«Entscheidet nicht nach eurem Hobby»

Autor
Elena Stojkova

Mit Vorführungen von Experimenten und mit Referaten brachten ETH-Studenten den Kantischülern gestern ihre Studienfächer näher. Ziel ist es , die Studienwahl zu erleichtern.

Marco Hauswirth und Fabien de Gasparo (rechts) mit ihrem Innovationsprojekt: Die Studenten lockten die Kantischüler an den Maschinenbaustand, indem sie ihre selbst entwickelte Pizzawurfmaschine vorführten. Bild: Selwyn Hoffmann

Dutzende Schülerinnen und Schüler tummelten sich gestern in einer Sporthalle der Kantonsschule Schaffhausen, wo ETH-Studenten und -Doktoranden Stände zu ihren verschiedenen Studiengängen aufgebaut hatten. Durch kleine Experimente, Broschüren und begeisterte Schilderungen gaben sie den Kantischülern eine Idee davon, wie ihre Zukunft aussehen könnte.

Am Morgen berichteten zwei ehemalige Schülerinnen und zwei ehemalige Schüler der Kantonsschule Schaffhausen in der Aula über ihr aktuelles Studium an der ETH. Dabei sprachen sie nicht nur über Lerninhalte und Stundenpläne, sondern auch über das Sportangebot und die Studienvereine der ETH, über das Pendeln und das Umziehen. Und auch die Minderheit der Frauen in diesen Studienfächern wurde thematisiert. «In den letzten Jahren lag der Frauenanteil bei etwa 30 Prozent, dieses Jahr sind es 36», sagte Gaby Kläy Schönenberger, Leiterin Studienorientierung der ETH und Organisatorin des Anlasses. Besonders in der Informatik habe es weibliche Unterstützung gegeben.

Alle drei Jahre – so kann jeder Schüler einmal davon profitieren – ist «ETH unterwegs» mit ihrer Wanderausstellung und Referenten an der Kanti Schaffhausen zu Besuch. Der Anlass wird nicht nur von der ETH organisiert, sondern auch von ihr finanziert. Neben den Einblicken der ehemaligen Schüler der Kanti Schaffhausen am Morgen referierten am Nachmittag Professoren und Studenten der ETH über verschiedene Themen, die Naturwissenschaftler oder Techniker beschäftigen und gesellschaftsrelevant sind, so zum Beispiel über das Thema Brückenbau oder Sport und Schlaf.

«In den letzten Jahren waren 30 Prozent der ETH-Studierenden Frauen, dieses Jahr sind es 36.»

Gaby Kläy , Schönenberger, Leiterin Studienorientierung ETH

«Ziel der Veranstaltung ist, den zukünftigen Studierenden ein realistisches Bild vom Studium zu geben», sagte Kläy Schönenberger. So betonten die anwesenden ETH-Studenten die Wichtigkeit von Planung und Disziplin. «Jetzt werdet ihr noch von den Lehrpersonen gepusht, aber die Professoren sorgen sich nicht darum, ob ihr eure Aufgaben macht oder nicht», sagte Paula Hombach, Elektrotechnikstudentin. Den Referenten lag auch am Herzen, das eine oder andere Klischee zu korrigieren. «Ihr denkt, das ETH-Studium ist zu schwierig, das haben wir an der Kanti auch gedacht», sagte Maschinenbaustudent Ivo Marti. «Aber es ist machbar, wenn man dranbleibt.»

Gut vorbereitet ins Studium

Georg Keller, Prorektor des musisch-sprachlichen Ausbildungsprofils der Kantonsschule Schaffhausen, ist vom Nutzen solcher Infoveranstaltungen überzeugt. «Das Ziel ist, irrtümliche Studienwahlen zu vermeiden», sagte er. «Wir wollen ihnen die Entscheidung erleichtern.» Wenn manch einer nach diesem Informationstag die ETH als zukünftigen Studienort ausschliessen könne, sei das in Ordnung. «Aber viele werden hier etwas entdecken, was sie anspricht.» Etwa drei Viertel eines Jahrgangs entscheide sich nach der Kanti jeweils für eine Universität oder die ETH: Auf diese Entscheidung müsse man die Schüler vorbereiten.

Die referierenden Ehemaligen waren sich einig, dass die Kanti Schaffhausen sie in allen Ausbildungsprofilen gut vorbereitet habe – für verschiedene Studiengänge. «Ich fühlte mich sogar für mein Architekturstudium gut vorbereitet», sagte Louis Strologo, der an der Kantonsschule das altsprachliche Profil gewählt hatte und dessen Schwerpunktfach Englisch gewesen war.

Viele der Schülerinnen und Schüler haben noch keine klare Vorstellung davon, was nach der Kantizeit folgen soll, und sind offen und empfänglich für Informationen. Da und dort schnappten sie sich Broschüren und holten Tipps von Studierenden ein. «Entscheidet nicht nur nach Hobbys, was ihr studieren wollt», gab eine Elektrotechnikstudentin ihnen mit auf den Weg.

«Es ist spannend, so viele verschiedene Studiengänge in einem Raum zu entdecken», sagte eine Schülerin. Informationsveranstaltungen würden den Blick öffnen und bei der Entscheidungsfindung helfen. Nach solchen Events seien jeweils mehr Anmeldungen für Infotage zu verzeichnen, so Kläy Schönenberger. Pro Winter besucht «ETH unterwegs» jeweils sechs Gymnasien. «Die Wirtschaft und die Indus- trie schreien nach solchen Veranstaltungen, es werden immer mehr Fachleute gebraucht.»

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