Kaum Lehrstellen, kaum passende Lehrinhalte, kaum Bierbrauer

Autor
Ralph Denzel

Die Brauerei Falken steht gut da, zumindest was das Besetzen von Lehrstellen angeht. Trotzdem: Der Fachkräftemangel schlägt sich auch dort nieder – und ist teilweise hausgemacht.

Es gibt immer weniger junge Leute, die beruflich Bier brauen wollen. Bild: Pixabay

Die Falkenbrauerei in Schaffhausen füllt täglich knapp 26‘000 Flaschen Bier pro Stunde ab – eine stattliche Summe, für die viele Hände notwendig sind. Betrachtet man jedoch die Situation am Arbeitsmarkt merkt man schnell, dass Brauereien ein Problem haben. Wie in vielen anderen Branchen fehlen auch in der Bierproduktion Fachkräfte.

Drei Lehrstellen in der gesamten Schweiz

Ein grosses Problem ist die Verfügbarkeit von Lehrstellen. Trotz knapp 1000 Brauereien in der Schweiz gibt es aktuell gerademal drei Lehrstellen für Leute, die das Bierbrauen lernen wollen. Zwei gibt es bei der «Feldschlösschen Supply Company AG» in Rheinfelden, die andere bei der «Ramseier Suisse AG» in Luzern. Wer in Schaffhausen bei der Falkenbrauerei den Beruf Lebensmitteltechnologe Schwerpunkt Bier, so die offizielle Berufsbezeichnung, lernen will, schaut in die Röhre. Die Brauerei bietet im Moment keine Lehrstellen an.

Dies sei dieses Jahr ganz bewusst so entschieden worden, erklärt Rachel Ott, Leiterin Personelles und Finanzen bei der Brauerei. Aktuell sind drei Lehrlinge, eine Frau und zwei Männer, im Betrieb angestellt. Rachel Ott weiss jedoch auch: «Die Nachfrage nach diesem Beruf ist in der Regel nicht sehr gross.»

Braumeister gibt es in der Schweiz nicht

Problematisch ist jedoch laut der Personalverantwortlichen noch etwas anderes: «Bierbrauer beziehungsweise Braumeister zu finden ist um einiges schwieriger.»  Will ein Bierbrauer, beziehungsweise ein Lebensmitteltechnologe mit Fachrichtung Bier, Braumeister werden, muss die Brauerei für mindestens ein Jahr auf diesen Angestellten verzichten.

Der Grund: In der Schweiz existiert der Beruf Braumeister nicht. «Wir haben jetzt zwei Bierbrauer eingestellt. Einen davon mussten wir für ein Jahr nach Deutschland schicken, damit er dort Braumeister werden kann», so Rachel Ott. Das bedeutet für das Unternehmen einerseits den Ausfall einer 100-%-Stelle und zusätzliche Kosten. «Auch wenn wir Glück haben und derzeit genug Personal zur Verfügung steht, so merken wir doch, dass der Fachkräftemangel sich auch bei uns bemerkbar macht», sagt Rachel Ott.

Grenznähe als Segen

Ein Vorteil ist in diesem Fall für die Falken AG die Grenznähe: «Wir profitieren sehr von unserer Lage und bekommen oft Bewerbungen aus dem süddeutschen Raum.» Dort ist vor allem Rothaus eine grosse Marke und das Bierbrauen teils stark in der Kultur verankert. Ausserdem locken natürlich auch die Gehälter: Ein Lebensmitteltechnologe Fachrichtung Bier kann in der Schweiz mit mindestens 4500 Franken rechnen – in Deutschland hingegen mit 2700 und 3100 Euro, was in etwa 3000 beziehungsweise 3500 Franken entspricht.

Lehre zusammen mit Chocolatiers

Lebensmitteltechnologe mit Fachrichtung Bier: Ob das vermeintlich abnehmende Interesse auch an der Berufsbezeichnung liegt, ist nicht klar. Bis 2002 konnte man in der Schweiz noch den Beruf des Brauers erlernen, wie uns Maximilian Lechner, Brauführer in der Brauerei Falken, erklärt. «Dann wurde daraus der Lebensmitteltechnologe», erinnert er sich. «Dieser Beruf ist einfach noch nicht so in aller Munde», sagt Rachel Ott dazu. Maximilian Illi, frisch ausgelernter Lebensmitteltechnologe und seit kurzem bei Falken angestellt, sieht es ähnlich: «Den Beruf Lebensmitteltechnologe kennt man nicht so gut. Ausbildungen wie eine KV-Lehre, ein Handwerk oder im Detailhandel sind da präsenter in den Köpfen.»

Auch die Lehrinhalte können vielleicht auf den einen oder anderen Jugendlichen, der sich für diesen Beruf interessiert, erstmal abschreckend wirken. So stehen in der Lehre zum Lebensmitteltechnologen Lerninhalte über Hygiene ganz oben, ebenso wie Themen wie «Foodwaste» und andere Dinge, die mit dem Bierbrauen im ersten Moment weniger zu tun haben scheinen. Maximilian Illi erinnert sich: «In meiner Lehre habe ich abseits der Brauerei erst im zweiten Lehrjahr mal was über Bier gelernt.» Anders sieht das da ennet der Grenze aus.

Maximilian Lechner hatte seine Lehre in Deutschland absolviert, wie er uns in einem früheren Gespräch erklärt hatte. «Hier in der Schweiz ist die Ausbildung sehr breit gefächert, was etwas schade ist.» So würde sich in Deutschland in den ersten zwei Jahren alles nur um Bier drehen, im dritten Lehrjahr gehe es hauptsächlich um Maschinen.

«Wir haben einen Fachkräftemangel in dem Bereich»

Woher der Fachkräftemangel kommt, darüber streiten Experten schon lange. Wie sich dieser auswirkt, sieht man aber auch an der Berufsschule, die angehende Lebensmitteltechnologen im Blockunterricht besuchen müssen. So gebe es laut Rachel Ott im Bereich Bier so wenig Lehrlinge, dass diese in der Berufsschule zusammen mit den Chocolatiers die Schulbank drücken würden. 

«Unser Beruf bekommt nicht genug Aufmerksamkeit», vermutet Maximilian Illi, warum die Branche derzeit mit dem fehlenden Nachwuchs kämpfen muss. Laut dem BIZ in Schaffhausen liege es allerdings an den Unternehmen selbst, dies zu ändern. «Wir können nur darüber informieren, dass es diesen Beruf gibt.»

 

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