Bald kein SRF mehr ennet der Grenze: Massiver Widerstand aus der Schweiz

Autor
Ralph Denzel

Am 3. Juni will die SRG das DVB-T-Signal abschalten. Danach werden die Menschen ennet der Grenze kein SRF mehr empfangen. Der grösste Widerstand dagegen kommt aus der Schweiz selbst.

Bald gibt es unter DVB-T kein Signal mehr. Bild: Pixabay

Menschen ennet der Grenze, die noch aufwuchsen ehe das Kabelfernsehen salonfähig wurde, haben mit den gleichaltrigen Schweizern eines gemeinsam: Wenn die Eltern den Nachwuchs vor den Fernseher liessen, bestand das Programm oft auch aus Schweizer Sendungen. Dann tapste «Pingu» und «Globi» auch über die deutschen Bildschirme. Oft kam dann eben nicht das Sandmännchen, sondern das «Sandmännli».

 

Das Schweizer Fernsehen wurde Teil der Lebenswirklichkeit und ein willkommener Freund für viele deutsche Kinder in den neunziger Jahren. Das Programm wurde gemocht und gehörte für viele zum Leben dazu. Doch das wird sich bald ändern.

So will die SRG wird ab dem 3. Juni das sogenannte DVB-T Signal abschalten. Das bedeutet: Schweizer Sender sind nicht mehr frei über die TV-Antenne empfangbar. : Ennet der Grenze wird es dann nicht mehr möglich sein, SRF 1 und SRF 2 zu empfangen. Die Hintergründe dazu finden Sie in der Infobox. Den Schritt begründet die SRG mit Kostengründen.

Nun regt sich aber massiver Widerstand gegen diese Entscheidung – überraschender Weise vor allem von der Schweizer Seite.

Grenzüberschreitende Gegenwehr

Federführend für den Widerstand sind dabei drei Parteien: Einmal der Zuger FDP-Ständerat Joachim Eder, gleichzeitig auch Präsident der Delegation für die Beziehungen zum Deutschen Bundestag, der deutsche Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner aus Lauchringen und die internationale Bodenseekonferenz.

So haben der Joachim Eder und Felix Schreiner eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, die sich deutlich gegen eine Abschaltung des DVB-T-Signals ausspricht. Darin heisst es, dass durch dadurch «die Grundlage für kulturellen und informativen Austausch über das Zentrale Medium Fernsehen entzogen» würde. So sei das «Fernsehen ein Instrument des kulturellen sowie informativen Austausches über die Staatsgrenzen hinweg».

Die Erklärung von Felix Schreiner und Joachim Eder.

Allerdings sind nicht nur diese beiden Parlamentarier gegen eine Abschaltung: Laut Joachim Eder stehen auch mehrere Nationalräte aus fast allen Parteien hinter dieser Erklärung. Auch viele Landräte ennet der Grenze und Interessensverbände laufen massiv Sturm gegen die geplante Abschaltung. «Wir sehen nicht ein, warum die Schweiz für einiges Geld touristische Anstrengungen in Süddeutschland unternimmt, gleichzeitig aber unser Fernsehen, das offensichtlich gern gesehen wird, abgestellt werden soll», so Joachim Eder. «Selbstverständlich ist uns klar, dass dies ein unternehmerischer Entscheid der SRG ist, aber es braucht hier mindestens Gespräche und konkrete Lösungsansätze für die betroffenen Regionen.»

Der deutsche Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner sieht es ähnlich. Für ihn wäre die Abschaltung «ein großer Rückschritt» für den kulturellen Grenzraum. «Es melden sich täglich sehr viele Menschen aus dem gesamten Gebiet von Basel bis zum Bodensee bei mir.» Die meisten hätten wie er kein Verständnis dafür, «dass die Leitungen einfach gekappt werden sollen». Aus den Zuschriften werde laut dem Abgeordneten deutlich, dass «das Schweizer Fernsehen einen hohen und festen Stellenwert auf der deutschen Rheinseite» habe.

Die grünen Flächen zeigen, wo SRF 1 und SRF 2 über DVBT-Signal empfangen werden können. Bild: SRG/Screenshot

Der 33-jährige Abgeordnete wuchs selbst in der Grenzregion auf und sagt daher: «Wer in der Region aufwächst, wächst mit dem Schweizer Fernsehen auf.» Es sei für viele nahezu eine Selbstverständlichkeit, Schweizer Fernsehprogramme einschalten zu können. desto größer sei das Unverständnis über die SRG Entscheidung.

Keine Billag, kein SRF?

Anders sieht es der Schaffhauser SVP-Politiker Thomas Minder. Dieser empfinde die Abschaltung des DVB-T Signals einen logischen Schritt. So wolle die SRG natürlich Geld verdienen. Er beruft sich allerdings auch auf die Billag: «Deutsche müssen keine Billag zahlen – von daher ist das richtig, wenn man auch kein SRF empfangen kann», so Thomas Minder. Es ginge hier auch um die Frage der Gleichberechtigung, schliesslich wäre es in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit, dass man diese Gebühr bezahle – warum sollten also die Fernsehzuschauer ennet der Grenze den gleichen Service gratis kriegen?

Sein Parteikollege Hannes Germann sieht die Sache hingegen anders. Auf Anfrage sagt er dazu: «Die Schweiz hat ja auch ein Interesse, dass man im Ausland empfangen wird.» So lebe der Kleinstaat «vom Austausch» mit seinen Nachbarn. Laut Germann müsse vor allem im Umfeld mit dem schwierigen Umgang mit der EU ein geförderter Austausch, auch kulturell, absolut im Interesse der Schweiz sein. Er sei «auf jedenfall dafür», dass das SRF weiterhin auch ennet der Grenze empfangen werden könne.

Aussichten für einen Erhalt sind schlecht

Trotz dieser Unterstützung ist die Chance, dass auch weiterhin ennet der Grenze SRF frei empfangen werden kann, sehr gering. Auf Anfrage sagte die Internationale Bodenseekonferenz (IBK), dass man zwar derzeit dabei sei Möglichkeiten nachzurecherchieren und auszuloten, wahrscheinlich würde aber «nicht viel Positives» dabei rauskommen.

Diesen Warnhinweis sehen Zuschauer, die das Programme der SRG über DVB-T empfangen derzeit öfter.

Christian Amsler, Regierungsrat und Mitglied der IBK, ist jedoch noch nicht bereit aufzugeben. Man werde weiterhin versuchen «im gut nachbarschaftlichen Dialog» das Thema anzuschauen und versuchen, einflusszunehmen. «In der Realität gibt es heute ganz viele deutsche Bürgerinnen und Bürger, die das Angebot sehr schätzen», so Christian Amsler. Ausserdem würden die Schweizer ja ebenfalls intensiv Programme wie das ZDF, den SWR oder die ARD nutzen. Man müsse nun probieren «Kabelbetreiber und Anbieter mit ins Boot zu holen». Auch seien noch weitere Gespräche mit Vertretern des SRF geplant. Für ihn ist klar: «Man kann nicht von guter Nachbarschaftlicher Grenze reden, wenn man dann sowas macht.»

Auch Felix Schreiner hat sich prominente Unterstützung geholt: «In der Angelegenheit habe ich mich an Ministerpräsident Winfried Kretschmann und auch an die SRG direkt gewandt.» Er ist sich sicher: «Die Pflege des gemeinsamen Kulturraums sollte uns die Mühen wert sein.» Trotzdem muss er einschränken: «Erfolg braucht manchmal seine Zeit.»

Trotzdem muss es schnell gehen, denn sonst schauen viele deutsche Zuschauer ab dem 3. Juni buchstäblich in die Röhre.

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