Neue Gesichter, gleiche alte Grabenkämpfe

Autor
Zeno Geisseler

Ein Jahr der Erneuerung war 2017 im Kanton, aber auch ein Jahr der schwarzen Zahlen und ein Jahr der zerstörten Hoffnungen.

Der neu zusammengesetzte Schaffhauser Kantonsrat an einer seiner ersten Sitzungen 2017. Stundenlange Debatten, auch über unbestrittene Vorlagen, sind nach wie vor die Regel. Bild: Selwyn Hoffmann

Das Jahr 2017 begann mit einer politischen Umwälzung: Im Regierungsrat nahmen mit Martin Kessler (FDP) und Walter Vogelsanger (SP) zwei neue Mitglieder Einsitz. Erneuert worden war auch das Parlament. Neben gestandenen Kantonsräten wie Matthias Freivogel (SP), Matthias Frick (AL), Markus Müller (SVP) oder Thomas Hauser (FDP) gab es einige neue Kräfte zu sehen, etwa Pentti Aellig (SVP), Katrin Bernath (GLP), Patrick Portmann (SP) oder Roland Müller (ÖBS).

Wer erwartet hatte, dass diese Erneuerung auch mehr Effizienz, mehr Elan oder mehr Kompromissbereitschaft in die Politik bringen würde, wurde insbesondere beim Parlament enttäuscht. Die gleichen Grabenkämpfe sind mit unvermittelter Härte weitergeführt worden: Links gegen rechts, bürgerliche Mehrheit im Rat gegen bürgerliche Mehrheit in der Regierung. Auch unbestrittene Vorlagen arteten in stundenlange Debatten aus, das Ratspräsidium musste Zusatzsitzung um Zusatzsitzung anberaumen. «Parlament», das wurde wieder einmal deutlich, kommt von «parlare».

Sprudelnde Einnahmen

Einfach nur alles schwarz zu sehen, wäre aber falsch. 2017 war auch ein Jahr der Lichtblicke. Der vielleicht grösste war der im März präsentierte Abschluss für das Jahr 2016: Vorhergesagt gewesen war ein Minus von 16,1  Millionen Franken, tatsächlich resultierte aber ein Plus von fast 50 Millionen Franken. Nach Abzug einer finanzpolitischen Reserve von 33,1 Millionen Franken verblieben 16,6 Millionen Franken, die der Kanton offiziell als Überschuss auswies. Eingeschenkt hatten einerseits die beiden Entlastungsprogramme ESH3 und EP2014, andererseits aber auch rekordhohe Unternehmenssteuern.

Auf diesem Niveau werden die Unternehmenssteuern aber nicht bleiben. Ein grosses Fragezeichen gibt es bei der Unternehmensbesteuerung. Das Schweizer Volk lehnte Anfang Februar die Unternehmenssteuerreform III deutlich ab. Wenige Wochen zuvor hatte die Schaffhauser Finanzdirektorin Rosmarie Widmer Gysel noch vor einem Nein gewarnt. In Schaffhausen würden sogenannte Statusgesellschaften fast die Hälfte der Unternehmenssteuererträge bestreiten. Bei einem Nein drohten Wegzüge. Wie eine künftige Steuerreform aussehen könnte, ist eine der grossen Fragen, welche der Schaffhauser Regierungsrat im kommenden Jahr beantworten muss.

Noch ein weiterer für Schaffhausen sehr wichtiger Entscheid fiel auf nationaler Ebene: Im Mai sagte das Schweizer Volk Ja zum Energiegesetz und besiegelte damit den Atomausstieg. Damit wurde die Energiestrategie des Schaffhauser Regierungsrats bestätigt.

Räbeliechtli

Auf der kantonalen politischen Ebene war vor allem die Bildung ein immer wiederkehrendes Thema. Grossprojekte wie «Volksschule aus einer Hand» scheiterten im Parlament deutlich. Im September sagte das Volk Nein zu Sparmassnahmen in der Schule. Gar auf nationaler Ebene wahrgenommen wurde ein Streik von Kindergärtnerinnen. Sie weigerten sich, Räbeliechtliumzüge zu organisieren, aus Protest, weil ihnen eine schon längst versprochene Entlastungsstunde immer noch nicht gewährt worden war.

Zum Schluss noch einige Themen, die bereits im Rückblick auf 2016 erwähnt worden waren, die aber immer noch in der Schwebe sind. Da ist etwa der Bau eines Polizei- und Sicherheitszentrums: Es gibt kaum Widerstand, trotzdem ziehen sich die Beratungen im Rat hin. Offen ist schliesslich auch, ob auf dem Chroobach nun Windräder gebaut werden oder nicht.

 

SP-Angriff auf SVP scheitert klar

rr wahlen

Claudia Eimer (l.) wollte für die SP in die Regierung einziehen. Gewonnen hat aber Cornelia Stamm-Hurter von der SVP (r.). Bild: Selwyn Hoffmann

Erst Anfang 2017 hatte für den Schaffhauser Regierungsrat eine neue Amtsperiode begonnen. Umso grösser war die Überraschung, als Finanzdirektorin und Regierungspräsidentin Rosmarie Widmer Gysel (SVP) bereits im August ihren Rücktritt ankündigte, per Ende März 2018.

Bei ihrer Nachfolge sollten nur zwei Parteien mitmischen: Einerseits ihre SVP, und andererseits die SP. Neben der Parteizugehörigkeit sollte bei diesen Wahlen allerdings auch noch ein anderes Kriterium zentral sein: das Geschlecht. Widmer Gysel war die einzige Frau in der Regierung, und sie sollte, so sagten viele, durch eine Frau ersetzt werden. Weniger wichtig, aber doch auch ein immer wieder vorgebrachtes Argument: Es sollte wieder jemand aus der Kantonshauptstadt in der Regierung vertreten sein.

Diesen zwei Grundsätzen fiel in der SVP-internen Ausmarchung Parteipräsident Pentti Aellig aus Dörflingen zum Opfer. Er unterlag der Schaffhauser Oberrichterin Cornelia Stamm Hurter, die als moderate SVPlerin gilt.

Die SP wiederum verzichtete darauf, eine Person aus der Stadt Schaffhausen in den Wahlkampf zu schicken. Aber auch bei ihr sollte es eine Frau sein: Die frühere Stadtpräsidentin von Stein am Rhein, Claudia Eimer, holte die Nomination.

Eimer hatte keine einfache Aufgabe: Die Sozialdemokraten waren im Jahr 2000 von zwei auf einen Sitz in der Regierung zurückgestuft worden, und alle Anläufe danach, den zweiten Sitz wieder zu holen, scheiterten deutlich. Eimer sollte es nicht anders ergehen. Sie hatte sich im Wahlkampf als Frau der Mitte positioniert, doch das nahm ihr das Stimmvolk nicht ab. Stamm Hurter wurde mit fast 13 000 Stimmen glanzvoll gewählt, Eimer holte nur rund 6500 Stimmen und damit deutlich weniger als frühere linke Kandidierende. Eimer gewann in keiner einzigen Gemeinde.

Stamm Hurter wird ihr Amt am 1.  April 2018 antreten. Sie übernimmt das Finanzdepartement von Rosmarie Widmer Gysel.

Neuen Kommentar schreiben

Diese Funktion steht nur Abonnenten und registrierten Benutzern zur Verfügung.

Registrieren