Stefan Buck von Hecht: «Oasis haben uns extrem geprägt»

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Schaffhauser N…

Hecht touren mit ihrer neuen CD durch die Schweiz und spielen in ausverkauften Hallen. So auch am Samstag in der Kammgarn. Ein Interview mit Sänger Stefan Buck.

Sonnen sich gerade im Erfolg: die Luzerner Band Hecht mit Frontman Stefan Buck (Mitte). Bild: ZVG/Tabea Hüberli

von Reinhold Hönle

Die Luzerner Band Hecht holte mit der Tournee zu ihrer letzten CD «Adam + Eva» den Swiss Music Award als bester Liveact. Die Songs auf dem dritten Album «Oh Boy» sind noch eingängiger. Sänger und Songwriter Stefan Buck erklärt, wo er seine Inspirationen findet.

Haben Sie schon mal etwas erlebt und sich danach wie neugeboren gefühlt?

Stefan Buck: Nein, ich habe noch nie eine Nahtoderfahrung oder etwas Ähnliches gemacht. Ich wollte mit dem Lied «Erschti Tag vo dim Läbe» ausdrücken, dass ich mich oft im Alltagstrott gefangen fühle. Mehr nach vorn zu schauen statt Vergangenem nachzutrauern, bedeutet mehr Freiheit. Und wenn ich auf der Bühne stehe und wir Musik machen, lebe ich sogar ganz im Moment.

Was hat der Swiss Music Award für Hecht als besten Liveact 2017 verändert?

Es war eine besonders schöne Be­stätigung, weil für uns das Livespielen die Paradedisziplin ist. Dort sind wir eine Einheit und haben auch am meisten Spass. In unseren Köpfen hat das nicht wirklich etwas verändert, da wir bei den Konzerten schon vorher immer alles gegeben haben – und es auch weiter tun. Bei den Festivals können wir vielleicht zu einer besseren Zeit spielen, weil irgendwie schon klar ist, dass wir live nicht schlecht sind ...

Was ist in der Laudatio hervorgehoben worden?

Wenn ich mich recht erinnere, war die nicht wahnsinnig lang, zumal die Nominierung von den Veranstaltern kam und das Publikum gewählt hat. Wir hören aber sehr oft, dass Hecht eine der wenigen Bands ist, die noch eine richtige Band sind.

Wie meinen Sie das?

Buck: Es ist wirklich kein Klischee: Wir ­haben nicht nur auf der Bühne eine gute Stimmung und nicht nur dort sehr viel Energie. Viele andere Bands in der ­Schweizer Musikszene bestehen im Grunde nur noch aus einem Einzelkünstler und Musikern, die im Hintergrund arbeiten. Bei uns repräsentieren fünf Leute die Band – und ich denke, das spüren unsere Fans.

Wie zeigt sich ihre Begeisterung?

Das Extremste und für mich auch Schönste ist, dass sie den Text auswendig und aus vollem Hals mitsingen. Und die Leute singen dann nicht nur hier und da eine Textzeile mit, sondern den Song von A bis Z. Da merkt man, dass wir in der Muttersprache des Publikums singen und sich daraus eine besondere Emotionalität und Nähe ergibt.

Welches waren die bisher grössten Kicks und Missgeschicke in Ihrer Karriere?

Ich habe sicher schon mal den falschen Ort gesagt. Stagediving habe ich schon versucht – es hat einigermassen funktioniert … Den grössten Kick erlebten wir 2016 auf der Waldbühne am Gurtenfestival. Alles war voll, und alle waren begeistert. Irgendwie trägt uns seither eine Magie, die alles wie von selbst vorantreibt. Das Lustige an diesem Konzert war, dass ich so von der Stimmung gefesselt war, dass ich mindestens 30 Sekunden lang keinen Ton herausbrachte und sogar eine Strophe vergass! (lacht)

Welche Künstler haben Sie als Fan ­beeindruckt?

Für mich sowie unseren Gitarristen und Schlagzeuger waren es sicher Oasis, die uns extrem geprägt haben. Mit dieser Band sind wir aufgewachsen, und wegen ihr haben wir begonnen, Musik zu machen. Mit 17 flogen wir mal nach London an ein Konzert und erlebten, wie die englischen Fans jedes Lied mitsangen.

Hecht stammen aus Hochdorf, aber alle Bandmitglieder leben nun in Zürich. Stört es Sie, wenn Sie nun oft als Zürcher Band bezeichnet werden?

Das ist eine extrem schweizerische Frage, denn in 40 Minuten käme man mit dem Auto nicht einmal durch halb Los Angeles. Aber im Herzen bin ich ganz klar Luzerner! Weil ich im Seetal aufgewachsen und dort in die Kanti gegangen bin und natürlich wegen des Dialekts. Ich bin zwar überhaupt kein Zürcher, aber ich wohne schon lange in Albisrieden und fühle mich dort sehr wohl. Ausserdem haben wir inzwischen zwei sensationelle Musiker aus Zürich in der Band!

Heisst Ihre Band eigentlich wie ein ­aggressiver Raubfisch, weil sie so erfolgshungrig ist?

Nein, auf die Idee kamen wir, weil uns ein sehr guter Freund jedes Jahr zum Hechtessen eingeladen hat, und wir fanden, dass es ein schöner Fisch ist.

Weshalb haben Sie sich für Thomas ­Fessler als Produzenten entschieden?

Das erste Kriterium war, dass es jemand sein muss, der sein Studio in Zürich hat, da wir nicht monatelang pendeln wollten. Und mit Thomas haben wir uns von Anfang an verstanden, schon bei der letzten Platte. Natürlich ist er auch ein toller Musiker und Produzent, aber wir sind eine Band, die ziemlich genau weiss, was sie will. Wir schreiben alles selber, und er vollendet es.

Ist die Single «Kawasaki» ein solcher ­Ohrwurm, weil es eine Liebeserklärung an Ihre Frau ist?

Das ist immer extrem schwierig zu erklären. Sonst könnte man die Hitwerdung ja beeinflussen. Auf jeden Fall polarisiert der Song. Das eine Lager findet, der Text ginge gar nicht. Die anderen verstehen, dass ich nicht lebensmüde bin, sondern nur möchte, dass Julia auf meinem Grabstein stehen würde, falls mir etwas passiert, weil ich meine Frau so liebe. Ich ­beschreibe also meine Gefühle sehr authentisch.

Fahren Sie auch Kawasaki?

Nein, ich bin überhaupt kein Töfffahrer. Ich habe diese Marke gewählt, weil Worte ja nicht nur aus ihrem Sinn, son-dern auch aus dem Wortlaut bestehen. Ich fand, dass Kawasaki ein starkes erstes Bild schafft, das jedem klarmacht, wie schnell es alles gehen kann, und der Reim mit Paparazzi dem Song die richtigen Kanten gibt.

Wie hat sich die Zürcher Hardbrücke die humorvolle punkrockige Hommage «Sonesweichshärz» verdient?

Wenn ich von einer Reise oder dem Ausgang kommend auf der Hardbrücke stehe und auf die vielen Geleise schaue, denke ich: Jetzt bin ich wieder zu Hause! Für ein Landei wie mich symbolisiert sie schon einen Hauch von Grossstadt. Deshalb fand ich, ich könnte sie mal besingen.

 

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