Ein Rockkonzert mit Erholungspause

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Schaffhauser N…

Sphärische Gitarrenklänge gab die britische Band Barclay James Harvest zum Besten und überzeugte die ausverkaufte Kammgarn.

von Ronja Bollinger

Eine lange Schlange steht vor der Kammgarn. Alle warten ungeduldig auf den Einlass. Drinnen füllt sich die  ausverkaufte Konzerthalle immer mehr. Stimmengewirr dringt durch den grossen Raum. Der Platz vor der Bühne wird immer enger. Dabei fällt auf, dass der Altersdurchschnitt verhältnismässig hoch ist an diesem Abend. Erwartet wird nämlich: Barclay James Harvest. Genauer gesagt, Barclay James Harvest mit Les Holroyd. Denn nach einem Streit zwischen den Gründungsmitgliedern John Lees und Les Holroyd hat sich die britische Band 1998 aufgesplittet und ist seither in zwei verschiedenen Formationen unterwegs.

Kurz nach halb neun am Mittwochabend wurden die Wartenden endlich erlöst, und die fünfköpfige Band betrat unter lautem Applaus gemächlich die Bühne. Ohne ein Wort zu sagen ergriffen die Musiker ihre Instrumente und legten sofort los. Sphärische Gitarrenklänge und die sanfte Stimme von Les Holroyd erfüllten den Raum. Dabei merkte man, dass das Alter nicht spurlos an Holroyds Stimme vorbeigegangen ist und diese nicht mehr so voll klang wie früher. Seine Bassgitarre hatte er aber nach 50 Jahren Bühnenerfahrung noch bestens im Griff. Auch die Frisur sitzt noch wie in den Anfangsjahren, allerdings strahlt der Lockenkopf nun in weiss. Auch an diesem Abend gab die Band ihren orchestral geprägten Rock zum Besten, mit welchem sie in den Siebzigerjahren bekannt wurden.

Nach zwei gespielten Songs richtete Les Holroyd erstmals das Wort an das Publikum und kündete an, dass die Band sowohl alte, neue und auch uralte Songs spielen werde. So spielte die Band zu Beginn vor allem neue Songs. Erst bei ihrem bekannten Hit «Mockingbird» von 1968 taute das Publikum richtig auf und überhäufte die Band mit Applaus. Nach rund eineinhalb Stunden ununterbrochener Musik legte die Band eine fünfzehnminütige Pause ein. Was etwas ungewöhnlich schien für ein Rockkonzert, war sowohl für die Musiker als auch das Publikum ganz praktisch: Die etwas in die Jahre gekommenen Bandmitglieder konnten sich erholen und die Zuhörer konnten sich an der Bar eine Erfrischung holen.

Die kurze Pause schien den Musikern gut getan zu haben, denn die Stücke wurden danach etwas rockiger und lebendiger. Auch wenn die Bühnenperformance nicht vergleichbar war mit einem herumhüpfenden Mick Jagger, schaffte es die Band dennoch, das Publikum mitzureissen. Ihre Songs waren gespickt von langen Instrumentalteilen, während welchen die Musiker zeigten, wie gut sie ihre Instrumente im Griff haben. Während des zweiten Teiles spielten sie dann vor allem bekanntere Melodien, was der Stimmung des Publikums sehr gut tat. Als die Band gegen Schluss ihren Hit «Hymn» aus dem Jahre 1977 anstimmten, wurde Les Holroyds Gesang fast überflüssig. Denn das Publikum konnte den Songtext mühelos auswendig mitsingen. Nach diesem Höhepunkt des Abends wollte sich die Band verabschieden, aber unter lautem Jubel kehrte die Band doch noch für eine Zugabe zurück. Zur Freude der Fans beendeten sie ihr Konzert mit dem Klassiker «Life Is for Living».

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