Die ersten Lebenszeichen unserer Bibeli

Autor
Manuel von Burg

Seit elf Tagen brüten unsere Eier bereits in den Redaktionsräumen der Schaffhauser Nachrichten. Regt sich in ihnen aber auch Leben? Wir haben sie durchleuchtet.

Schlüpfen auch aus unseren Eiern Küken? Wir haben sie durchleuchtet und Erstaunliches festgestellt. Symbolbild Pixabay

Vom Ei zum Küken: Wir haben seit elf Tagen einen Brutkasten in den Räumen unserer Redaktion. Zehn Eier werden pro Tag mehrmals automatisch gewendet, die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit werden konstant auf gleichem Level gehalten. So enstehen ideale Bedingungen, um unseren Küken ein optimales Umfeld für ihre Entwicklung zu bieten.

Das Leben im Ei

In elf Tagen tut sich innerhalb des Eis viel. Die ersten Entwicklungen des Embryos finden übrigens schon statt, wenn das Ei noch im Mutterleib verweilt. Die Zellteilungen erfolgen schon kurze Zeit nach der Befruchtung durch einen Hahn. Wird das Ei schliesslich gelegt, kommt es zu einem interessanten Phänomen: Ein Temperatursturz von 42 auf ca. 27 Grad Aussentemperatur führt dazu, dass die Entwicklung des Embryos für kurze Zeit «angehalten» wird. Der Embryo tritt sozusagen in eine Ruhephase ein. Wenn das Ei dann in den Brutapparat gelegt - oder von der Glucke bebrütet - wird, entwickelt sich der Embryo weiter. Bereits nach 24 Stunden ist das Herz des Kükens, wenn auch in sehr primitiver Form, vorhanden. Danach beginnen sich Blutgefässe zu entwickeln, bereits ab Tag vier nehmen Augen, Füsse und Flügel ihre Form an. Eine Woche nach Beginn der embryonalen Entwicklung sind alle lebenswichtigen Organe voll entwickelt. 

Sind unsere Eier befruchtet?

Wie sieht es bei unseren Eiern aus? Um herauszufinden, ob sich in unserem Brutkasten wirklich auch Küken entwickeln, muss festgestellt werden, ob die Eier befruchtet wurden oder nicht. «Schieren» nennt man diese Technik, bei der das Ei mit einer Schierlampe durchleuchtet wird. Bei unserem Brutapparat ist sie im Deckel integriert. Das sieht dann so aus:

Feinste Äderchen geben einen Hinweis darauf, dass sich das Küken entwickelt hat. Bild: Manuel von Burg

Das Faszienierende am «Schieren» ist, dass man dem Embryo sozusagen live dabei zusehen kann, wie er sich entwickelt. Die Augen sind bereits in zu erkennen, ebenfalls bewegt sich der Bibeli-Embryo von Zeit zu Zeit, wie auf dem folgenden Video zu sehen ist:

Nach und nach haben wir sämtliche Eier durchleuchtet und stellten überrascht fest: In neun von zehn Eiern regt sich Leben. Nur ein Ei scheint nicht befruchtet zu sein, wir können weder Äderchen noch einen lebendigen Embryo darin erkennen: 

Kein Leben rührt sich in diesem Ei. Bild: Manuel von Burg

In etwa zehn Tagen könnte es dann soweit sein: Unsere letzten Küken sollten sich bis dahin durch die Eierschale ins Freie gekämpft haben. Bis dahin passiert innerhalb des Eis aber noch viel: Die Entwicklung der Augen ist am 12. Tag vollständig abgeschlossen, zudem bildet sich ab dem 14. Tag der Schnabel. Ab dem 18. Tag muss die Luftfeuchtigkeit im Brukasten auf 70 Prozent erhöht werden, denn ab dem 19. und 20. Tag bewegen sich die Küken sehr lebhaft. Erstaunlich ist, dass die Küken bereits miteinander kommunizieren, wenn sie noch im Ei sind: Stunden vor dem Schlüpfen kann man aus den Eiern ein leises Piepsen vernehmen. Man geht davon aus, dass sich die Küken so untereinander verständigen, damit sie gemeinsam schlüpfen können.

Am 21. Tag beginnen die meisten Küken mit dem Anpicken der Eierschale. Dieser Kampf kann mitunter bis zu 24 Stunden dauern. Wenn das Küken sich nicht aus eigener Kraft aus der Schale befreien kann, sollte man aber nicht nachhelfen: Küken, die nicht selbst aus den Eiern schlüpfen, sind meistens nicht überlebensfähig. Wenn ihnen nachgeholfen wird, kann es sein, dass sie nach ein, zwei Tagen dennoch sterben. Sind die Küken erfolgreich geschlüpft, kommen sie in ein Gehege, das mit Holzspähen, Nahrung und Wasser gefüllt ist. 

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wir werden Sie aber ab dem 18. Tag stetig auf dem Laufenden halten. Wie das ganze Projekt ins Rollen geraten ist, können Sie hier nochmals nachlesen. 

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