«Es war abzusehen»: Die Tigermücke ist in Schaffhausen angekommen

Autor
Ralph Denzel

Es war nur eine Frage der Zeit: Wie das Interkantonale Labor bestätigt, sind nun auch im Kanton Schaffhausen Tigermücken aufgetaucht. Die Experten sind alarmiert, aber nicht beunruhigt.

Eine Tigermücke, die im Kanton Schaffhausen gefunden wurde. Bild: Roman Fendt

Raubkatzen, allen voran Tiger, beissen nicht nur einmal zu. Immer und immer wieder vergraben sie ihre Zähne in ihr Opfer, bis dieses entweder verblutet oder vor Erschöpfung den Kampf aufgibt. Ähnlich verfährt auch die Tigermücke. Der kleine Plagegeist, ursprünglich aus Asien stammend, «verbeisst» sich in seine Opfer und sticht bis zu zehnmal zu. Daher hat das Tier laut Roman Fendt vom Interkantonalen Labor auch seinen Namen und nicht von den Streifen, die eher an ein Zebra denn an einen Tiger erinnern.

Schon im Juni 2018 war sich Roman Fendt sicher: «Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Tigermücke auch bei uns ankommt.» Jetzt ist es soweit – das ist aus mehreren Gründen problematisch.

Tigermücke in Thayngen und Schaffhausen

Wie das Interkantonale Labor Schaffhausen in einer Medienmitteilung am Donnerstag erklärt, gibt es nun bestätigte Nachweise dieses Tiers im Kanton Schaffhausen. Einmal wurde ein Exemplar in Thayngen am Zoll gefunden, ein weiteres im Stadtgebiet von Schaffhausen. Wie diese dorthin gekommen sind, ist nicht ganz klar, wahrscheinlich jedoch über den rollenden Verkehr. Im Tessin ist das Tier zum Beispiel schon seit dem Jahr 2003 nachgewiesen.

Problematisch ist das Auftreten des Tiers aus zweierlei Gründen: Einmal, weil die Mücke invasiv, das bedeutet, gebietsfremd, ist und so eine Gefahr für andere, hier heimische Arten sein kann. Zum zweiten ist sie aber auch ein potentieller Überträger von Krankheiten, wie etwa  dem Dengue-Virus, der das Dengue-Fieber auslösen kann. Roman Fendt beruhigt jedoch: «Um eine solche Krankheit zu übertragen, müsste die Mücke zuerst jemanden stechen, der Träger dieses Virus ist – dass ist in unseren Breitengraden eher unwahrscheinlich.»

Bevölkerung ist gefragt

Jetzt gehe es primär darum, dass man die Ausbreitung der Mücke soweit wie möglich verhindert. «Das geschieht durch Monitoring und Aufklärung der Bevölkerung», erklärt Fendt. Die Mücken würden ihre Eier meistens in Kleinstreservoiren ablegen. Darunter fallen kleine Pfützen in Pflanzenkübeln oder einer nicht ganz leeren Giesskanne. «Wichtig ist, dass man solche Wasserrückstände regelmässig, das bedeutet einmal pro Woche, beseitigt», rät Fendt. Der Larvenzyklus des Tieres beträgt ungefähr eine Woche, daher könne man so am effektivsten dagegen vorgehen.

Allerdings kann sich das Tier auch an Orten einnisten, die nicht so leicht zugänglich sind. Darunter fallen Gullis, Dachrinnen und Wasserabläufe an Häusern. Laut Roman Fendt setze man dort Larvizide ein, die die Larven töten.

Das ist allerdings ein Spiel mit dem Feuer, wie Petra Bachmann, Ressortleiterin Naturschutz beim Kanton Schaffhausen, in einem früheren Gespräch gegenüber shn.ch sagte, da sich das auch auf die einheimischen Mücken auswirken kann: «Fallen die Mücken weg, verlieren ganz viele andere Tiere eine wichtige Nahrungsquelle – mit unabsehbaren Folgen.»

Roman Fendt argumentiert anders: «Die Tiere leben in Kleinstreservoiren. Selbst wenn wir dabei auch die reguläre Mückenpopulation angreifen, wird das dieser kaum schaden, weil wir nicht flächendeckend bekämpfen.» so könne man Mücken nie eliminieren, sondern höchstens ihre Dichte reduzieren.

Das sei aber notwendig, vor allem bei der Tigermücke. «Die Population muss streng überwacht werden und so klein wie möglich gehalten werden», sagt Fendt. Auch wenn es bisher nur Einzelfälle seien: Eine Verbreitung wolle man vermeiden.

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