«Zwei Kinder sind schwieriger zu führen als eine Kompanie»

Autor
Dario Muffler

Michael Trachsel ist gerne gut vorbereitet, bei seinem Hobby oder im Beruf. Nur seine Kinder machen ihm einen Strich durch die Rechnung.

Michael Trachsel vor dem Zeughaus. Er ist stolz darauf, dass die Schweizer und die Schaffhauser Fahne wieder aufgezogen sind. Bild: Dario Muffler

Normalerweise sitzt Michael Trachsel nicht im Tarnanzug in seinem Büro im Zeughaus Schaffhausen. Trachsel trägt das militärisch korrekte Tenue nur, wenn er in seiner Funktion als Kreiskommandant gefragt ist – wie jetzt im Gespräch mit einem Journalisten. Was bitte ist ein Kreiskommandant? «Eigentlich eine Dienstleistungs- und Auskunftsstelle für Militär- und ­Zivilschutzangehörige», erklärt Trachsel, der den Grad eines Majors innehat. Er hat sich gut auf das Gespräch vorbereitet, auf einem Blatt Papier hat er Notizen gemacht. «Wo es möglich ist, bereite ich mich gerne vor», sagt Trachsel.

Damit ist er auch beruflich erfolgreich gefahren. Trachsel hat sich auch dort schon unterschiedlichen Herausforderungen gestellt. Er war mehrere Jahre Betriebsleiter eines Unternehmens und während rund zwei Jahren als selbstständiger Unternehmensberater tätig. Bevor er die Stelle als Kreiskommandant diesen April antrat, war er zudem ein Jahr als Planer und Analyst Mitglied des Führungsstabs der Armee. «Wir haben Einsätze wie jenen am Weltwirtschaftsforum in Davos auf operativer Stufe geplant und geführt», erzählt Trachsel. Auch bei der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Jahr 2016 war Trachsel bei der minutiösen Vorbereitung beteiligt.

1000 Kilometer mit dem Rad

Gute Vorbereitung – das ist auch in seinem Hobby das A und O: Trachsel ist Ausdauersportler. Er kommt erst so richtig in Fahrt, wenn andere schon lange vom Velo abgestiegen sind. Er ist beispielsweise die «Tortour» gefahren, ein Nonstop-Radrennen über 1000 Kilometer rund um die Schweiz. Auch dieses Jahr tritt er wieder an, dieses Mal in einem Zweierteam. Auf die Frage, was ihn daran reizt, an die sportlichen Grenzen zu gehen, antwortet er: «Das Unbekannte. Ich will immer herausfinden, ob ich es meistern kann.»

Aber die grösste Herausforderung wartete auf Trachsel, als er Vater wurde, sagt er. Zuhause habe er am meisten Mühe seine Konzepte aus dem Berufs- und Militäralltag umzusetzen. «Zwei Kinder sind schwieriger zu führen als eine ganze Kompanie», sagt Trachsel mit einem Lächeln. «Zu Beginn des Vaterseins hatte ich damit Mühe.» Egal wie motiviert und engagiert man ist – wenn ein Kinderwunsch am Ende des Tages nicht in Erfüllung geht, dann fliessen Tränen. «Die Gelassenheit in solchen Situationen musste ich lernen», so Trachsel. Mittlerweile hat er sich daran gewöhnt: Seine Frau und er erwarten schon bald ihr drittes Kind.

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