Wo ausgestorbene Arten wieder auftauchen: Der regionale Naturpark Schaffhausen

Autor
Ralph Denzel

Der regionale Naturpark Schaffhausen ist ein Erfolgsmodell – vor allem, weil dank viel Arbeit hier wieder Tiere und Pflanzen auftauchen, die in der Schweiz eigentlich als ausgestorben galten.

Auch dieses Tiere fühlen sich hier anscheinend wohl: Wildkatzen. Bild: Wikimedia

Klein ist er nicht, der regionale Naturpark Schaffhausen. Sage und schreibe 209 Quadratkilometer Fläche weisst er auf und zieht sich von Schaffhausen bis Buchberg. Auch die deutschen Gemeinden Jestetten und Lottstetten beteiligen sich am Naturpark. «Naturpärke fördern eine nachhaltige Wertschöpfung in der Region und schaffen mit einer intakten Natur- und Kulturlandschaft einen Mehrwert für Einheimische und Gäste», heisst es auf der Homepage des regionalen Naturparks Schaffhausen. Vor allem die Naturlandschaft ist dabei aber auch ein Erfolgsmodell, wie viel es wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen: Durch Pflege und ökologische Aufwertung hat sich hier in der Region einiges getan – und Tiere zurückgebracht, von denen man dachte, sie seien in der Schweiz ausgestorben.

Ein Paradies für Pflanzen und Tiere

Rund 40 seltene Arten wie Amphibien oder Tagfalter wurden im Naturpark bereits kartiert und ihre Vorkommen mit geeigneten Aufwertungsmassnahmen gefördert. «Ziel ist, die Biodiversität im Naturpark zu erhalten und zu erhöhen», heisst es von Seiten des Naturparks.

Einer, der dafür verantwortlich ist, ist Bernhard Egli. Er ist Projektleiter Natur & Landschaft im regionalen Naturpark und weiss, wie gut diese Förderung bisher gefruchtet hat. Ein Hochgebiet für seltene Arten ist zum Beispiel der Klettgau. Dort haben sich laut Bernhard Egli, wohl auch wegen den vielen Traubenreben, eine «Vielzahl von Wildbienen» angesiedelt. «Dabei konnte der Bienen-Spezialist André Rey 92 Arten nachweisen, fünf davon neu für die Region Schaffhausen fünf weitere davon waren seit mindestens 20 Jahren nicht mehr bei uns gefunden worden».

In der Region gibt es 268 der etwa 600 heimischen Wildbienen-Arten.

Aber das ist nicht alles, denn: «Dazu konnten von bekannten seltenen Arten neue Fundstellen entdeckt werden, womit ihr Vorkommen gesicherter, respektive ihre Population grösser ist als bisher bekannt». Ein Beispiel dafür: Die sogenannte Senf-Blauschillersandbiene. Diese Art ist relativ selten und ihr vorkommen hier durchaus bemerkenswert. Im Kanton Schaffhausen und besonders im Naturpark kommen, laut einer Medienmitteilung des Naturparks, «268 der etwa 600 heimischen Wildbienen-Arten vor». Dieser Artenreichtum «ist für die Schweiz einzigartig». Mehr noch: «Knapp zwei Dutzend dieser Arten gelten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht».

Daher ist es umso erfreulicher, dass diese Arten sich hier wohlfühlen. Das hat laut Bernhard Egli aber einen einfach Grund: «Diese seltenen Arten leben bei uns, weil wir eine sehr vielfältige Natur- und Kulturlandschaft haben, einen recht hohen Flächenanteil von Schutzgebieten und Vertragsflächen von gegen 30% der Kantonsfläche». Er muss allerdings auch klarstellen: «Die Arten sind nicht direkt von uns gefördert worden oder hierher gelockt worden, sondern sie waren wohl schon bisher da. Dank unseren Förderprojekten und fachlichen Kartierungen haben wir sie entdeckt und können Pflegemassnahmen nun gezielt auf diese Arten ausrichten».

In der Schweiz ausgestorben

Aber nicht nur Wildbienen können dank dem Naturpark und er Arbeit von Bernhard Egli und seinem Team hier aufblühen: Auch andere Tiere haben wieder ihren Weg hierher gefunden. Teilweise kamen sie in der Schweiz eigentlich gar nicht mehr vor. So finden sich nun auch wieder andere Arten, die «zum Teil bisher gar als ausgestorben in der Schweiz galten». Darunter fallen Arten wie der braune Eichenzipfelfalter, welcher in Nack entdeckt wurde, oder auch der sogenannte kleine Schillerfalter oder der große Eisvogel, welche man im Jestetter Zipfel wiederentdeckt hat.

Ein braune Eichenzipfelfalter - diese Tiere kamen lange hier nicht vor. Bild: Wikimedia

So freut sich Bernhard Egli auch «Wir konnten sehr seltene Arten nachweisen». Besonders der braune Eichenzipfelfalter war seines Wissens in «Baden-Württemberg lediglich aus drei Gebieten bekannt, nun zusätzlich auch im Jestetter Zipfel. Der Experte wünscht sich, dass er diese Tiere noch öfter im Naturpark sehen kann und sie hier wirklich heimisch werden. «Dies zu erreichen beziehungsweise zu fördern ist ein Kernanliegen der Naturprojekte im Regionalen Naturpark Schaffhausen».

Ebenfalls sehr selten: Der sogenannte kleine Schillerfalter. Bild: Wikimedia

Aber nicht nur diese Arten, die wieder angekommen sind, sind bemerkenswert, sondern auch, dass Wildkatzen wohl wieder in der Region heimisch werden. «Die Wildkatze gilt als recht standorttreu, also sie zieht nicht weit herum wie zum Beispiel ein Luchs oder Wolf», erklärt Bernhard Egli. Bestätigte Sichtungen gab es allerdings bisher nur etwas weiter weg, «Die bisher zu unserer Region am nächsten gelegenen Einzelfunde liegen in ca. 15 km in nordöstlicher Richtung und in ca. 45 km südwestlicher Richtung». Aber: «Nun ist das Wildkatzenvorkommen mittels Fotofallen und Genproben von Haaren nachgewiesen worden», so Bernhard Egli. Für ihn steht allerdings jetzt die Fragen im Raum: «Wie kamen sie hierher? Vielleicht vom Jurabogen her oder vom Donautal über Blumberg und die Wutachschlucht? Eventuell waren sie schon lange unbemerkt bei uns?» Sicher beantworten kann man das nicht – aber klar ist: Sie ist nun hier.

Kann man mit etwas Glück ebenfalls hier sehen: Eine Wildkatze. Bild: Wikimedia

Warum der Wolf nicht hierher kommen wird

Die Geschichte des Wolfs, der im Thurgau mehrere Schaffe gerissen hatte, schwappte auch bis in die Region über – und die Frage, ob das Tier auch hier heimisch werden kann, beschäftigt viele Schaffhauser. Bernhard Egli sieht diese Sache allerdings gelassen und erwartet nicht, dass das Tier hier ankommt. «Unsere Region ist zu klein strukturiert und zu dicht besiedelt, es fehlen grossflächige kaum berührte Wildnisgebiete, wo sich der Wolf niederlassen könnte». 

Die bisherigen Sichtungen, seinen «Einzeltiere» gewesen. Dabei handle es sich seiner Einschätzung nach «um männliche Jungwölfe, welche auf weite Wanderschaft gehen und Gebiete suchen, wo es bereits Wölfe gibt und wo er mit einer Jungwölfin eine Familie gründen kann». Somit ist die Region für diese Tiere ziemlich uninteressant, denn: «Dies gibt es bei uns nicht.“

Würde sich hier nicht wohlfühlen: Der Wolf. Bild: Wikimedia

Dafür eine Artenvielfallt, die vielen in der Region wohl gar nicht wirklich bewusst ist.

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