Im Auftrag ihrer Majestät: Wie die Volks bei -35 Grad einen Nationalpark holzen

Autor
Ralph Denzel

So einen Job hat man nicht alle Tage: Die Firma der Familie Volk darf als eine der ersten Firmen überhaupt im Japser Nationalpark Holz schlagen. Die Bedingungen sind jedoch nicht ideal.

Stolz am Werk: Christian und Simone Volk im Jaspers Nationalpark. Auf dem Arm hat Simone das jüngste Familienmitglied Leeza. Bild: zVg Simone Volk

«Off to Jasper he goes». Mit diesen Worten startete wohl einer der grössten Aufträge in der noch recht jungen Geschichte der Firma Volktrans Canada Ltd., gegründet 2015, die der Familie von Simone und Christian Volk gehört. Die Kanada-Auswanderer aus Benken, die durch die SRF Serie «Auf und Davon» nationale Berühmtheit erlangten, haben als eine der ersten Firma überhaupt den Auftrag bekommen, im Jaspers Nationalpark zu holzen. Die Ausmasse dieses Jobs sind dabei gigantisch. 60‘000 Festmeter - ein Raummass für Holz - wurden bisher geschlagen. Würde man diese Stapel zu jeweils einem Quadratmeter nebeneinander aufstellen, wäre das eine Strecke von Schaffhausen bis nach St. Gallen. Um diese Menge zu schlagen, mussten sie eine Fläche von knapp 350 Hektar Waldfläche holzen – das entspricht ungefähr 500 Fussballfeldern.

An diesen riesigen Auftrag kam die Familie Volk vor allem durch ihre Arbeit mit einem örtlichen Sägewerk. «Wir wurden von unserer Sägerei angefragt, weil wir die passenden Maschinen haben», erklärt Simone Volk – und die haben sie jetzt auch alle gebraucht: Mit allen sieben Mitarbeitern, zwei sogenannten Forwardern, zwei Vollerntern und jeweils einem Buncher, einer Art Erntemaschine und einem Bagger sind sie vor Ort.

«Unsere Aufgabe ist es dort, eine Feuerschneisse zu schlagen, um das Dorf Jasper zu schützen», so Simone Volk. Dabei werden die Dürren Bäume geschlagen, aber auch die, die von sogenannten «Pine Beetles», also Bergkiefernkäfern, gefressen werden. «Mit unseren Maschinen können wir das schonender machen als andere.»

Waldbrände sind immer eine Gefahr

Wie wichtig diese Schneissen sind wird spätestens dann klar, wenn man sich in Erinnerung ruft, wie massiv die Waldbrände jedes Jahr in Kanada wüten. Allein in der Provinz in der die Volks wohnen brannten im letzten Jahr sage und schreibe 156‘939 Hektar Wald ab – in ganz British Columbia waren es sogar 1‘353‘864 Hektar.

So holzt die Familie Volk seit Oktober letzten Jahres in diesem Park. Bis es jedoch soweit war, mussten enorm strenge Auflagen erfüllt werden. So durften die Maschinen, Waldmaschinen die in unwegsamen Gelände, Erde und Schlamm unterwegs sind, bei der Ankunft im Park nur insgesamt «one teaspoon» Dreck vorweisen. Ein Teelöffel auf Maschinen, die teilweise über 20 Tonnen wiegen – das bedeutete putzen, schrubben und wischen. «Hätte man mehr Dreck als die erlaubte Menge gefunden, hätten wir die Maschinen gar nicht abladen dürfen», so Simone Volk.

Zudem gibt es klar ausgewiesene Orte, wo die Firma ihre Maschinen betanken durfte. An oberster Stelle steht hier nicht die Holzgewinnung, sondern, dass auf ökologische Weise ein Schutz für Jasper geschaffen wird.

Aber nicht nur die strengen Auflagen machten den Volks das Arbeiten im Jasper Nationalpark schwer. Der kanadische Winter zeigte sich ebenso von seiner unerbitterlichen Seite und bescherte der Mitarbeitern rund um Chef Christian Volk Temperaturen, die an den Polarkreis erinnern. So fiel das Thermometer auf – 38 Grad Celsius, mit Windböen sogar auf unglaubliche -45 Grad.

«Bei solchen Temperaturen springen unsere Maschinen nicht mehr an», weiss Simone Volk aus Erfahrung. Ausserdem war das Risiko, dass die teuren Gerätschaften durch die Kälte beschädigt werden zu hoch, so dass sie teilweise ihre Arbeit für eine Woche unterbrechen mussten. Mittlerweile können sie aber wieder holzen: «Wir haben jetzt angenehme -25 Grad», lacht Simone Volk.

Im Auftrag der Queen unterwegs

Ein Kuriosum, welches ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf: Die Volks arbeiten derzeit in gewisser Weise für Queen Elizabeth II.. Ihr Arbeitsvertrag im Jaspers Nationalpark ist auf «her royal majesty» ausgestellt. Der Grund: Was laut Statistik selbst in Kanada nur knapp fünf Prozent der Bevölkerung wissen: Offizielles Staatsoberhaupt des Landes ist die Queen. So werden auch alle Gesetze in Kanada mit den Worten «Ihre Majestät erlässt deshalb nun Folgendes im Namen und mit dem Einverständnis des Senats und des Unterhauses von Kanada» eingeleitet.

Genaugenommen die «Chefin» der Volks: Queen Elizabeth II.. Bild: Key

Ob diese mit der Arbeit die die Volks und ihre sieben Mitarbeiter leisten zufrieden ist, kann man natürlich nicht sagen. Ihr letzter Staatsbesuch liegt mittlerweile neun Jahre zurück. Damals war sie an der Westküste, also knapp 4000 Kilometer entfernt vom Jaspers Nationalpark.

Wahrscheinlich wäre ihre Majestät aber «amused», wenn sie wüsste, was für eine wichtige Arbeit die Volks dort leisten.

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