Die unglaubliche Geschichte der Belagerung des Schloss Laufen

Autor
Ralph Denzel

Das Schloss Laufen beim Rheinfall blickt auf eine lange Geschichte, voller historischer Ereignisse zurück - aber nur wenige enden so spektakulär wie eine Belagerung im Jahr 1441.

Das Schloss Laufen, Darstellung aus dem 16. Jahrhundert. Bild: Wikimedia

Das Schloss Laufen hat viel erlebt über die Jahrhunderte, seitdem die ehrwürdige Burg direkt über dem Rheinfall thront. Seit über 1000 Jahren wanderte sie von Besitzer zu Besitzer, wurde belagert, geplündert, fast aufgegeben und dann wieder genutzt. Aber keine Geschichte ist wohl so spektakulär wie die, die sich während einer Belagerung im Jahre 1441 ereignet. Eine Übermacht an Österreichern steht vor den Toren und will das Schloss einnehmen. Die Besatzung hinter den Mauern hat eigentlich keine Chance - und kann ihr eigenes Leben nur mit einem waghalsigen Manöver retten.

Die Geschichte des Schloss Laufen

Erstmals findet das Schloss im Jahr 858 in den Chroniken eine Erwähnung. Seinen Namen bekommt es vom Rheinfall, der damals als «grosses Lauffen» bezeichnet wird. Die Herren von Laufen residieren damals in der Burg. Die Nähe zum Rhein macht das Schloss schon damals besonders, wenn auch nicht unbedingt nur im positiven Sinne. So schreiben Chronisten dieser Zeit, dass das Schloss vom Rheinfall andauernd so «heftig erschüttert wurde», so dass «die Weine im Keller immer trüb blieben». Gleichzeitig heben die Chronisten aber auch die Farben hervor, die entstehen, wenn die Wassergischt im Sonnenlicht glitzert. Es muss ein besonderer Anblick sein, der sich den Schreibern der damaligen Zeit bietet.

Über die Herren von Laufen ist dabei nur wenig herauszufinden: So weiss man, dass die Familie lehnspflichtig bei den Grafen von Anburg und Thengen ist. Das Geschlecht von Laufen erlischt wohl irgendwann, was dazu führt, dass das Schloss über die Jahre immer wieder wechselnde Besitzer erlebt. Besonders hervorzuheben ist dabei das Geschlecht der «von Fulach». Dieses erwirbt das Schloss im 15. Jahrhundert. Damals sind die von Fulachs bereits ein grosses und wichtiges Geschlecht in der Stadt Schaffhausen und mit dem Erwerb des Schlosses steigt ihr Machtanspruch nochmals. Soll stellt die Familie im Laufe der Jahre einen Bürgermeister, mehrere Ratsherren und wahrscheinlich auch einen Abt.

Das Schloss Laufen ist dabei für die Familie eher ein Besitz, der ihre Macht und ihren Anspruch erweitert. Zum Schloss gehören nämlich auch die Ländereien rundherum, bis nach Neuhausen. Ein recht grosses Gebiet, welches die Familie sich gerne einverleibt.

Sie ahnen bei dem Erwerb wohl nicht, welche Folgen der Kauf des Schlosses für sie haben wird. Denn dieser wird der Familie einige Probleme bescheren – und für viele Leichen sorgen.

Ein Streit führt zur Belagerung

Denn nicht jeder gönnt der Familie von Fulach den Besitz, am wenigsten der schwäbische Ritter Bilgeri von Heudorf. Dieser erhebt ebenfalls Anspruch auf das Schloss am Rhein – und die Tatsache, dass die von Fulachs nun die Herren dies Gemäuers sind, stört den Ritter. Zu allem entschlossen nutzt er seine Beziehungen zu den Habsburgern. Als schwäbischer Ritter ist er eng verbunden mit diesen.

So zieht im Jahr 1441 Herzog Albrecht von Österreich gegen das Schloss Laufen. Mit einer Armee belagert er die Burg, die zu diesem Zeitpunkt nur wenig Gegenwehr leisten kann. Schnell ist den von Fulach klar: Zu halten ist die Burg nicht – zu gross ist die Macht, die vor den Toren steht und zusätzlich auch Truppen aus Winterthur in ihren Reihen hat.

Ein Holzstich aus dem 15. Jahrhundert von der Belagerung einer Stadt. Bild: Wikimedia

Quellen die erzählen, wie die Belagerung abläuft, sind schwer zu finden. Eine Quelle berichtet, dass «Herzog Albrecht von Oesterech» dem Schloss mit «Sturmen […] hart zugesetzt» habe. In manchen Quellen ist von Kanonen die Rede, die zum Einsatz kommen. Für die zurückgebliebene Menschen auf der Burg, die Familie von Fulach weilte laut Quellen zu diesem Zeitpunkt wo anders, muss die Belagerung schrecklich gewesen sein. So ist auch zu erklären, zu welcher waghalsigen Idee die Verteidiger sich im Laufe der Belagerung hinreissen lassen.

Belagerungen sind damals zermürbend und brutal. Bild: Wikimedia

Mit Seilen in den Rhein

Die einzige Chance, die die Männer haben, ist die Flucht. Vor den Mauern steht die Übermacht an Österreichern und Winterthurern, die gegen die Festung Sturm laufen. So gibt es nur eine  Möglichkeit für die Männer, wenn sie fliehen wollen: Der hintere Teil der Burg. Dort, wo es einen steilen Abhang hinunter geht und der Rhein liegt.

Während die Belagerer weiter angreifen, beginnen die zurückgebliebenen Verteidiger innerhalb der Festungsmauer Seile zu sammeln und zu verknoten. Die Angreifer bekommen davon nichts mit, zumindest gibt es keine Quelle, die dies belegen würde. 

Während die österreich’schen Truppen weiterfeuern, seilen sich die Männer der Familie von Fulach in der Nacht langsam vom Berg ab – in Richtung Rhein. «So dass alle drauf gewesen waren sich am Ende des Schloss mit Seilen über den Felsen herabgelassen», wie es in einer Quelle heisst. Damals ist das Gebiet hinter dem Schloss noch nicht so erschlossen wie heute, wo mehrere Wege am Ufer entlangführen und man ohne Probleme spazieren gehen kann. Unter den Männern liegen Bäume, Felsen – und ein tiefer Abgrund, an dessen Ende der Rheinfall laut tosend ins Becken stürzt. Dort, wo Untiefen und Strudel selbst für geübte Schwimmer zu einer Gefahr werden können.

Dieser Anblick ist zu viel für einen Knecht. So berichten Quellen, dass ein «reisiger Knecht», also eine Art Soldat, nicht den «Muthe» aufbringen kann den Abstieg zu wagen. Er bleibt zurück im Schloss, während seinen Kameraden die Flucht gelingt. Nachdem sie sich abgeseilt haben, springen sie ins Wasser und schwimmen um ihr Leben auf die andere Seite des Rheins. Die Belagerer bekommen davon nichts mit. Wie viele letztlich das rettende Ufer erreichen, ist nicht überliefert.

Sicher ist nur: Der Knecht bleibt als Einziger zurück im Schloss. Dort wartet er, bis die Soldaten von Herzog Albrecht die Burg am Morgen stürmen - und zu ihrer Verwunderung nur noch den einsamen Mann vorfinden. Dieser übernimmt die Verhandlungen auf Seiten der Eroberten und übergibt die Burg den neuen Herren. 

Es ist nicht überliefert, wie sich der Knecht fühlt, als die Österreicher in die Burg einmarschieren. Sicher ist nur: Der letzte «Verteidiger» kommt, zumindest laut Quellen, mit dem Leben davon: Nachdem er die Übergabe des Schlosses verhandelt hat, lässt Herzog Albrecht den Knecht mit freiem Geleit ziehen.

Wer dieser Mann war und was aus ihm wurde - das liegt im Dunkel der Geschichte.

Überliefert ist jedoch, wie es mit der Burg weitergeht: Herzog Albrecht übergibt sie seinem Diener «Hagenbuch». Ob Bilgeri von Heudorf mit diesem Kompromiss, immerhin sind nicht mehr die verhassten von Fulach die Herren des Schloss, zufrieden ist, ist nicht klar.

Sicher ist aber: auch der Diener Hagenbuch kann sich nicht lange an dem Schloss erfreuen, denn: Die von Fulachs wollen ihr Eigentum zurück. So stürmen sie im Jahr 1451 die Burg. Dieses Mal ist es keine Armee, sondern nur eine handvoll Männer, die die Burg wieder einnehmen. In der Nacht erschlagen sie den überraschten Hagenbuch, ebenso wie dessen Sohn.

Das Schloss Laufen ist wieder in ihrem Besitz - zumindest für eine Weile. 

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