Was sind die Rauhnächte?

Autor
Tamara Haefeli

Einzelne Bräuche, unter anderem das Silvesterbrauchtum, erinnern noch an die Rauhnächte. Doch was ist damit überhaupt gemeint?

Um was geht es?

Die Rauhnächte beginnen nach Heiligabend um Mitternacht und enden in der Nacht vom 5. Januar auf den Dreikönigstag. Diese insgesamt 12 Nächte waren ursprünglich Schalttage zwischen dem Mond- und dem Sonnenkalender und wurden deshalb auch als Zeit zwischen den Jahren bezeichnet.

Unsere europäischen Vorfahren feierten sie als heilige Nächte. Sie legten die Arbeit nieder, gedachten dem vergangenen Jahr, blickten auf das kommende Jahr und zelebrierten die nach der Wintersonnenwende wieder länger werdenden Tage. Vor allem aber glaubten sie, dass in der dunkelsten Zeit des Jahres der Zugang zum Jenseits und damit der Kontakt zu Verstorbenen ermöglicht wird.

 

Was für eine Rolle spielen Geister in den Rauhnächten?

Durch die oft starken nächtlichen Windstürme und die entsprechenden Geräusche entwickelten sich im europäischen Raum verschiedene Volkssagen, die alle die Vorstellung von einem Heer aus Geistern, das durch die Luft zieht, teilten.

Bekannte Führer dieses sogenannten Wilden Heeres waren Odin, ein Gott aus der nordischem Mythologie, oder Sagengestalten wie Frau Holle oder Perchta, welche wahrscheinlich aus Odins Gemahlin Frigg hervorging.

 

Wie sieht es mit den Tieren aus?

Man glaubte, dass, entweder in einzelnen oder in allen 12 Nächten, die Stalltiere um Mitternacht sprechen würden. Sie sollen dann erzählt haben, was in der Zukunft passiert. Es wurde aber gleichzeitig auch geglaubt, dass, wer sie hört, innerhalb kurzer Zeit sterben wird, ohne dass er die Botschaft weitergeben kann.

Weiter fürchteten sich die Tierhalter vor einer Strafe, wenn sie die Tiere schlecht behandelten, da sich diese bei einem Hausgeist beschweren durften.

 

Und was bedeutet der Begriff Rauhnächte?

Es ist nicht klar, woher die Bezeichnung stammt. Rauh könnte haarig oder auch wild bedeuten. Es könnte jedoch auch Rauch gemeint sein, da früher die Ställe mit Weihrauch beräuchert wurden, um böse Geister zu vertreiben. Möglich ist aber auch die Bedeutung «geheimnisvolle Nächte».

In manchen Gegenden stösst die Bezeichnung Rauhnächte jedoch auf Unverständnis. Je nach Region werden sie nämlich Raunächte, Rauchnächte oder die zwölf Nächte, die Zwölfte, Glöckelnächte, Innernächte, Unternächte, Losnächte oder ganz einfach die Zwölf Weihnachtstage genannt.

 

Zum Schluss noch einen Blick in die Zukunft

Mit Losnächten ist das losen, das heisst, das Vorhersagen des neuen Jahres gemeint. Heute kennt man vor allem die Wetterprophezeiung und die Vorhersage von Begebenheiten mittels Träume. So soll das Wetter an den einzelnen Tagen zwischen 8 und 16 Uhr das Wetter der wie folgt entsprechenden Monate voraussagen. Auch Träume sollen nach diesem Schema im nächsten Jahr in Erfüllung gehen.

25.12.: Januar
26.12.: Februar
27.12.: März
28.12.: April
39.12.: Mai
30.12.: Juni
31.12.: Juli
01.01.: August
02.01.: September
03.01.: Oktober
04.01.: November
05.01.: Dezember

 

Wir wünschen Ihnen eine angenehme elfte und vorletzte Rauhnacht!

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