Sau abgewiesen? Tierklinik wehrt sich gegen Vorwürfe auf Facebook

Autor
Ralph Denzel

Dem Zentrum für Tiermedizin Klettgau wird in den sozialen Medien vorgeworfen, dass sie eine verletzte Sau abgewiesen hätten. Der Fall gestaltet sich jedoch als komplexer als es aussieht.

Das Tier fiel am Mittwoch von einem Tiertransporter. Dabei verletzte es sich so schwer, dass es eingeschläfert werden musste. Bild: SHPol

Update vom 13. September, 18.16 Uhr 

Zwei Tage nach dem Vorfall hat sich Ricky Meyer von Rescue Animals erneut über Facebook gemeldet. Er entschuldigt sich in einem Beitrag öffentlich beim Zentrum für Tiermedizin Klettgau. «Beim Einsatz betreffend des Ferkels gab es bei uns diverse Missverständnisse, welche dazu führten, dass das Zentrum für Tiermedizin Neunkirch in den sozialen Medien zu Unrecht diffamiert wurde. Dies verurteilen wir in aller Schärfe. Für den unglücklichen Vorfall übernehmen wir als Verein die volle Verantwortung.» Die ausführliche Richtigstellung gibt es hier zum Nachlesen. Wie eine Mitarbeiterin des Zentrums für Tiermedizin sagt, habe sich Ricky Meyer auch telefonisch in Neunkirch entschuldigt.

Am Mittwoch stürzte eine Sau aus einem Tiertransporter bei Neuhausen. Das Tier verletzte sich dabei massiv. Passanten bemerkten das verletzte Tier und alarmierten die Schaffhauser Polizei. Diese rückte aus und rief gleichzeitig auch den Tierrettungsverein «Animal Rescue». Dem Betriebsleiter des gemeinnützigen Vereins, Ricky Meyer, bot sich kein schöner Anblick, als er die Sau sah: «Das Tier hatte einen Trümmerbruch im Bein», so Meyer. Schnell war klar, dass es litt und Hilfe brauchte. Er fuhr mit dem Tier ins Zentrum für Tiermedizin Klettgau in Neunkirch. Was dann passierte, sorgte im Internet für reichlich Ärger. Zahlreiche wütende FB-Kommentare zeugen davon.

Kommentare im Netz über die Tierklinik. Screenshot: FB Animal Rescue Schaffhausen

Was war passiert?

Verschiedene Aussagen

Die Polizei schilderte den Ablauf wie folgt: Die Tierrettung habe vorgehabt, das Tier in das Zentrum für Tiermedizin Klettgau in Neunkirch zu bringen. Zuvor habe man Rücksprache mit dem Kantonstierarzt gehalten, der geraten habe, dass die Sau so schnell wie möglich zu einem Tierarzt müsse. Viel Hoffnung habe dieser allerdings nicht gesehen für das Tier.

Eine Mitarbeiterin der Praxis in Neunkirch erlebte den Vorfall wie folgt: «Wir haben um 11 Uhr einen Anruf von der Zentrale der Animal Rescue bekommen, ob man die verletzte Sau zu uns bringen könnte. Daraufhin haben wir gesagt, dass man das Tier besser in die Anima Praxis in Beringen bringen sollte, da diese ebenso wie wir auf Grosstiere spezialisiert ist und nur fünf Minuten von dem Unfallort entfernt ist.» Die Praxis in Neunkirch war zu diesem Zeitpunkt überlastet: Die anwesenden Ärzte waren in Behandlungen, von denen sie nicht weg konnten. «Einige waren unterwegs bei Tieren, einer hat operiert, wieder andere waren bei Patienten – und unser Wartezimmer war voll mit Notfällen.»

Davon will Ricky Meyer aber nichts wissen: «Das hat man uns so nie gesagt.» Er beharrt darauf: «Die Anima Praxis stand bei unserem Gespräch mit dem Zentrum für Tiermedizin in Neunkirch gar nicht zur Debatte.» Gleichzeitig gesteht er allerdings auch ein, dass er nicht direkt mit der Praxis gesprochen habe, sondern das über die Zentrale von Animal Rescue gelaufen sei. Ob dort der Fehler liege, wisse er nicht.

Also fuhr er mit dem Tier nach Neunkirch, wo, wie das Zentrum für Tiermedizin schon gesagt hatte, gerade kein Tierarzt verfügbar war. Ricky Meyer musste also warten.

Als ein Tierarzt dann fünf Minuten später Zeit hatte, war Ricky Meyer bereits wieder verschwunden.. Was war geschehen? Meyer wollte dem Tier schnell helfen. Daher habe er selbst in Beringen bei Anima Praxis angerufen und dort erfahren, dass die zuständige Tierärztin auf dem Weg in die Praxis sei. Daraufhin sei er gegangen, um mit der Sau dorthin zu fahren.

Eigentlich hätte die Sache hier beendet sein können. Allerdings hatten die Beteiligten nicht mit den Reaktionen auf Facebook gerechnet. «Wir waren von der Heftigkeit der Reaktionen überrascht, vor allem, da wir nichts falsch gemacht haben», sagt das Zentrum für Tiermedizin auf Anfrage. «Wir haben direkt gesagt, dass wir keine Kapazität haben.»

«Die Reaktionen tun mir leid»

«Dass die ganze Sache jetzt solche Wellen schlägt, tut mir leid», meint Ricky Meyer mit Blick auf die bösen Kommentare, die derzeit auf die Tierarztpraxis in Neunkirch einprasseln.

Über die Reaktionen sind jedoch beide Parteien nicht glücklich.

Sicher ist hingegen: Helfen können hätte man der Sau auch in Neunkirch nicht mehr. Sie musste in Beringen eingeschläfert werden. Laut Ricky Meyer wäre der Bruch nie geheilt.

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