Was wäre, wenn Batman in Schaffhausen leben würde?

Autor
Ralph Denzel

Batman-Produzent Benjamin Melniker ist im Alter von 104 Jahren gestorben. Ihm zu Ehren - und als Gedankenspiel - was wäre, wenn Batman nicht in Gotham sondern in Schaffhausen gegen Schurken kämpfen würde?

Batman in Schaffhausen? Bild: Pixabay/Montage: SHN

Benjamin Melniker, Produzent hinter den Projekten rund um Superheld Batman beim Studio Warner Bros., ist im Alter von 104 Jahren gestorben. Das brachte uns zu einer Frage: Was wäre, wenn Schaffhausen Batmans Heimat wäre?

Batman in Schaffhausen

Die Nacht fällt über die Munotstadt. Die Geschäfte in der Altstadt schliessen und Dunkelheit zieht langsam durch die engen Gassen. Die Schaffhauser gehen nach Hause – und haben Angst, denn ihre Stadt ist zum Spielplatz von Superschurken geworden. Der Riddler, Two-Face, Bane, Poison Ivy – alle sind von Gotham nach Schaffhausen gekommen – warum? Vielleicht sind sie ihrem Erzfeind gefolgt, der ebenfalls sein neues Zuhause hier gefunden hat. Batman sitzt auf den Zinnen vom St. Johann und blickt wachsam auf die Stadt.

Plötzlich flammt das Bat-Signal in den dunklen Abendhimmel. Er wird gebraucht. Der dunkle Ritter erhebt sich langsam. Ein paar Fledermäuse flattern hinter ihm in die Höhe, während er per Fernsteuerung sein Batmobil herbeiruft.

Die Stadt ist nicht gemacht für das Batmobil

Dieses kündigt sein Kommen schon von Weitem an: Das Gefährt ist mit fast vier Metern Länge viel zu gross für die teils engen Gassen der Schaffhauser Altstadt. Irgendwo flucht ein Ladenbesitzer, während Batmans Wagen sich an der Ecke seines Geschäftes festgefahren hat und nun, bei unnützen Wendeversuchen, immer wieder neue Dellen in die altehrwürdige Fassade schlägt.

Wie soll man mit dem Wagen durch die engen Gassen der Altstadt kommen? Bild: Wikimedia - Zachi Evenor and MathKnight, CC BY 3.0

Die Fledermaus hört das, seufzt und blickt auf die Uhr unter seinen Füssen. Gelangweilt pfeift er die Titelmelodie aus seiner Anime-Serie. Dann, unzählige Kratzer und Beulen in seinem Fahrzeug und ein mehrerer hundertausend Franken teurer Schaden an Gebäuden später, steht das Batmobil am Fuss des St. Johann. Batman breitet sein Cape aus und lässt sich nach unten fallen – während die Polizei noch immer auf das Aufkreuzen der Fledermaus wartet.

Mittlerweile sind zwanzig Minuten vergangen, seit die Beamten das Signal in den Himmel geschickt haben.

«Wenn wir die Hilfsfristen so überschreiten würden…», murmelt ein Streifenpolizist, wird aber von seinem Chef sofort mit einem wütenden Blick zum Schweigen gebracht.

Batmans Wagen schafft eine Spitzengeschwindigkeit von fast 400 km/h – jetzt saust der dunkle Ritter mit halsbrecherischen 35 km/h durch die Altstadt. Die Bsetzisteine unter seinem Gefährt sind nicht gut für die Aufhängung – und da sein Geschoss stilecht tiefer gelegt ist, will Batman sich natürlich auch nicht den Unterboden verkratzen – aber mein Gott: Schauen Sie sich diesen Lack an – ignorieren Sie die Kratzer. Ist das nicht ehrfurchtgebietend?

Auch der Weg zur Stadtpolizei ist nicht einfach für Batman. Einerseits wird er massiv durchgeschüttelt, den Pflastersteinen sei Dank, andererseits sind die unzähligen Kurven und Ecken in der Stadt nichts für seinen Wagen. So entscheidet er sich, sein Gefährt abzustellen und sich mit seinem Bat-Haken fortzubewegen. Er erinnert sich an die Zeit in Gotham: Überall konnte er seinen Greifhaken in die Häuserfassaden schiessen und sich majestätisch von Haus zu Haus schwingen.

Heute ist das alles anders.

Die schönen Gebäude!

Weil viele Gebäude unter Denkmalschutz stehen und die Stadt Schaffhausen dort sehr streng ist, muss er enorm aufpassen, wo er seine Haken hineinschiesst. Laut letzter Stadtratsitzung hat er bisher einen Schaden von knapp sechs Millionen Franken verursacht – nicht darin einberechnet die Zerstörung unschätzbarer Wandgemälde.

Auch wenn Batman eigentlich reich ist: Solche Ausgaben liegen derzeit nicht im Budget. Also blickt er sich nach einem nicht denkmalgeschützten Gebäude um. Als er an seinem Standort keines findet, entscheidet er sich zu laufen.

Unterwegs verprügelt er stilecht ein paar Handlager – sind sie vom Joker? Schergen des Riddler? Es ist egal. Sie bekommen eine ordentliche Ladung Backpfeifen nach Batman-Manier. Im Kantonsspital kennen sie das. Wegen der gründlichen Arbeit des Schaffhauser Rächers schieben die Ärzte und Pfleger Doppelschichten. Jede Nacht werden ungefähr 20 Kriminelle mit Knochenbrüchen oder ausgekugelten Gelenken in die Notaufnahme gebracht. Eigentlich wären die meisten ein Fall für die Polizei, aber die hat selbst alle Hände voll zu tun. Einerseits muss sie sich um die Superschurken kümmern, die regelmässig die Stadt zu vernichten drohen – andererseits jeden Morgen die unzähligen Anzeigen wegen Sachbeschädigung gegen den dunklen Rächer aufnehmen. Hausratsversicherungen in Schaffhausen haben schon lange astronomische Höhen angenommen und sind für Otto-Normalverbraucher kaum mehr zu bezahlen.

«Batman! Endlich sind Sie da!»

Der schwarze Ritter macht einen Schritt auf die beiden Polizisten zu, die unweigerlich vor der imposanten Gestalt zurückweichen. Keine Regung zeichnet sich auf seinem Gesicht ab. Der junge Streifenpolizist schaut irgendwann trotzdem wieder auf seine Uhr und murmelt etwas von Hilfsfrist, aber das ignorieren die anderen Beteiligen.

«Sie haben mich gerufen, also muss die Lage schlimm sein.»

«Der Joker ist unterwegs», erwidert der Kommandant der Polizei ernst. Mehr muss Batman nicht hören. Er wendet sich zum gehen, davor dreht er sich aber nochmal um und fragt: «Peter Sticher – können wir ihm trauen?» Auf den irritierten Blick der beiden Polizisten erwidert er: «Mein Fehler – ich habe schlechte Erfahrungen gemacht mit Staatsanwälten in Gotham.» Dann schiesst er seine Bat-Klaue in eine Häuserwand und verschwindet in der Nacht.

«Sie wissen schon, dass wir das morgen wieder aufnehmen müssen?», fragt der Streifenpolizist seinen Kommandanten, der nur ein wütendes Grummeln als Antwort gibt.

Showdown auf dem Munot

Batman weiss, wo sich der Joker aufhält. Es gibt nur einen Ort, der für einen solch epischen Endkampf zwischen den beiden Erzfeinden Batman und Joker in Frage kommen würde: Der Munot.

Tatsächlich: Oben auf der Aussichtsplattform treffen sich die beiden Gegenspieler – es kommt zu einem brutalen Kampf – bis die Munotwächterin Karola Lüthi aus dem Wohnturm tritt und die beiden Streithähne in hohem Bogen rauswirft. Aller Protest und das verrückte Lachen des Jokers helfen nicht: Die Frau nimmt ihre Aufgabe sehr ernst.

Etwas verloren stehen die beiden dann vor der Schaffhauser Hausburg. Diese Verwirrung nutzt der dunkle Ritter und überwältigt den Joker ein weiteres Mal.

«Du kannst nicht gewinnen, Batman!», lacht der Joker wütend. «Ich bin schneller wieder da, als du Fledermaus sagen kannst!»

Das dürfte wohl stimmen. Denn auch Batman weiss: Das Kantonsgefängnis ist eben kein Blackgate. Zwar hat der Kantonsrat schon einige Ideen präsentiert, wie man den alten Bau Umwandeln könnte, sodass auch Superschurken dort sicher verwahrt werden können - aber die Vorlagen sind bisher immer wieder von der Stimmbevölkerung abgeschmettert worden. Irgendwie will niemand mitten in der Innenstadt ein Gefängnis mit Starkstromzäunen, Panzertüren an jedem Durchgang, schwer bewaffneten Soldaten und meterdicken Stahlwänden tief unter der Erde.

Als Batman den immer noch kichernden Joker dort abgeliefert hat, erstmal zu Fuss, denn sein Wagen hat wieder Probleme sich durch die engen Gassen zu schlängeln, leuchtet erneut das Batsignal. Wie aufs Stichwort braust sein Wagen um die Ecke - endlich. Der dunkle Ritter kann viel Schmerz ertragen, aber nicht den Anblick seines Wagens, so lädiert und voller Kratzer wie er mittlerweile ist.

Dieses Mal funken die Polizisten ihn an, in der Hoffnung, dass er doch dieses Mal bitte keinen allzu grossen Sachschaden anrichten möge. Beim Lipo-Park soll Two-Face Geiseln genommen haben. Batman steigt ein und rast in Richtung der A1 – endlich kann er seinem Wagen die Sporen geben – zumindest bis zum Fäsenstaub-Tunnel, denn dort sieht er nichts mehr. Auch beim Batmobil beschlagen die Scheiben und leider waren Scheibenwischer nicht im Preis inbegriffen. Also tuckert die Fledermaus mit 40 km/h, immerhin schneller als durch die Innenstadt, durch den Tunnel. Die wütenden Autofahrer hinter ihm hupen und gestikulieren wild.

Auch Batman hat hier Probleme, wie jeder andere auch. Bild: Mike Kessler

In dieser Nacht, nachdem er auch Two-Face besiegt und über den Bahnhof in Richtung Kantonsgefängnis fährt – nochmal will er keine beschlagenen Scheiben -, kommen Batman zwei Gedanken:

  1. Er hätte doch Scheibenwischer in seinem Auto installieren sollen.
  2. Er vermisst Gotham.

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