Das sind die häufigsten Nachnamen unserer Region

Autor
Enea Mascherin

Jede Person trägt heute einen Nachnamen. Doch wie sind diese Nachnamen überhaupt entstanden? Welche sind in unserer Region oft anzutreffen, und was bedeuten sie?

Schaffhauser Wappentafel im Staatsarchiv. Bild: Selwyn Hoffmann

Welchen Nachnamen liest man in unserer Region am häufigsten auf dem Klingelschild? Diese Frage zu beantworten, hat sich als schwierig herausgestellt. Auf dem Open Data Portal der Post findet man jeweils die fünf häufigsten Vor- oder Nachnamen pro Postleitzahl. Dadurch konnten wir die Tabelle und die Grafik mit den häufigsten Namen der Gemeinden erstellen (Siehe rechts). Die Zahlen zeigen jedoch nicht, welcher Name in der Region insgesamt am weitesten verbreitet ist. Theoretisch könnte es sein, dass in jeder Gemeinde der gleiche Name auf dem sechsten Platz liegt und somit einen anderen überholt.

Erfassung in den Kirchenbüchern

Die Idee, Personen zu benennen, ist alt. «Bereits im Hochmittelalter tauchen Nachnamen in Urkunden oder Urbaren auf», sagt Staatsarchivar Roland E. Hofer. Bis zur flächendeckenden Erfassung der Familiennamen in den Kirchenbüchern dauerte es jedoch noch. Die Dorfpfarrer verzeichneten in diesen Büchern alle Taufen, Eheschliessungen und Todesfälle. In Schaffhausen stammt das älteste Kirchenbuch aus dem Jahr 1540. Seit dieser Zeit hat sich in unserer Region viel verändert. Einige Namen sind gänzlich verschwunden, andere haben ihren Standort gewechselt und wieder andere haben sich weit verbreitet. So beispielsweise auch der Name Bollinger in Beringen. Viele Bollinger haben im Laufe der Zeit die Heimat verlassen. Ihre Wege führten nach Deutschland, Italien, Frankreich, nach Australien und vor allem nach Amerika, wo sie auch heute noch anzutreffen sind.

Einige Namen sind bis heute in der Region verwurzelt. So ist beispielsweise der Name Wanner bereits 1620 im Familienregister von Beggingen zu finden. Heute ist er dort der häufigste Nachname. Und auch viele andere Nachnamen, die in einer Gemeinde auf Platz eins liegen, wurden schon sehr früh in jenen Gemeinden erwähnt. Natürlich gibt es auch Namen, die neu dazukamen, oder solche, die ausgestorben sind.

Der Müller ist der Spitzenreiter

Schaut man sich die Grafik mit den häufigsten Namen der Gemeinden an, so sticht einer heraus: der Müller. Der Name Müller ist in sieben Gemeinden des SN-Lesergebiets der Spitzenreiter. Und nicht nur bei uns ist der Name, der sich vom Beruf des Müllers ableiten lässt, weit verbreitet. Knapp jede hundertdreizehnte Person hört in der Schweiz auf den Namen Müller. Das macht ihn zum häufigsten Geschlecht in unserem Land. Trotzdem lässt sich daraus nicht schliessen, dass der Müller der häufigste Beruf in der Schweiz war. «Es handelt sich beim Müller wohl um ein vermehrungsfreudiges Geschlecht», erläutert Staatsarchivar Roland E. Hofer. «Tatsächlich gab es nicht sehr viele Mühlen, und eine zu betreiben, war ein besonderes Recht.» Gleichzeitig gibt es für den Beruf nur wenige Namensvarianten. Der Bauer dagegen kann auch Ackermann oder Feldmann genannt werden.

 

Roland E. Hofer studierte Allgemeine Geschichte, Kunstgeschichte und mittellateinische Philologie an den Universitäten von Zürich und Oxford. Seit 1995 ist er Staatsarchivar des Kantons Schaffhausen und seit 1999 zusätzlich auch kantonaler Kulturbeauftragter.

Herr Hofer, woher stammt eigentlich der Name Hofer?

Roland E. Hofer: Der Name Hofer ist in Schaffhausen nicht weit verbreitet und stammt ursprünglich aus dem Raum Bern. Die Bezeichnung kommt mit grosser Wahrscheinlichkeit von einer Person, die einen Hof führte. Ob damit der Eigentümer des Hofes gemeint war, ist unklar.

Wie sind Nachnamen entstanden?

Nachnamen entstanden bereits im Hochmittelalter. Damals wurden sie, wenn überhaupt, nur in Urkunden oder in Urbaren, den Einkommensverzeichnissen der Klöster, erwähnt. Ansonsten reichte damals der Rufname einer Person. Durch die wachsende Bevölkerung wurde es zunehmend schwieriger einen Überblick zu wahren, da immer mehr Personen den gleichen Namen trugen. So fing man an, den Leuten Zweitnamen zu geben, die auf den Träger passten. Bis zu der flächendeckenden Erfassung der Nachnamen in den Kirchenbüchern dauerte es jedoch noch eine längere Zeit. In den Kirchenbüchern wurden vom Dorfpfarrer Taufen, Eheschliessungen und Todesfälle in der Gemeinde eingetragen.

Wann wurden die Familiennamen in Schaffhausen erstmals erfasst?

Ab der Einführung der Kirchenbücher wurden die Vor- und Nachnamen konsequent erfasst und waren dadurch festgeschrieben. Das erste Kirchenbuch der Stadt Schaffhausen stammt aus dem Jahr 1540.

Welches ist der älteste Schaffhauser Nachname?

Einer der ältesten Familien­namen aus Schaffhausen, den es in der Schweiz auch heute noch gibt, ist Im Thurn. Er taucht bereits in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts in der Stadt Schaffhausen auf. Die frühe Erwähnung in Urkunden hat damit zu tun, dass die Im Thurns eine adelige Familie war.

Hat der Name Schaffhauser etwas mit unserem Kanton zu tun?

Das ist sehr wahrscheinlich. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass es unsinnig war, jemandem, der in Schaffhausen lebt, den Namen Schaffhauser zu geben. Genauso wie es unsinnig war, eine Person, die in Zürich lebt, Zürcher zu nennen. Der Name Schaffhauser beschreibt demnach nicht eine Person, die in Schaffhausen ist, sondern jemanden, der aus Schaffhausen stammt. Der Name bezeichnet also die Herkunft einer Person.

Der Name Schaffhauser stammt vom Herkunftsort seines Trägers. Was sind andere Namensgebungen?

Viele Namen lassen sich vom Vornamen des Vaters herleiten. Hiess der Vater Peter, so wurde dieser Vorname zum Nachnamen des Sohnes. Weiter fanden Benennungen nach Wohnlage, Herkunft, Beruf, Charakter, persönlichen Merkmalen oder aus Spott statt. Ein Beispiel für einen solchen Spott- oder Übernamen wäre der Name Ogg von einer Person, die Probleme mit den Augen hatte. Es gibt demnach viele verschiedene Stränge, die dann letztlich zu einem Familiennamen führen. Oftmals lässt sich die Bedeutung eines Namens aber nicht auf den ersten Blick erkennen. Der Name Haikos auf dem Reiat stammt trotz der seltsamen Os-Endung nicht aus Griechenland, sondern lässt sich vom Begriff «Haggenjos» ableiten. Haggen ist eine Flurbezeichnung. «Haggenjos» ist demnach der Josef, der im Haggen wohnte.

Der Name Müller kommt in unserer Region sehr häufig vor. Lässt sich daraus schliessen, dass der Müller ein weitverbreiteter Beruf war?

Nein, diese These ist eher abzulehnen. Tatsächlich gab es nämlich nicht sehr viele Mühlen und eine zu betreiben war ein besonderes Recht, das verliehen wurde. Offensichtlich handelt es sich beim Müller um ein stark vermehrungsfreudiges Geschlecht. Auf der anderen Seite gibt es auch Familiennamen, die ausstarben.

Interview: Enea Mascherin

 

Wenn Herr Müller plötzlich Herr Meier sein möchte, oder Frau Häberli ihren Namen in Haeberli umändern lassen will, geht das nicht ganz einfach. Wer seinen Namen ändern möchte, hat ein Gesuch an das Amt für Justiz und Gemeinden zu richten. Dieses Gesuch findet man auf der kantonalen Homepage. Neben dem bisherigen- und dem beantragten Namen ist auch eine Begründung erforderlich.

Doch was sind Gründe für eine Namensänderung? «Grundsätzlich soll durch eine Namensänderung bezweckt werden, dass Nachteile, die mit einem bisherigen Namen verbunden sind, beseitigt werden», erklärt Doris Erhart, Leiterin des Zivilstands- und Bürgerrechtswesen des Kantons Schaffhausen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn sich jemand durch einen anstössigen oder einen schwer aussprechbaren Namen behindert fühlt. «Der blosse Wille seinen Namen zu ändern, genügt nicht», so Erhart. Ausserdem dürfe niemand seinen Namen aus rechtswidrigen Gründen ändern, um etwa einer Betreibung auszuweichen. Dies komme in Schaffhausen jedoch kaum vor.

Früher weniger Gesuche

Insgesamt 48 Personen liessen 2018 in Schaffhausen ihren Namen ändern. Vor zehn Jahren seien es laut Erhart noch deutlich weniger gewesen. «Im Jahr 2013 wurde das Schweizerische Namensrecht geändert. Seit da sind mehr Namensmöglichkeiten vorhanden», sagt Erhart. Auch seien davor für die Bewilligung «wichtige» Gründe erforderlich gewesen, während heute nur noch «achtenswerte» Gründe vorliegen müssten. Heute werden mehr als 90 Prozent der Gesuche bewilligt. «Bei den Vornamen ist man sogar etwas weniger streng als bei den Nachnamen», so Erhart.

«Der blosse Wille, seinen Namen zu ­ändern, genügt nicht.»

Doris Erhart, Leiterin Zivilstands- und Bürgerrechtswesen

Am häufigsten kämen Gesuche von volljährigen Kindern, die nach einer Scheidung der Eltern ihren Nachnamen ändern wollen. Die Gründe der Gesuchsteller seien jedoch so unterschiedlich, wie ihre Namen. «Namen haben viel mit Identifikation zu tun», so Erhart. «Die Gründe sind teilweise sehr per­sönlich.»

Sich nennen, wie man will

Seinen Namen zu ändern ist also nicht ganz einfach und ein neuer Nachname kostet zudem 400 Franken. Es gibt aber einen Ausweg, abgesehen von der Heirat, für Personen, die mit ihrem Namen unzufrieden sind, aber keine achtenswerten Gründe für eine Änderung haben: Jede Person kann einen Spitz- oder Künstlernamen tragen. Nur im Pass ändert sich dadurch nichts. (ema)

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