Von Feuerthalen in die Arktis

Autor
Alexa Scherrer

Es wäre ein cooler Ferienjob - im wahrsten Sinne des Wortes. Der 17-jährige Manuel Mora will Teil einer Arktis-Expedition werden und sich dort mit den Spuren des Klimawandels befassen.

Die Arktis: Raues Klima, wenig Zivilisation, viel Eis und Schnee - noch. Bild: Pixabay

Oftmals ist es nur ein Gerücht - aber eines, das sich hartnäckig von Generation zu Generation hält: Jugendliche sind nicht am gesellschaftlichen Leben interessiert, wissen wenig bis nichts von Politik und Wirtschaft und insbesondere die Digital Natives beschäftigen sich sowieso mit nichts ausser ihrem Handy. Statt Freunde im richtigen Leben zu treffen, setzen sie lieber auf digitalen Austausch - und das höchste der Gefühle der sozialen Interaktion ist der Online-Player-Modus eines Spiels auf der Playstation. 

Dann gibt es ein zweites Gerücht, das sich ebenso hartnäckig hält: In der Schule lernt man nur Dinge, die keinen Einfluss auf das richtige Leben ausserhalb des Klassenzimmers hat. Manuel Mora aus Feuerthalen straft beide diese Gerüchte Lügen. Der 17-jährige Detailhandelsfachmann im zweiten Lehrjahr hat sich als Vorbereitung auf eine grössere schriftliche Arbeit in der Schule mit den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. Dabei geht er aber über eine theoretische Annäherung hinaus - er will auch selber aktiv werden.

«Ich esse jetzt weniger Fleisch»

Das Swiss Arctic Project zieht mit fünf Schweizer Schülern und Studenten diesen Sommer für drei Wochen in die Arktis, führt Interviews mit Forschern und macht sich vor Ort ein eigenes Bild davon, wie sich der Klimawandel in dieser Region bereits zeigt. Wer am Projekt mitmachen kann, wird per Wettbewerb bestimmt. Wer es unter die besten zehn schafft, muss in Zürich zu einem Casting antraben und wird dort von der Jury ausgewählt - oder wieder nach Hause geschickt. «Ich bin derzeit auf Platz 12 - aber ich lasse den Kopf noch nicht hängen», sagt Manuel Mora im Gespräch mit den SN. «Wenn wird beim Klimawandel auch sagen würden, dass sowieso schon alles verloren ist - erst dann wären wir wirklich verloren.»

Aufgrund des Wettbewerbs hat sich Mora eingehender damit befasst, wie er auch im Alltag etwas für die Umwelt tun kann. «Ich habe zu Hause zum Beispiel gesagt, dass ich jetzt weniger Fleisch essen will.» Zudem schauen er und seine Mutter daheim jetzt vermehrt darauf, weniger Strom zu verbrauchen. «Und wenn wir einkaufen, verzichten wir auf jeden Fall aus Plastiksäckli», sagt Mora. 

Die Lehre absolviert er in der Autobranche - hat er nur kein schnelles Auto in der Garage, weil er es gar noch nicht fahren dürfte mit 17 Jahren oder steckt mehr dahinter? «Ich brauche sicher kein Protzer-Auto», sagt der Feuerthaler. Wenn es finanziell drinliege, werde er sich wohl später ein Elektroauto anschaffen. Bis dahin geht er zu Fuss zur Arbeit oder fährt mit dem Velo oder dem öffentlichen Verkehr. «Es ist schon schockierend, wenn man sieht, wie viel Abgas Autos mit normalen Verbrennungsmotoren absondern», sagt Mora.

«Ich weiss, wofür ich es mache»

In der Arktis war Mora bis jetzt noch nie, noch nicht einmal im Norden in den Ferien. Aber er ist gerne in den Schweizer Bergen unterwegs, mag sowohl Schnee als auch Kälte. Raues Klima, kaum Zivilisation, Tausende Kilometer von Zuhause weg - genau das reizt Mora. «Ich müsste dann auch nicht ständig aufs Handy schauen, das stelle ich mir befreiend vor», so Mora.

Egal ob er beim Projekt-Wettbewerb Erfolg haben wird oder nicht, beim Thema Umweltschutz will er dranbleiben. «Ich weiss, wofür ich es mache», sagt er. Er, der Digital Native, der sich laut Gerüchte-Statistik nicht für das Weltgeschehen interessiert und in der Schule nichts lernt, was seinen Alltag beeinflusst.

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