Begleiten, unterstützen – und zuhören

Rolf Fehlmann | 
Noch keine Kommentare
Viele kleine Schritte, Beharrlichkeit und zunehmendes Selbstvertrauen bereiten den Weg zu einer Arbeitsstelle in der Wirtschaft. Bild ZVG / PETER SCHÄUBLIN

Unfall, Burn-out, Depression: Wer solches durchmacht, findet nur schwer wieder eine Stelle. Die Job-Coaches der altra begleiten und unterstützen Betroffene auf ihrem Weg zurück ins Erwerbsleben.

«Neulich erzählte mir eine Frau, jetzt sei sie wieder im Leben angekommen», sagt Job-Coach Vera Unternährer. «Das war für mich ein Erfolgserlebnis, und ich wurde dabei auch ein bisschen emotional.»
 
Inklusion erfahren
Vera Unternährer und Renato Marcucci arbeiten als Job-Coaches bei der Stiftung altra schaffhausen, wo sie zwei Kategorien von Personen betreuen. Zum einen interne Mitarbeitende der Stiftung, die einen Schritt in den ersten Arbeitsmarkt in Erwägung ziehen. Unternährer: «Für sie suchen wir bei Firmen einen Integrationsarbeits­platz und vermitteln Schnupper- und Praktikumsmöglichkeiten.» Laufe alles gut, könne sich daraus eine reguläre Festanstellung ergeben. Darüber hinaus geht es den Job-Coaches aber um Grundsätzliches: «Alle haben das Recht, Inklusion zu erfahren und Teil dieser Gesellschaft zu sein. Gerade für junge Menschen ist es wichtig, dass sie ihr Leben in die eigenen Hände nehmen können.»
 

Job-Coach
«Wir erleben immer wieder, dass Menschen innerhalb von sechs Monaten ein ungeahntes Potenzial entwickeln und Fortschritte machen, an die niemand geglaubt hätte.» Renato Marcucci, Job-Coach
Stiftung altra schaffhausen
Zurück ins Leben finden
Der zweite – umfangreichere – Kreis von Personen, welche die beiden Job-Coaches begleiten und unterstützen, kommt von ausserhalb der altra: Menschen, die durch ein einschneidendes Lebensereignis aus der Bahn geworfen wurden, etwa durch einen schweren Unfall, ein Burn-out oder eine tiefe Depression. «Für diese Personen hat die Invalidenversicherung (IV) Integrationsmassnahmen gesprochen, bei deren Umsetzung wir Job-Coaches die versicherten Personen begleiten und unterstützen», sagt Marcucci.
 
Grenzen ausloten
«Zunächst arbeiten wir mit den Klienten am Aufbau ihres Selbstwertgefühls und versuchen herauszufinden, wo ihre Fähigkeiten und Interessen liegen.» Gestützt darauf loten sie in der altra mit einem dreimonatigen Belastbarkeitstraining ihre persönliche Belastungsgrenze aus. Daran schliesst sich ein in der Regel sechsmonatiges Aufbautraining, nach dessen Abschluss die versicherte Person wieder eine definierte Leistungsfähigkeit erreicht. Diese wird in Prozent eines vollen Arbeitspensums angegeben und bildet die Grundlage für die Vermittlung eines Praktikums in der freien Wirtschaft. Marcucci: «Wir arbeiten mit der versicherten Person darauf hin, dass sie nach dem Praktikum regulär angestellt wird. Jede dieser Übernahmen ist eine Erfolgsgeschichte – für sie wie für uns.».

 

Die Job-Coaches bei der Stiftung altra unterstützen und begleiten Menschen bei ihrer Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Für die Ausbildung zum Job-Coach gibt es keine eidgenössisch reglementierte Ausbildung. Voraussetzung für die Tätigkeit ist in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine Ausbildung im Sozialbereich, gefolgt von einer Weiterbildung, beispielsweise in den Bereichen Coaching, Arbeitsagogik oder Supported Employment, also der Begleitung und Unterstützung von Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt.

Kommentare (0)

Diese Diskussion wurde geschlossen.