Fahrt zum Rheinfallfelsen: Mändli erhöht Preise um bis zu 200 Prozent

Autor
Mark Liebenberg

Seit vergangenem Sonntag kostet die Bootsfahrt zum Felsen massiv mehr. Die Leistung bleibt aber die gleiche.

Dichtestress am Rheinfall? Mit der Ausdünnung des Angebots und der Ticketverteuerung wollen die Verantwortlichen den Besucheransturm auf den Felsen drosseln und machen Sicherheitsbedenken geltend. Archivbild: Selwyn Hoffmann

70 Franken – so viel muss eine Familie mit zwei Kindern neuerdings auslegen, wenn sie sich mit dem Boot über das Rheinfallbecken fahren lassen und die Treppen auf dem Felsen im Wasserfall heraufkraxeln möchte. Für das Rheinfallerlebnis zahlen Erwachsene ab sofort doppelt so viel wie früher: Seit am letzten Sonntag die Rheinfallsaison offiziell gestartet ist, wurden die Preistafeln bei der Einstiegsstelle neben dem Schlössli Wörth ausgetauscht. Das Einzelticket für eine Fahrt zum Felsen kostet neu 20 Franken für Erwachsene (früher 10 Franken) und 15 Franken für Kinder (früher 5 Franken).

Eine Preissteigerung von 100 respektive 200 Prozent (Einzelfahrt für Kinder) bei gleichbleibender Leistung: Für das Geld bekommt der Besucher nämlich nicht mehr geboten als vorher. Im Gegenteil, künftig ist es auch nicht mehr möglich, einfach ein Ticket für die nächste Fahrt am Schalter zu kaufen und dann auf das nächste Böötli zu warten, sondern der Rheinfalltourist kauft seine Tickets online (oder am Schalter) für eine ganz bestimmte Abfahrtszeit (die SN berichteten). Nur noch fix zweimal in der Stunde verkehren die Boote der Werner Mändli AG zum Felsen und zurück. Vorher waren es an schönen Tagen bis zu vier Fahrten in der Stunde gewesen.

Ziel: Weniger «Massen» auf dem Felsen

Der Bootsfahrtunternehmer erklärt, wieso die Felsenfahrten exklusiver werden sollen. «Die Besucherzahlen an der Destination Rheinfall sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Wir haben das Angebot der Schifffahrt laufend angepasst, neue Linien und Angebote geschaffen», sagt Geschäftsführer Thomas Mändli. «Es ist ein weltweit einzigartiges Angebot. Zwar gibt es grössere Wasserfälle, aber eine kleine begehbare Insel gibt es nur einmal.» Dies allein rechtfertige die neuen Preise, findet der Unternehmer.

Mändli macht aber zweitens Sicherheitsgründe geltend. «Die Platzverhältnisse auf der Insel sind sehr beschränkt. Nicht selten wurde dadurch der Rückstau von Besuchern auf der Insel aber auch an den Anlegestellen extrem gross.» Zuletzt habe er externe Sicherheitsleute engagieren müssen, um Probleme zu vermeiden und die Besucherströme zu leiten. «Oft ist das nur noch Massenabfertigung. Das Gedrängel birgt aber Gefahren. Es ist eigentlich ein Wunder, dass noch nie etwas passiert ist», sagt Mändli. Bei der Einstiegsstelle beim Schlössli könnten die Gäste die verbleibende Zeit bis zur Abfahrt des Schiffs individuell gestalten und müssen nicht wie früher in einer Schlange warten.

«Oft ist es nur noch Massenabfertigung. Es grenzt an ein Wunder, dass noch nie etwas passiert ist.»

Thomas Mändli, Schifffahrtsunternehmer am Rheinfall

Weniger Fahrten bedeutet auch weniger Umsatz. Doch die massive Preiserhöhung mag Mändli nicht allein dadurch begründen. «Die Überlegung ist tatsächlich, durch den höheren Preis das Besuchervolumen etwas zu senken und die Felsenfahrt für die Besucher reibungsloser, sicherer und ja, auch exklusiver zu machen».

Mit neuen Auflagen hat die Preissteigerung dagegen nichts zu tun. Denn wie bis anhin gilt auf dem Rheinfallfelsen die Vorschrift, dass sich nicht mehr als 80 Personen gleichzeitig darauf aufhalten dürfen. Daran hat sich nichts geändert. Internationale Reisegruppen seien übrigens ebenfalls von den höheren Preisen betroffen. Mändli: «Einige Touranbieter haben die Felsenfahrt jetzt gestrichen, genau wie wir das beabsichtigt haben.» Zu Beschwerden habe das neue Regime am Rheinfall in den letzten Tagen noch nicht geführt.

Mändli ist in der Preisgestaltung grundsätzlich nicht frei. «Er muss seine Preisanpassungen natürlich dem Kanton vorlegen, der letztlich die Konzession erteilt», sagt Patrick Spahn, Sekretär des Baudepartements. Der Kanton habe gegen die neuen Preise aber nichts einzuwenden gehabt. «Wir halten die Anpassung für vertretbar», sagt Spahn.

Vorteile sieht man auch bei der Rheinfall Betriebs AG. «Es gibt kein mühsames Anstehen und mehr Platz auf dem Felsen, weil die Gäste ein ganz bestimmtes Schiff buchen», sagt Thomas Burkhardt. Die Partner hätten grosses Verständnis für die Sicherheitsbedenken. Die neuen Preise entsprächen ausserdem der Strategie der Gruppe, einen «wertigen» Tourismus zu bieten. «Wenn wir den Rheinfall zu billig verkaufen, dann wird er auch zur Billigdestination», warnt Burkhardt.

Schaffhauserland Tourismus konnte bei der Preisänderung nicht mitreden. «Das können wir bei anderen Anbietern ja auch nicht», sagt Geschäftsführer Beat Hedinger. Etwas Verständnis habe er aber schon: «Der Anstieg erscheint jetzt drastisch. Aber möglicherweise war der Preis für ein touristisches Highlight von diesem Kaliber während all der Jahre einfach auch zu niedrig», sagt Hedinger. Der Besucheransturm auf den Felsen sei im Hochsommer jeweils schon gewaltig.

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