Tounkara liess es ordentlich rauchen

Autor
Tobias Erlemann

Mamadou Tounkara wurde als grosse Sturmhoffnung verpflichtet. Auf dem Platz war er aber kein Dampfmacher – und ist schon wieder weg. Neben dem Feld sorgte er für rauchende Köpfe.

Mamadou Tounkara (r.) konnte in Schaffhausen nicht wirklich überzeugen und spielt nun in der Slowakei. Bild: Roger Albrecht

Bei seiner Präsentation im Sommer versprühte er grosse Hoffnungen. «Ein Goalgetter, das hat man schon in der ersten Trainingseinheit sehen können», beschrieb FCS-Sportchef Axel Thoma Neuzugang Mamadou Tounkara – und führte weiter aus: «Er ist schnell und durchsetzungsstark.» Und immerhin kam der 23-Jährige von Lazio Rom nach Schaffhausen. Rein äusserlich hatte er sogar ein wenig Ähnlichkeit mit Italo-Superstar Mario Balotteli. Doch viel mehr hatten die beiden dann nicht gemein. Zu grosse Probleme offenbarte der senegalisch-spanische Doppelbürger, der einst sogar Einsätze in der spanischen U-17-Nationalmannschaft hatte. Rasant war er, aber technisch und taktisch zu limitiert – und dazu sehr oft verletzt, der Kunstrasen im Lipo-Park machte dem Stürmer merklich und schmerzlich zu schaffen.

Die Zusammenarbeit wurde in der Winterpause geräuschlos beendet. Was nun bekannt wurde: Zum Start in Schaffhausen machte ­Tounkara dazumal viel mehr «Lärm». Vorgestellt beim FCS wurde er am 4. Juli 2018, und bereits am 13. Juli mussten Feuerwehr und Polizei wegen Tounkara ausrücken. Denn dieser löste durch das Rauchen einer Shisha-Pfeife in seinem Zimmer im Waldhotel Hohberg den Feueralarm aus, die Rauchmelder wurden aktiviert durch die Dampfschwaden. «Wenn bei uns nach 22 Uhr ein Alarm ausgelöst wird, dann sorgt dieser automatisch für einen Feuerwehreinsatz», erklärt Jeffrey Döring, Direktionsassistent im Waldhotel Hohberg.

«Der Feueralarm sprang an, wir sind ausgerückt.»

Peter Müller, Feuerwehrkommandant

Und Tounkara liess es um 23.18 Uhr kräftig rauchen. «Der Feueralarm sprang an, wir sind dann ausgerückt», bestätigt Peter Müller, Feuerwehrkommandant der Stadt Schaffhausen. Heisst im Klartext: Ein Pikettfahrzeug der Feuerwehr raste Richtung Schweizersbild. Dazu ein Patrouillenfahrzeug der Polizei sowie ein weiterer Polizist, der mit einem Feuerwehrauto anrückte, dem «Florian 18»-Tanklöschzug. «Den Einsatz leitet aber immer die Feuerwehr, die Polizei ist uns unterstellt», betont Müller.

Viel Rauch im Spiel

Vier Mann, drei Fahrzeuge – eine Rechnung. Von der Feuerwehr Schaffhausen bekam das Waldhotel Hohberg als Besitzer eine Rechnung über 640 Franken für den Einsatz überreicht, welche sogleich an den FC Schaffhausen weitergereicht wurde. Schlussendlich musste dann aber Tounkara selbst die Kosten tragen. «Das ist aber keine Strafe, sondern sind die normalen Gebühren, wenn wir kostenpflichtig ausrücken, auch wenn es schlussendlich ein Fehlalarm war», wie Müller betont. Rund 140 solcher Einsätze absolviert die Feuerwehr Schaffhausen jährlich, bei nur rund fünf Prozent der automatischen Alarmierungen brennt es auch wirklich.

Bei Tounkara war also viel Rauch im Spiel, aber kein Feuer. Dennoch war der Spieler wenig begeistert, wurde er gleich zum Start zur Kasse gebeten. Denn auch vom Waldhotel Hohberg dürfte der 23-Jährige noch eine Rechnung erhalten haben, schliesslich ist dies ein Nichtraucherhotel. «Wird in den Zimmern geraucht oder Feuer gemacht, findet eine Komplettreinigung statt, dann muss alles gewaschen werden, von den Teppichen bis zu den Vorhängen», erklärt Döring. Ob dies auch bei Tounkara der Fall war, darüber gibt das Waldhotel keine Auskunft. Aber rein nach Regularien dürfte dem Stürmer noch mal eine deftige Rechnung ins Haus geflattert sein.

Ausserhalb des Feldes liess es Tounkara ordentlich dampfen. Auf dem Feld setzte er aber keine wirklichen Duftmarken ab, in neun Ligaspielen erzielte er keinen einzigen Treffer. Nur im Cupspiel bei den Amateuren von Freienbach knipste er ein Tor beim lockeren 5:0-Sieg. Inzwischen ist der 23-Jährige in der Slowakei gelandet und spielt dort beim Mittelklasseclub MFK Zemplin Michalovce. Vielleicht sorgt Tounkara dort für ordentlich Alarm auf dem grünen Rasen – und nicht nur im Hotelzimmer.

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