«Keiner hat sich über das Team gestellt»

Autor
Daniel F. Koch

Der FC Schaffhausen war das Team der Rückrunde in der Challenge League. Vom letzten Platz arbeitete sich das Team auf Platz 4 hoch. Trainer Murat Yakin erklärt, warum.

«Das Gesamtpaket stimmt»: Murat Yakin hat aus dem FC Schaffhausen das erfolgreichste Team der Rückrunde geformt. Am 19. Juni beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison. Yakin muss wieder eine neue Mannschaft aufbauen. Bild: Michael Kessler

Murat Yakin, trotz der beiden Niederlagen gegen den FC Zürich und in Wil zum Saisonschluss spielte der FCS eine überragende Rückrunde. Das Team startete vom letzten Platz, holte in 18 Runden 38 Punkte und beendet die Saison auf Platz 4. Wie bewerten Sie diesen Erfolg?

Murat Yakin: Es war einerseits wichtig, den Spielern wieder Selbstvertrauen zu geben. Die zentrale Frage dabei war, wie wir vorgehen, damit wir Spiele gewinnen können. Dabei wurde nie über den Abstieg geredet oder gross auf die Tabelle geschaut. Die Situation war ja speziell mit dem Umzug ins neue Stadion. Das allein war Motivation genug für jeden Spieler. Wir hatten ausserdem genügend Zeit in der Vorbereitung, um uns gegenseitig kennenzulernen. Besonders gefallen hat mir, dass die Spieler willig und lernbereit waren.

Was war aus Ihrer Sicht der Schlüssel zu dieser ungewöhnlichen Leistung?

Es hat alles gepasst. Die Vorbereitung verlief gut, die Resultate haben gestimmt. Es kam hinzu, dass die Gruppe homogen war und alle von Beginn weg voll mitgezogen haben. Es gab keinerlei Eitelkeiten. Kein Spieler hat sich über das Team gestellt. Das führte dazu, dass bei uns ausschliesslich über Fussball diskutiert wurde und alle fokussiert waren. Da ist etwas zusammengewachsen. Die Spieler haben das erfreulicherweise mit guten Leistungen zurückgezahlt.

Wer waren aus Ihrer Sicht die fussballerischen Überraschungen im letzten halben Jahr?

Da möchte ich keinen einzelnen Spieler speziell hervorheben. Das wäre unfair den anderen gegenüber. Jeder, der sich als Teamplayer eingebracht hat, ist ein Teil dieses Erfolgs. Ich habe einfache fussballerische Prinzipien und Spielweisen ausgewählt, die für alle Spieler nachvollziehbar waren. Um Druck von den Spielern zu nehmen, habe ich mich mehr exponiert. Es hat alles funktioniert, was man an der Entwicklung jedes einzelnen Spielers sehen konnte.

Die Fussballszene staunte, als Sie sich für Schaffhausen entschieden haben. Ist alles so gekommen, wie Sie es erwartet haben?

Da muss ich mich wiederholen: Für mich ganz persönlich hat das Gesamtkonzept gestimmt, das mir Aniello Fontana und Marco Truckenbrod Fontana präsentiert haben. Darum war es auch keine Nacht- und Nebelaktion, dass ich nach Schaffhausen gegangen bin. Es hat alles gestimmt. Sowohl das fachliche als auch das Persönliche. Wir konnten uns alle seriös vorbereiten. Alle waren offen für meine Ideen. Keiner hat reingeredet. Hinzu kam der Rückrundenauftakt mit zwei Auswärtspartien. Dann kam die Stadioneröffnung mit dem Regioderby gegen Winterthur vor fast vollem Haus. Das hatte auch für mich seinen ganz speziellen Reiz. Und hat auch meinen Ehrgeiz und die Motivation, hier einen guten Job abzuliefern, geweckt.

Der Umzug in den Lipo-Park konnte mit den Erfolgen unter Ihnen auch medial ausgeschlachtet werden. Wie bewerten Sie die neue Spielstätte des FC Schaffhausen?

Für mich ist der Lipo-Park wegen seiner Infrastruktur ein perfekter Arbeitsort. Dank der familiären Struktur des Vereins sind die Wege kurz. Ich habe auch den Eindruck, dass meine Arbeit respektiert und geschätzt wird. Es war einfacher, Spieler zu gewinnen, weil die Aufgabe zeitlich überschaubar war und man so die Neuen leichter motivieren konnte. Das macht vieles leichter. Der Erfolg mit dem FC Schaffhausen hat viel Aufsehen erregt.

«Für mich ist der Lipo-Park wegen seiner Infrastruktur ein perfekter Arbeitsort.»

Murat Yakin, Trainer FC Schaffhausen

Ausruhen gibt es im Fussball nicht. Wie geht es nun weiter? Wie soll das Team weiter verstärkt werden? Wann geht es mit der Vorbereitung los?

Das Training beginnt am 19. Juni wieder. Bis dahin hoffen wir, dass wir mehr oder weniger das komplette Kader beieinander haben, um mit der intensiven Vorbereitung zu beginnen. In der Challenge League ist es nicht einfach, Spieler zu gewinnen oder solche mit Ambitionen zu halten. Doch das ist eine der Grundregeln im Fussball, dass sich jeder nach oben Richtung Super League orientiert. Das ist auch richtig so. Darum ist es für uns wichtig, weiterhin Erfolg zu haben. Denn das sorgt für Aufsehen und Interesse am Club und seinen Spielern, und das wollen wir erreichen.

Wo kann sich der FC Schaffhausen aus Ihrer Sicht sportlich weiter verbessern?

Wir müssen bescheiden bleiben. Der FC Schaffhausen ist ein familiär geführter Club, das hat seinen Reiz. Alles ist übersichtlich. Wenn man die Strukturen ausbauen möchte, ist es wichtig, nicht auf Schnelligkeit zu schauen, sondern die Entwicklung behutsam und nachhaltig zu planen. Ebenso muss man die Mannschaft mit Augenmass weiterentwickeln. Da zeigen uns beispielsweise auch die finanziellen Möglichkeiten ihre Grenzen auf. Darum ist es wichtig, immer kreative Lösungen zu finden. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns nach wie vor im Aufbau befinden.

Die Erwartungen sind gestiegen, der FCS soll vorn mitspielen. Was ist dazu aus Ihrer Sicht noch nötig?

Die Erwartungen bei unseren Fans und in der Öffentlichkeit werden sicher nicht geringer werden. Mit einem solchen Stadion im Rücken schielt man eher nach oben, weniger nach unten. Gleichzeitig ist es extrem schwierig, die Favoriten, neben Xamax und Servette zähle ich auch Vaduz und Aarau dazu, zu überflügeln. Dort sind die finanziellen Möglichkeiten grösser. Auch die Infrastruktur ist professioneller. Wichtig für uns ist, dass es uns gelingt, ein Team aufzubauen, das konkurrenzfähig ist und mit den Favoriten mithalten kann.

Ein Thema, das von den Verantwortlichen nicht so gern gehört wird, ist die Frage nach einer Rückkehr in die Super League. Die Infrastruktur wäre mit Abstrichen vorhanden. Wie bewerten Sie die Aussichten?

Der Sprung nach ganz oben erfordert letztlich schon noch einiges mehr. Wenn die Clubleitung das möchte, sind Anpassungen in jedem Bereich notwendig. Man muss mehr Mittel bereitstellen und den Kader entsprechend ausbauen. Auch die Infrastruktur im Club muss dann mitwachsen. Sowohl qualitativ wie auch quantitativ. Das würde eine echte Herausforderung für alle werden. Und nicht von jetzt auf gleich zu realisieren.

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