Als der Engeweiher noch Wellen schlug

Autor
Kay Uehlinger

Seit etwas mehr als 50 Jahren spielt der SCS auf der KSS. Vor deren Bau trugen die Wasserballer ihre Heimspiele im Engeweiher aus - trotz kaum vorhandener Infrastruktur.

Vor rund 850 Zuschauern verlor die Schweizer Wasserballnationalmannschaft ein Testspiel gegen Württemberg mit 7:2. Archivbild

Noch immer ist Wasserball eine Randsportart. Mit den Wasserballern des SC Schaffhausen hat der Kanton eine solide Mannschaft, die sich schon seit Jahren in der höchsten Spielklasse – der Nationalliga A - etabliert hat. Ihre Heimspiele tragen die Wasserballer auf der KSS aus - doch das war nicht immer so.

Ein unkonventioneller Spielort

Wo heute Enten im Wasser dümpeln, wurde früher scharf geschossen. Die Wasserballer trugen ihre Heimspiele - sofern Wetter, Wasserstand und Wassertemperatur stimmten – auf dem Engeweiher aus. Sowohl Spieler als auch interessierte Zuschauer mussten das Hochwandern zum Weiher in Kauf nehmen. Garderoben, Toiletten und Duschen gab es keine. Der Schiedsrichter delegierte das Spielgeschehen von einem einfachen Holzfloss aus. Die Zuschauer verfolgten das Spiel vom Ufer her aus, Tribünen gab es keine.

SC Schaffhausen setzte sich für die neue Freizeitanlage ein

Auch wenn der Engeweiher bestimmt ein schöner und spezieller Ort war, seine Heimspiele austragen zu dürfen - geeignet war er dafür nicht wirklich. Deshalb setzte sich der Verein schon früh für den Bau des neuen Schwimmbads und der Kunsteisbahn auf der Breite ein. 1960 veranstaltete der SC Schaffhausen ein Benefizspiel gegen SK Sparta Konstanz, seinerseits süddeutscher Wasserballmeister und Bodensee-Meister in jenem Jahr. Zusätzlich stiegen im Vorfeld der Partie auch die Fussballer des SV Schaffhausen in den Weiher um ihre Fertigkeiten zu beweisen - auch ohne sicheren Boden unter den Füssen.

Den Erlös, welcher an diesem Tag eingenommen wurde, spendete der SCS an den Bau der neuen Sportanlage auf der Breite. Zusätzlich wurde an der in jenem Jahr stattgefundenen Generalversammlung beschlossen, den grössten Teil des Clubvermögens ebenfalls zu investieren. Diese Aktion diente dazu, den Einwohnern der Stadt zu zeigen, wie wichtig für die Wasserballer der Bau der Sport- und Freizeitanlage auf der Breite ist.

Historischer Aufstieg in die Nationalliga A

1963 - drei Jahre vor dem Bau der KSS - gelang dem SCS der erste Aufstieg in die höchste Spielklasse, wie dem Matchbericht der «Schaffhauser Nachrichten» vom August 1963 zu entnehmen ist. Im letzten Spiel der Saison empfing er die Wasserballer des SC Arbon auf dem Engeweiher. Dem SCS hätte ein Unentschieden gereicht, während die Gäste aus Arbon nur mit einem Sieg in die NLA aufsteigen konnten. In einem äusserst dramatischen Spiel behielten die Schaffhauser die Oberhand und gewannen nach 0:2-Rückstand noch verdient mit 5:4 Toren.

Einziger Wermutstropfen: Trotz Aufstieg musste der SCS in der nächsten Saison seine Heimspiele immer noch auf dem Engeweiher austragen. Der Verein hätte sich einen zentrumsnäheren Spielort gewünscht, man spiele jetzt schliesslich in der höchsten Schweizer Spielklasse. Zu jener Zeit war ein Spielort wie der Engeweiher aber dennoch kein Hinderungsgrund in der NLA zu spielen. Heute müssen bestimmte Richtlinien erfüllt sein. Zum Vergleich: Der FCS musste unter anderem ein neues Stadion bauen, da das alte nicht mehr den Lizenzvorgaben der Liga entsprach.

Als die Schweizer Nationalmannschaft auf dem Engeweiher spielte

Kaum vorstellbar, doch auch die Schweizer Nationalmannschaft der Wasserballer war auf dem Engeweiher zu Gast. Nur wenige Tage vor dem ersten Aufstieg des SCS in die NLA, empfing die Schweizer Nationalmannschaft Württemberg zu einem Testspiel. Auch wenn das Spiel mit dem Endstand von 2:7 aus Sicht der Schweizer suboptimal endete, fanden damals über 850 Personen den Weg hinauf zum Engeweiher um sich dieses Spektakel anzusehen.

Bisher konnte der SCS seit seiner Gründung 1899 zwei Meistertitel in der höchsten Spielklasse gewinnen. Mit dem Bau der KSS und der Traglufthalle im Winterhalbjahr wurden die Trainingsmöglichkeiten immens gesteigert. Mit glanzvollen aber auch teilweise glanzlosen Jahren hat sich der SCS zu einem guten Wasserballverein gemausert, der auch heute noch auf einheimische Spieler setzt.

Der Engeweiher kommt dabei nicht zu kurz, schliesslich wird jährlich das Saisonende mit Grill und Wurst auf dem Engeweiher gefeiert. Somit wird er für den Verein auch weiterhin von Bedeutung sein.

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