Interesse daran haben, in der Schule Unruhe zu stiften. Ansonsten wären die SN kaum über das Informationsschreiben an die BBZ-Mitarbeiter in Kenntnis gesetzt worden.

Die Schüler werden auch mitbekommen haben, dass eine Untersuchung läuft. Wie geht man mit ihnen um?

Diejenigen Schüler, die geschummelt hatten und von der Notensetzung betroffen waren, haben natürlich von der Untersuchung erfahren. Die anderen Schüler werden wir nicht mit einbeziehen. Das würde den Rahmen sprengen. Je nach Ergebnis der Untersuchung ist es aber möglich, dass wir noch auf sie zugehen werden.

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