Das besondere Spiel für Castroman

Autor
Tobias Erlemann

FCS-Spielmacher Miguel Castroman absolvierte seine Juniorenzeit bei YB. Den Durchbruch schaffte er dort noch nicht. Mit seinen Leistungen ist der Leihspieler zurück auf dem Berner Radar.

Zielstrebig: FCS-Stratege Miguel Castroman (Mitte) lässt sich derzeit nicht einmal von zwei Gegenspielern aufhalten. Bild: alb

Sechs Ligaspiele, sechs Tore, eine Vorlage. Die Saisonbilanz von Mittelfeldstratege Miguel Castroman ist beeindruckend. Dank des 23-Jährigen ist der FC Schaffhausen weiter auf Tuchfühlung zur Spitzengruppe der Challenge League. «Die Qualität ist da, wir wollen vorn mitspielen», sagt Castroman. «Ich selbst bin derzeit einfach gut drauf und versuche, mein Potenzial abzurufen – was mir im Moment ganz gut gelingt», sagt der offensivstarke Linksfuss mit einem Lächeln.

Am Samstag darf Castroman nun auf der grossen Bühne auflaufen gegen den Meister und Champions-League-Teilnehmer YB. Doch nicht nur wegen der aktuellen Erfolge ist es ein ganz besonderes Spiel für Castroman. Schliesslich ist der BSC Young Boys sein Heimatverein, hier durchlief er die Juniorenstufen, wurde U-Nationalspieler und absolvierte seine ersten Partien in der Super League. In der Saison 2015/2016 war dies, sein Debüt feierte er am 12. August 2015 daheim gegen Lugano. Vier weitere Kurzeinsätze kamen noch dazu. Doch nach nur fünf Spielen reifte die Gewissheit, in der Hauptstadt nicht die für einen jungen Spieler dringend benötigte Spielpraxis zu bekommen. Das Kader sei schon damals exzellent bestückt gewesen, der Konkurrenzkampf enorm. «Um mich weiterzuentwickeln, musste ich spielen. Und damit wechseln. Der Schritt nach Wohlen war genau der richtige», sagt Castroman rückblickend.

Konstante Leistungen

Aber die Young Boys wussten und wissen um das Talent des Mittelfeldspielers, so wurde Castroman bis dato jeweils nur verliehen, auch beim FC Schaffhausen gehört der 23-Jährige weiterhin dem amtierenden Schweizer Meister. Bis zum Sommer 2019 ist Castroman verliehen – oder muss er schon früher zurück nach Bern? Man habe ihn auf dem Schirm und beobachte seine Entwicklung genau, sagt YB-Sportchef Christoph Spycher. «Wir gehen aber davon aus, dass Miguel bis mindestens Sommer bei uns bleibt», sagt FCS-Sportchef Axel Thoma. Doch auch der 54-Jährige weiss, dass es im Fussballbusiness schnell gehen kann, wie zuletzt mehrfach erlebt beim FCS in puncto Leihspieler. Erst vergangenen Winter legten die Verteidiger Jean-Pierre Rhyner und Noah Loosli einen plötzlichen Abgang hin, als der Grasshopper Club Zürich, der Stammverein der beiden Akteure, plötzlich andere Pläne mit den Youngster hatte.

Über solche Konstellationen macht sich Castroman derzeit aber keine Gedanken. Sein Fokus liegt voll auf dem FCS – und dem sams­täglichen Cup-Fight. Der 23-Jährige wittert jedenfalls eine Chance auf den grossen Coup. «Dann muss alles perfekt passen», weiss der gebürtige Berner. Der FCS muss einen Sahnetag erwischen, Bern den Gegner ein wenig unterschätzen. Und mit den Zuschauern im Rücken wolle man dann mutig und zielstrebig spielen, gibt Castroman die Marschroute vor. «Wir sind gefestigt und gut vorbereitet. YB wird hier einen heissen Tanz erleben», ist der FCS-Spielmacher überzeugt.

Ob er ein Tor schiesst oder nicht, das ist für Castroman zweitrangig. Für den Offensivmann geht es darum, seine Leistungen zu stabilisieren, legte er doch auch vergangene Saison einen Blitzstart hin, als er in den ersten acht Ligaspielen sechsmal traf. Danach kamen Formschwankungen und Verletzungen dazu, die Leistungen stagnierten einige Zeit, erst zum Ende der Saison hin brillierte Castroman wieder. «Jetzt hoffe ich einfach, dass ich fit bleibe und die ganze Saison durchpowern kann», sagt der 23-Jährige. Wenn ihm das gelingt, heisst es im Sommer dann wohl: Abschied nehmen vom FCS, willkommen daheim in Bern.

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