Ein Denkmal all jenen, die tatkräftig Hilfe leisteten

Autor
Schaffhauser N…

Zu «Manches kann man nie vergessen», SN vom 21. 3.

Mit der «dunklen Zeit» (Zweiter Weltkrieg und Judenverfolgung) verbindet mich nicht nur das Jahr meiner Geburt (1942), sondern auch viele Begegnungen und Erfahrungen meines Lebens. Das erste Buch, das mich prägte, war «Wie wäre es uns ergangen?» über die unmenschlichen Greuel der Nazizeit. So jung ich war, ich konnte diese Bilder und Worte nicht mehr vergessen. Später studierte ich Geschichte, besuchte viele Orte des üblen Geschehens und sprach mit Überlebenden und Rettern.

Vor bald zwanzig Jahren geriet die Schweiz ins Kreuzfeuer der internationalen Kritik wegen ihrer zwiespältigen Rolle in den Kriegsjahren. Der ­damalige Bundespräsident Dr. Flavio Cotti fragte allen Ernstes: «Gab es denn damals gar keine Schweizer, die Gutes taten?» Er gab den Auftrag, historische Dokumente zu sammeln, um herauszufinden, ob und wie Schweizer und Schweizerinnen den Verfolgten zur Flucht verhalfen, sofern es solche Berichte überhaupt gab. Meir Wagner, der «Hotelier von Grindelwald», entdeckte meist handgeschriebene Texte von Menschen, die oft ihre Wohltäter nicht einmal mit Namen kannten, ihnen aber einen späten Dank aussprechen wollten. Es erschien ein kleiner Band in deutscher Sprache mit Augenzeugenberichten aus der Sammlung von Moshe Meisels, einem israelischen Journalisten. Als Stuart Eizenstat, ein amerikanischer Unterstaatssekretär, dieses Büchlein mit dem Titel «Die Gerechten der Schweiz» las, ermutigte er uns eindringlich zu einer englischen Fassung und deren Veröffentlichung in den USA. Ich erhielt den Übersetzungsauftrag und übernahm die peinlich genaue Kontrolle der Namen, ­historischen Daten und Fakten vor Ort. Das Buch mit dem englischen ­Titel «The Righteous of Switzerland – He­roes of the Holocaust» erschien im Jahr 2000 (ISBN 0-88125-698-6). Gemäss ­Dr. Uriel Gast (Uni Zürich) ist es ein wertvoller Beitrag an die Aufarbeitung der Schweizer Geschichte. Es beschreibt nicht nur das unsägliche Leid der Verfolgten jener Zeit, sondern setzt auch ein Denkmal all jenen, die ohne Rücksicht auf ihr eigenes Wohl, ihre Gesundheit und ihr Hab und Gut tatkräftig Hilfe leisteten und aufopfernd Rettung anboten. Viele wollten gar nicht, dass ihre guten Taten publik ­gemacht wurden, da sie ja nur taten, was «recht» war. Oftmals lief ihr Einsatz sogar dem Gesetz zuwider. Berichte vieler Mitarbeiter des Schweizerischen Roten Kreuzes wurden im Buch mit eingeschlossen, die in Ausübung ihrer Aufgaben im SRK/IKRK unzähligen Menschen das Leben retteten. Ein altes Sprichwort trifft auf alle diese Wohltäter zu: «Wer einen Menschen rettet, der hat die ganze Welt ­gerettet.» Das Buch ist Pflichtlektüre vieler Schulen in Florida.

Andreas Fischer, Neuhausen

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