So entsorgt man in der Region

Autor
Enea Mascherin

Die Gebühren für die Entsorgung eines 35-Liter- ­Müllsacks unterscheiden sich in der Region stark. Wo man am meisten zahlt und wo es wie viele Abfallsammelstellen gibt, erfahren Sie hier.

Wie man Müll wo entsorgen kann und was das kostet. Bild: Pixabay

Über 700 Kilogramm Siedlungsmüll (brennbare und separat gesammelte Abfälle aus Haushalten und Unternehmen mit weniger als 250 Vollzeitstellen) pro Kopf fallen in der Schweiz jährlich an. Dies entspricht ungefähr 140 35-Liter-Müllsäcken pro Person und Jahr.

Auch wenn man bei Abfall nicht direkt an etwas Teures denkt, kosten Entsorgung und die entsprechende Infrastruktur laut dem Bundesamt für Umwelt gut 3 Milliarden Franken im Jahr. Die meisten Schweizer Haushalte tragen eine Grundgebühr, die unabhängig von der Menge des produzierten Abfalls bezahlt werden muss. In der Stadt Schaffhausen liegt diese bei mindestens 40 Franken im Jahr.

Wer Abfall macht, der zahlt

In der Schweiz gilt das Verursacherprinzip: Wer Abfälle produziert, muss für ihre Beseitigung bezahlen. Da kommen die Gebühren für Säcke oder Marken ins Spiel. In unserer Region haben alle Gemeinden eine solche Sack- oder Markengebühr erhoben, wobei die Preise stark variieren (Siehe Tabelle rechts).

Mit 3.50 Franken zahlt man in Neunkirch den höchsten Preis. Dafür wird dort keine Grundgebühr erhoben. In 11 Zürcher Gemeinden der Region liegt die Gebühr bei 1.30 Franken, dem tiefsten Wert. Doch wieso sind die Höhen der Gebühren so unterschiedlich? Es ist Aufgabe der Gemeinden, ihre Gebühren so zu setzen, dass die Entsorgungskosten gedeckt werden. Laut dem Volkswirtschaftsreferenten von Neunkirch, Hans Peter Steinegger, gehe die Rechnung in Neunkirch gerade auf. «Das Problem, dass Leute aufgrund der preiswerteren Gebührenmarke ihren Kehricht in ­anderen Gemeinden entsorgen, kennen wir nicht», so Steinegger. Auch in der Gemeinde Laufen-Uhwiesen (1.30 Franken pro Sack) seien die Kosten laut Gemeinderätin Liliane Landucci gedeckt. «Die Grundgebühr musste jedoch im letzten Jahr auf 120 Franken für einen Ein-Personen-Haushalt erhöht werden», so Landucci.

 

Nachgefragt: In Reparierbares investieren und nicht allen Trends folgen

Im Gespräch erklärt Niccolò Gaido, Fachbereichsleiter Abfall und Lärm vom interkantonalen Labor, wieso die Gebühren in den Gemeinden so unterschiedlich sind und inwiefern sie die Abfallproduktion beeinflussen.

Niccolò Gaido, Fachbereichsleiter Abfall und Lärm. Er studierte Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich. Seit dem Jahr 2008 ist Niccolò Gaido Fachbereichsleiter Abfall und Lärm beim interkantonalen Labor Schaffhausen.

Herr Gaido, in der Schweiz produziert jede Person durchschnittlich mehr als 700 kg Abfall im Jahr. Wo liegt Schaffhausen?

Niccolò Gaido: Schaffhausen liegt vermutlich auch etwa in diesem ­Bereich. Das interkantonale Labor erhebt diese Zahlen jedoch nicht. Die Abfälle werden über die Gemeinden und von private Unternehmen entsorgt. Was von den Entsorgungsunternehmen angenommen wird, muss nicht unbedingt aus dem Kanton stammen. Dies macht eine genaue Aussage schwierig.

Soll man alles recyceln?

Recycling ist ein wichtiges Stichwort in der Abfallwirtschaft. Es ist jedoch nicht möglich, alles zu ­recyceln. Gerade das Beispiel des Kunststoffs zeigt dies. Verpackungen aus Kunststoff lassen sich nicht so einfach wiederverwerten wie beispielsweise PET, da sie oft aus verschiedenen Kunststoffen bestehen. So landet vieles schlussendlich doch beim brennbaren Müll.

Produzieren die Haushalte durch Kehrichtgebühren weniger Abfälle?

Wer mehr Abfall produziert, zahlt durch die Gebühren grundsätzlich mehr. Es herrscht also eine sogenannte verursachergerechte Gebühr. Diese wird in unserer Gesellschaft jedoch die wenigsten vom Abfallproduzieren abhalten. Sie deckt in etwa die zur Entsorgung notwendigen Aufwände. Neben der Verursachergerechtigkeit sollten die Abfallgebühren auch noch die Lenkungswirkung haben, Abfälle am richtigen Ort zu entsorgen. Diese beiden Aspekte unter einen Hut zu bringen, ist eine sehr schwierige Aufgabe, zumal sie in der Umsetzung auch noch ­politischen Prozessen ausgesetzt ist, denn die Änderung einer Gebühr stösst nicht immer direkt auf Verständnis.

Rekordhalter mit einer Gebühr von 3.50 Franken pro Sack ist ­Neunkirch. Ist dies zu hoch?

Neunkirch erhebt keine Grundgebühr. Die Höhe der Gebühr lässt die Verursacher die Kosten tragen. Solange die Rechnung für die Gemeinde aufgeht, ist die Gebühr richtig.

Was tun Sie persönlich, um Abfall zu vermeiden?

Nur kaufen, was ich brauche und in Dinge investieren, die lange halten und reparierbar sind. Man muss ausserdem nicht immer allen Trends folgen.

Interview: Enea Mascherin

 

Wie man ungewöhnliche Abfälle entsorgt

 

Beim Recyceln von Glasflaschen spielt die Farbreinheit eine wichtige Rolle.

Beim Begriff Abfall kommt einem schnell das Bild des zugeschnürten Kehrichtsacks in den Sinn. Tatsächlich ist Abfall aber um einiges vielseitiger und längst nicht alles darf in den Müllsack geworfen werden. PET-Flaschen kommen in die entsprechend bezeichneten Behälter und Grüngut gehört auf den Kompost oder in die Grünguttonne. Bei einigen Sammelgütern ist aber nicht gleich klar, wie sie fachgerecht entsorgt werden können. In einem Überblick zeigen wir, wo man ungewöhnliche Abfälle entsorgen sollte.

Wenn blau und rot gleich grün ist

Fangen wir mit etwas an, das im ersten Moment einfach tönt: Wie entsorgt man Glas? Logisch, es kommt ins Altglas. Doch ganz so einfach ist es nicht. Es gibt Container für weisses, grünes und braunes Glas. Aber wohin kommt die blaue oder rote Flasche? Alles, was nicht braun oder weiss ist, gehört laut Swissrecycling in den Grünglascontainer. Beim Recyceln von Glas spielt die Farbreinheit eine wichtige Rolle. Spuren von blauem Glas sind beim Einschmelzen mit weissem oder braunen Glas erkennbar. Die Ausnahme bildet Grün – dort mischen sich die Farben.

100 Tonnen Tierkadaver

Was mache ich, wenn mein Hamster oder meine Katze stirbt? Und was passiert mit Schlachtabfällen? Tierkadaver können beispielsweise bei der KBA Hard in Beringen abgegeben werden. Für ein Tier unter zehn Kilogramm werden keine Kosten erhoben. Laut der KBA Hard werden jährlich rund 100 Tonnen Kadaver angeliefert und anschliessend von der Tiermehlfabrik ­Bazenheid abgeholt. Dort werden sie zu tierischen Fetten und Mehlen weiterverarbeitet.

Medikamente nicht in die Toilette

Und was macht man mit abgelaufenen Medikamenten? Die gehören tatsächlich in den normalen Abfallsack. Spült man sie den Abfluss oder die Toilette runter, können sie ins Grundwasser geraten und dieses verunreinigen. Sie müssen jedoch gut verpackt in den Kehrichtsack geworfen werden, sodass sie nicht wieder zugänglich sind. Man kann Medikamente auch bei Apotheken abgeben. Dort werden die Alt-Arzneien aber oft auch im Hausmüll entsorgt. Ein paar Ausnahmen gibt es. Deshalb sollte man auf der Packungsbeilage nachlesen, wie das Medikament entsorgt werden sollte.

Häckselservice statt Grüntonne

Zum Schluss schauen wir uns noch an, wie man groben Grünabfall, wie beispielsweise Schnittgut von Hecken, richtig entsorgt. Der gehört nämlich nicht in die Grünguttonne. Die meisten Gemeinden in der Region bieten einen Häckselservice an. Oft ist der sogar kostenlos. Nur die anschliessende Reinigung der Strasse ist Sache der Nutzer. (ema)

 

 

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