Maturstreich: Dance Battles im Mittelalter

Autor
Miriam Barner

Für die Maturanden der Kantonsschule Schaffhausen geht bald eine Ära zu Ende. Und was wäre der Abschluss der vierjährigen Schulzeit ohne Maturstreich.

Buntes Treiben herrscht mitten in der Stadt: Im Landsknecht­brunnen auf dem Fronwagplatz baden dreckige Menschen in zerrissenen Gewändern. Auf dem Herrenacker tanzen Jugendliche in mittelalterlichen Trachten zu Hip-Hop-Musik. Einer jungen Maid wird Mehl und Glitzer über den Kopf geschüttelt: Willkommen beim Maturstreich 2018! Dieser traditionelle Anlass wird jeweils von einer Gruppe Maturanden organisiert. Das diesjährige Motto der Woche lautet «Mittelalter». Ziel ist es, eine am Montag gefangen genommene Prinzessin zu befreien, deswegen hat gestern Vormittag die ganze Kanti schulfrei, um am Streich teilzunehmen.

Ein Erstklässler muss der Physiklehrerin Regula Fluck einen gespielten Heiratsantrag machen.

«Die erste Lektion müssen alle Schüler besuchen, damit wir wissen, wer anwesend ist, danach werden die Jugendlichen von den Maturanden entführt», sagt Kanti-Rektor Pasquale Comi. «Es findet ein Cortège statt, quasi ein Umzug mit einer festgelegten Route.» Die jüngeren Schüler müssen Aufgaben erledigen, um möglichst viele Schlüssel zu sammeln, etwa im Brunnen baden gehen, ein Wettrennen oder ein Wetttanzen gewinnen oder den Maturanden ein Spiegelei organisieren. Wie fühlen sich die Abschlussklässler momentan? «Dass die Schulzeit bald zu Ende ist, macht mich traurig, aber heute bin ich gut abgelenkt», sagt Luisa Moldavio.

Die Schüler sind die Spielfiguren

Nach dem Umzug versammeln sich alle Klassen der Kantons- und Fachmittelschule auf der Munotwiese. Die Klassen, die am meisten Schlüssel ergattern konnten, dürfen bei einem Leiterspiel antreten. Die Spielfiguren sind die Schüler selbst, auf der Munotwiese ist das Spielbrett aufgemalt, und es wird mit einem Riesenwürfel aus Schaumgummi gespielt. Eine Klasse muss «Three Little Birds» von Bob Marley singen, zwei Schüler müssen beantworten, wie die Mitternachtsformel lautet, und ein Erstklässler muss der Physiklehrerin Regula Fluck einen gespielten Heiratsantrag machen. Am Ende können Gena Terranova und Manuel Oberhofer ihrer Klasse 2sa den Sieg einheimsen und die gefangene Prinzessin aus dem Käfig retten.

Wer am meisten Schule schwänzt

Zum Abschluss gibt eine Maturandin in Mönchskutte die alljährlichen Auszeichnungen preis. Gekrönt werden die Viertklässler in verschiedenen Kategorien: «Der, der sich am meisten verändert hat», «Die hübscheste Person», «Der grösste Möchtegern-Player», «Die Person, die am meisten Menschen mit ihrem Lächeln ansteckt» und «Der, der am meisten Schule schwänzt». Dieser Preisträger ist überraschenderweise auch bei seiner Krönung nicht anwesend. Heute sollte er aber besser in der Schule ­erscheinen, denn die Maturprüfungen ­starten.

Wie haben die verschiedenen Jahrgänge den Maturstreich erlebt?

Lena Schneider: Im Mittelalter herrschte eine strikte Rangordnung. Für die Erstklässler sah es daher nicht so rosig aus. Man konnte es aber auch als Sklavin lustig haben. «Das Ganze ist ja alles nur Spass. Was nervt, ist nur der Glitzer, den kriegt man kaum mehr weg.»

Hrvoje Krizic: Vollbeschmiert mit Rasierschaum, Glitzer und Mehl konnte der Bauer trotzdem bis über beide Ohren lachen. «Nach vier Jahren Kanti haben es die Maturanden auch verdient.» In zwei Jahren ist es für ihn auch so weit, und auf das freut er sich schon riesig.

Ben Tschigg: Zum Adelstitel reichte es für den Drittklässler noch nicht. Er gehörte zu den Handwerkern und ist als Bäcker verkleidet. Das Kostüm organisierte er selber. «Wer kein Kostüm hat, wird vom Hofadel schikaniert.» Und auf das konnte er ­verzichten.

Sira Hui: Die Maturantin gehörte zum Adel und schlüpfte für den Maturstreich in die Rolle der gefangenen Prinzessin. Als OK-Mitglied hat sie den Anlass mitorganisiert. «Es geht darum, Spass zu haben.» Der Streich endete mit der Befreiung der Prinzessin. (kle)

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