«Bryan Adams hat mir verboten, seinen Auftritt anzusagen»

Autor
Dario Muffler

Unser «Kopf der Woche» ist dieses Mal Alexander Blunschi. Der ehemalige Radio-Munot-Chefredaktor wird die Nummer 2 bei Radio SRF 3.

Hält sich sehr gern am und auf dem Rhein auf: Alex Blunschi. Bild: Dario Muffler

Er spricht gut und wohl ebenso gern – und man hört ihm auch gern zu. Wie könnte es anders sein bei einem Radiomann? Alexander Blunschi erzählt mit Verve von seinen Aufgaben bei Radio SRF 3. «Mein Ziel ist es, die Moderatoren und so auch den Sender weiterzuentwickeln», sagt er. Das Umfeld eines Radiosenders sei anspruchsvoller ­geworden. «Musik und News gibt es heute überall», sagt er. Allein durch Musik könne sich ein Radio nicht mehr von Musik-Streaming-Diensten abheben, Nachrichten ­erhalte jedermann, jederzeit auf seinem Smartphone. «Ich glaube deshalb, dass man sich nur durch gute Typen vom Einheitsbrei abheben kann», sagt er. «Dazu braucht es Männer und Frauen, die eine Meinung sowie Ecken und Kanten haben.»

Diese Charaktere schärfen und neue finden, das ist die Aufgabe, die Blunschi am 1. September übernimmt: Er wird Moderationsleiter und stellvertretender publizistischer Leiter von SRF 3, also Nummer 2 im Haus. Hat er diesen Karriereschritt angestrebt? «Mich zog es unbewusst in diese Richtung», sagt er. Damit meint er seinen Werdegang, weg vom Mikrofon und hin zur konzeptionellen Arbeit im Hintergrund. «Ich packe gern an, denke und führe etwas von A bis Z durch», so Blunschi. Er weiss also, was er will. Diesen Eindruck erhält man auch, wenn man mit ihm spricht, wie an diesem Nachmittag in einer Flurlinger Beiz am Rhein. Obwohl er in Zürich arbeitet, wohnt er noch immer in Flurlingen. Blunschi zeigt viel Bodenhaftung; differenziert und selbstkritisch betrachtet er die Dinge. «Irgendwann war mir klar, dass ich zwar moderieren kann, aber dass es andere auch können – vielleicht sogar besser», so der Radiojournalist.

Aufgewachsen ist Blunschi in Neuhausen. Der Rhein hat ihn hier gehalten. «Ich bin gerne mit meinen Kindern im Gummibötchen auf dem Rhein oder in einer der vielen Badis entlang des Flusses», sagt er. «Nur einen Weidling habe ich leider noch nicht.»

Auch sonst hat der ehemalige Chef­redaktor von Radio Munot seiner Heimat den Rücken nicht gänzlich zugekehrt: Blunschi ist etwa im Vorstand der Hülfsgesellschaft tätig. Viele Schaffhauser kennen ihn zudem vom Musikfestival «Stars in Town». Dort sagt Blunschi auf der Bühne die Konzerte an. Ausser im vergangenen Jahr vor Bryan Adams Auftritt. «Sein Management hat mir verboten, etwas zu sagen», meint Blunschi lachend. Das störe ihn aber nicht, wenn er für einmal ruhig bleiben müsse. «Die Leute kommen wegen der Bands, nicht meinetwegen.»

Versprecher und falsche Informationen ärgern einen Moderatoren zwar, doch das Radio verzeihe kleine Fehler eher als ein Printmedium. Deshalb könne man im Radio auch kaum Politskandale lostreten, ist Blunschi überzeugt. Dennoch würde er nicht zu einem geschriebenen Medium wechseln wollen. «Ich habe es gern schnell und direkt», so Blunschi. «Und Radio­machen ist unmittelbar.» 

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