Das verjubelte Vertrauen

Autor
Robin Blanck

Der Doppeladler-Jubel torpediert den Sport als Integrationsvehikel - und hat viel Vertrauen in die Schweizer Nati kaputt gemacht, kommentiert SN-Chefredaktor Robin Blanck.

Der Stein des Anstosses: Der Doppelalder-Jubel beim Spiel gegen Serbien. Bild: Key

Ein Geste erregt die Gemüter: Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner bauten den Doppeladler, ein nationalistisches Symbol, in ihren Torjubel im Serbien-Spiel ein und sorgten damit für Unmut und eine Untersuchung durch die Fifa. Jetzt liegt das Urteil vor: keine Sperre, dafür eine Geldstrafe für die Beteiligten.

Disziplinarisch ist die Sache damit vom Tisch, aber ganz ohne Folgen bleibt das Verhalten nicht: Zum einen ist die politische Aufladung eines Fussballspiels falsch. Sport ist friedlicher Wettkampf, Politik hat auf dem Rasen nichts verloren. Zum anderen – und das ist wirklich bedauerlich – torpediert dieser Vorfall auch den Sport als Integrationsvehikel. Die Nati als eine bunte Mischung aus Menschen verschiedenster Herkunft macht seit vielen Jahren beispielhaft vor, dass weder Ethnie noch Religion oder gar Hautfarbe die Zugehörigkeit zur Schweiz definieren, sondern das Bekenntnis zum Land und zu seinen Werten. Die zahlreichen Anhänger der Nationalmannschaft fragen ihrerseits nicht nach den familiären Wurzeln der Spieler, sondern akzeptieren sie als Mitbürger, mehr noch: Als Mitglieder der Nati geniessen sie besonderes Ansehen und Vertrauen. Es ist dieses Vertrauen, das mit dem politischen Jubel unnötigerweise ­infrage gestellt wurde. Gezeigt haben die Spieler den Doppeladler den ­pfeifenden russischen und serbischen Stadionbesuchern, gesehen hat ihn aber auch die ganze Schweiz.

Fazit: Die Geldstrafe zahlen die Profis aus der eigenen ­Tasche, verjubelt haben sie aber viel Kostbareres: die Wertschätzung und den Respekt ihrer Unterstützer. Das ist der eigentliche Schaden.

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