Nach Hausdurchsuchung: Angebliche Ärztin im Chläggi festgenommen

Autor
Alexa Scherrer

Urkundenfälschung und Betrug im grossen Stil wird einer Schaffhauserin vorgeworfen. Auch die Spitäler Schaffhausen haben Anzeige erstattet. Heute Nachmittag nahm sich die Polizei dem Fall an.

Am Donnerstagnachmittag wurde die falsche Ärztin von der Polizei mitgenommen. Symbolbild: Pixabay

Weiterentwicklung im angeblichen Betrugsfall um eine Schaffhauserin, die als falsche Ärztin mehrere Opfer um unterschiedlich hohe Geldsummen betrogen haben soll. Einer davon ist Anton K..* 212'000 Franken soll ihm die 36-jährige insgesamt aus den Rippen geleiert haben. Gemäss «20 Minuten» hat sie ihm vorgelogen, zusammen mit einem Kollegen eine Praxis im Kanton Zürich zu führen und dringend Geld für Medikamente benötige. Auch gegenüber shn.ch erzählt K., dass seine Nachbarin ihn und seine Frau eines Morgens um 40'000 Franken gebeten habe. Das Paar habe nicht daran gezweifelt, dass die 36-Jährige das Geld wie versprochen innert weniger Monate zurückbezahlen könne und werde.

«Sie war ja Ärztin, war oft mit Aktenkoffer zu sehen, und sie konnte ein Vermögen vorweisen.» Bezahlt hat sie aber nie. Einmal soll ihr Praxis-Partner schuld gewesen sein, der die Löhne nicht mehr ausbezahlen konnte, ein anderes Mal seien es Kosovaren wegen Schulden ihres spielsüchtigen Ex-Mannes gewesen, die sie erpressten und die sie bezahlen müsse, bevor sie Anton K. und seiner Frau ihr Geld zurückgeben könne.

«Ärztin» zu Hause festgenommen

Insgesamt hat es die Frau geschafft, dass ihr K. seit dem ersten Darlehen Ende 2017 insgesamt über 200'000 Franken überwiesen habe. Zurückbekommen hat er bis jetzt keinen Rappen. Er habe seine Nachbarin betrieben, sagt er gegenüber shn.ch. Sie habe Rechtsvorschlag erhoben - das Verfahren sei am Laufen. Im März 2019 hat K. zudem Anzeige wegen Urkundenfälschung und gewerbsmässigem Betrug eingereicht. Die Schaffhauser Polizei bestätigt auf Anfrage von shn.ch, dass in diesem Fall eine Anzeige eingegangen sei. Mehr sagt sie «aus ermittlungstaktischen Gründen» nicht dazu.

Am heutigen Donnerstagnachmittag steht die Polizei bei der Beschuldigten vor der Haustüre in einer Klettgauer Gemeinde. Polizeisprecher Patrick Caprez bestätigt den Einsatz um 14 Uhr. Worum es genau geht, sagt er nicht. Gut eine Stunde später haben die Polizisten die 36-Jährige festgenommen. Der Schaffhauser Staatsanwalt Andres Zuber bestätigt zudem, dass vorgängig eine Hausdurchsuchung stattgefunden hat. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Der «Vertrag» umfasst 14 Seiten.

Was ist in den vergangenen knapp anderthalb Jahren passiert und warum wurden Anton K. und seine Frau nie misstrauisch? Einerseits habe sie immer wieder mit plausiblen Erklärungen und glaubhaften Ausflüchten aufgewartet. Zudem gibt es Dokumente, welche auch shn.ch vorliegen. Einen Promotionsausweis der Universität Zürich oder Vermögensurkunden von Banken etwa - und auch einen Arbeitsvertrag, Schichtpläne und Lohnausweise vom Kantonsspital Schaffhausen. Laut «20 Minuten» sind diese Dokumente alle gefälscht. Die Sprecherin der Spitäler Schaffhausen sagt auf Anfrage von shn.ch heute, dass vor einem Monat Anzeige eingereicht wurde - gegen Unbekannt. Die Dokumente, die angeblich von den Spitälern Schaffhausen stammen, seien bekannt. «Sie sind gefälscht», bestätigt Mediensprecherin Lisa Dätwyler. Die besagte Person sei nie bei den Spitälern Schaffhausen angestellt gewesen. 

Auch die passende Notarzt-Kleidung hatte die Schaffhauserin.

Anton K. und seine Frau sollen nicht die einzigen gewesen sein, die von der angeblichen Ärztin abgezockt worden sind. Anton K. erwähnt im Gespräch mit shn.ch verschiedene weitere Opfer. Einige davon bestätigen gegenüber «20 Minuten», dass die 36-Jährige ihnen Geld schulde. 

*Name von der Redaktion geändert

Berufsregister für Ärzte

Im Medizinalregister des Bundes sind alle Ärzte mit Zulassung eingetragen. Der Name der Beschuldigten ist darin nicht vermerkt. 

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