Männerfrühschoppen: Wie wird man(n) zum unverschämt guten Liebhaber?

Autor
Theo Kübler

«Unverschämt lieben – neue Wege für den Mann» lautete das Thema der Sexologin Veronika Schmidt am Männerfrühschoppen, den Klettgauer Chrischona-Gemeinden und die FEG Wilchingen veranstalteten.

Sexologin Veronika Schmidt begeisterte am Samstagmorgen 160 Vortragsbesucher in Wilchingen. Bild: zvg

«Ghörsch, we die wüescht redt?!», würden wohl diese oder jene zu ihren Bekannten sagen, spräche Schmidt alles das, was sie am Samstag sagte, in der Öffentlichkeit aus. Damit stecken wir schon mitten in einem der Hauptprobleme unserer Gesellschaft, und bei der ersten Frage, die Markus Hallauer auf dem Podest im Saal des Wohn- und Pflegeheimes Sonnmatt in Wilchingen der Referentin stellte: «Weshalb ist es so schwierig, über Sex zu sprechen?» Die diplomierte Sozialpädagogin meinte dazu: «Weil wir das nie gelernt haben. Wir müssten dazu ein Tabu brechen, und diesbezüglich sind die christlich Erzogenen weit weg von der Natürlichkeit.» Diese Sprachlosigkeit veranlasste Schmidt seinerzeit, Soziologin zu werden. Es gab bis vor wenigen Jahren weltweit keinen einzigen eigenständigen Hochschullehrstuhl zum Thema Sexualität. Dieses war immer nur irgendwo zugeordnet. Das hat sich inzwischen geändert. «Wirtschaftlich gedacht ist das eine Marktlücke», meinte Schmidt mit fast auffordernder Stimme.

«Männer sind zu orgasmusorientiert»

Als eines der wichtigsten Probleme in der Sexualität des Mannes sieht sie, dass dieser zu sehr orgasmusorientiert ist. Er vergisst dabei die ganze Vielfalt der Sexualität. «Der Mann kommt mit dem Penis in der Hand zur Welt und lässt ihn nicht mehr los, bis er stirbt», so Schmidt. Das sei schon anatomisch völlig klar, da sich sein Geschlechtsorgan, im Unterschied zur Frau, aussen befinde. Sie würden eher abgehalten davon, sich selbst zu entdecken. Daraus entstehe ein völlig anderer Zugang zur Sexualität, und da mangele es extrem an Wissen. Bei der Frau führe der Weg zur Sexualität über die Emotionen, der Mann finde über die Sexualität zu den Emotionen, so Schmidt. Nicht zuletzt heisse es: «Die Männer wollen immer nur das eine.» Sie suchen über die Sexualität die Nähe der Frau. Diese braucht etwa 15 Minuten, bis der Schwellkörper, die Klitoris, voll erregt ist, im Gegensatz zur schnellen Erektion beim Mann.

Selbstbefriedigung als A und O

Schmidt sieht die Selbstbefriedigung als guten Lernweg für eine gute Sexualität. Dazu müssen wir die falsche Scham überwinden, verkrustete Tabus aufbrechen und offen darüber sprechen, wie sich die Erregung anfühlt, wie man sie steigern, aber auch entladen kann.

«Wenn ihr kein anderes Hobby mehr habt als Selbstbefrie­digung, würde ich diese langsam infrage stellen.»

Veronika Schmidt, Sexologin und Sozialpädagogin

Veronika Schmidts Ansicht, Selbstbefriedigung sei ein wichtiger Schritt in der sexuellen Entwicklung, wird oft angegriffen. Auf die anonyme Frage eines Anwesenden: «Wo sind denn die Grenzen der Selbstbefriedigung?», meinte die Referentin: «Wenn ihr kein anderes Hobby mehr habt als Selbstbefriedigung, würde ich diese langsam infrage stellen.» – «Für die Kirche scheint die Selbstbefriedigung schlimmer zu sein als das, was gegenwärtig an den Tag kommt an sexuellen Verfehlungen aus diesen Kreisen», meinte die Sexologin und Sozialpädagogin an anderer Stelle ihres Vortrages. Mit dem Satz aus der Bibel: «Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib», werde die ganze Fantasiewelt der Sexualität gekillt, was ein ganz wichtiger Teilaspekt des Sexuallebens sei, so Schmidt, die katholisch aufgewachsen und noch immer Kirchgängerin ist. Schliesslich erwähnte sie die Bedeutung eines gut trainierten Beckenbodens als gute Basis für guten Sex und beantwortete Besucherfragen. Im Anschluss gingen ihre Bücher weg wie warme Semmeln.

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