Grosse Ehre: Unser Mann im Vatikan ist jetzt ein Ritter

Autor
Ralph Denzel

Seit 15 Jahren verrichtet Heinz Eggli in der Schweizergarde seinen Dienst. Als Anerkennung für diese lange Dienstzeit wurde er nun durch eine päpstliche Ehrung zum Ritter.

Stolzer Träger des Silvesterordens: Der Schweizergardist Heinz Eggli aus Uhwiesen-Laufen. Bild: ZVG/Pixabay - Montage SHN

Militärische Organisationen haben eine hohe Erinnerungskultur. Kameraden, die im Dienst gefallen sind, geniessen einen hohen Stellenwert und werden oft noch lange nach ihrem Tod mit militärischen Ehren bedacht.

Die Schweizergarde ist da keine Ausnahme.

So ist der 6. Mai nicht nur der Tag, an dem die neuen Gardisten ernannten werden, sondern auch ein Erinnerungstag an ein Ereignis, dass die Geschichte der Garde bis heute prägt. Die Plünderung Roms.

An diesem Tag fielen im Jahr 1527 fast alle Gardisten, als sie ihren Treueeid gegenüber Papst Clemens VII. erfüllten. Gehorsam bis in den Tod. Daher ist es nicht nur ein freudiger Tag, sondern auch ein Tag des Innehaltens und Gedenkens für jeden, der diese Uniform trägt. Der Eid den die Gardisten ablegen, sollte nicht leichtfertig über die Lippen gebracht werden. Es geht dabei um Treue, Tapferkeit und auch Opferbereitschaft, die, wenn nötig, das eigene Leben fordern kann.

Ehrung für treue Dienste

Umso wichtiger ist es für die Schweizergarde daher auch, die zu ehren, die diesen Eid seit Jahren leben und erfüllen – so wie Heinz Eggli aus Laufen-Uhwiesen. Auch für ihn war der 6. Mai wiedermal ein besonderer Tag. Nachdem er 2002 an eben jenem Datum in den Dienst der Garde kam, empfing er 16 Jahre später eine ganz besondere Auszeichnung. Er kann sich nun «Cavaliere di San Silvestro» nennen – Ritter des heiligen Silvester.

«Den Orden bekam ich für fünfzehn Dienstjahre bei der päpstlichen Schweizergarde», so Heinz Eggli. Da Heinz Eggli die Garde zwischendurch für ein Jahr verliess, konnte er die Ehrung erst in diesem Jahr erhalten.

Erinnerung und Aufforderung

Wie hoch das Gedenken ist, dass an diesem traditionsreichen Tag mitschwingt, wird klar, als Heinz Eggli erzählt, wie die Verleihung ablief.

Den ganzen Tag sei  das Opfer und die Bereitschaft, die Treue und Tapferkeit der gefallenen Kameraden zelebriert worden. Der Tag sei Erinnerung, Mahnung und Aufforderung zugleich für die Gardisten – sowohl für die, die gerade erst ihren Eid ablegen, also auch für die, die für ihre Diensttreue geehrt werden. 

Ich schwöre, treu, redlich, und ehrenhaft zu dienen dem regierenden Papst, und seinen rechtmässigen Nachfolgern und mich mit ganzer Kraft für sie einzusetzen, bereit, wenn es erheischt sein sollte, für Ihren Schutz selbst mein Leben hinzugeben.

Ich übernehme dieselben Verpflichtungen gegenüber dem Kollegium der Kardinäle während der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles.

Ich verspreche überdies dem Herrn Kommandanten und meinen übrigen Vorgesetzten Achtung, Treue und Gehorsam.

Ich schwöre es, so wahr mir Gott und unsere heiligen Patrone helfen.

Eid der Schweizergarde

Die Zeremonie begann mit einer Kranzniederlegung für die gefallenen Kameraden. bevor die Gardisten auf den Hof marschierten. Der Kommandant rief den Rekruten, wie auch den altgedienten Gardisten, diesen Tag in einer Ansprache nochmal ins Gedächtnis, ehe die 147 Gardisten, die während der Plünderung Roms ihr Leben für den Papst gaben, mit dem Soldatenlied «Ich hatte einen Kameraden» geehrt wurden. Die Feierlichkeiten finden so jedes Jahr aufs Neue statt. Auch der Ablauf dieser ändert sich nicht - nur die Rekruten und die Auszeichnungen sind andere.

Die Feier lief geordnet und militärisch ab – es schwang der Geist daran mit, was hier auf diesem Platz passierte und wie viel Erwartung auf den Schultern der Gardisten liegt. Daher war auch die Auszeichnung, die danach auch Heinz Eggli und weitere Kameraden verliehen wurden, keine Selbstverständlichkeit sondern «eine sehr noble und große Anerkennung von Seiten des Heiligen Vaters an unserem Dienst hier in der Garde», wie Heinz Eggli sagt. «Ich habe an der Auszeichnung große Freude und sie erfüllt mich mit Stolz, mit welchem ich sie auch an der Uniform trage.»

Den Orden übergab jedoch nicht der Papst persönlich an Heinz Eggli, sondern dessen Assessor, Monsignore Paolo Borgia. Dieser ist zuständig für Allgemeine Angelegenheiten des vatikanischen Staatssekretariats. Nachdem alle Gardisten, die sich  über eine Auszeichnung freuen durften, ihre Orden erhalten hatten, «wurde unsere Formation militärisch korrekt via Oberstleutnant und Kommandant beim Assessor abgemeldet und wir marschierten in unser Quartier zurück», so Heinz Eggli. Dort haben er und seine Kameraden sich «gegenseitig noch beglückwünscht» ehe er dann mit seinen Gästen das erste Mal als Ritter angestoßen habe. Im privaten Rahmen war dann die Tradition im Hintergrund und die Freude über diese grosse Ehre überwog.

Wie geht es für ihn weiter?

Sonst, so Heinz Eggli, änderte sich allerdings nicht viel für ihn. «Durch diese Auszeichnung hat sich in meinem Leben beruflich nichts geändert.»

Er freue sich, dass das Corps erweitert werden soll -  von 110 auf 135 Mann. Ausserdem ist er weiterhin Wachtmeister und verrichtet als solcher seinen Dienst in der Nähe des Papstes. Seine Zukunft sieht Heinz Eggli weiterhin in Rom: «Ich fühle mich immer noch sehr wohl in der Garde und in Rom und meine Frau ebenso», so der frischgebackene Cavaliere.

Wer weiss: Der Silvesterorden hat vier Klassen. Mit ein bisschen mehr Dienstzeit kann Heinz Eggli vielleicht irgendwann wieder auf dem traditionsreichen Platz stehen und sich über weitere Auszeichnungen seiner Heiligkeit freuen.

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