Ein Hoch auf den Amateurfussball

Autor
Manuel von Burg

Zum Rückrundenstart haben wir uns gefragt: Was unterscheidet Profis von Hobbysportlern? Mit einem Augenzwinkern präsentieren wir nun unsere Antwort.

Amateure und Hobbyfussballer starten dieses Wochenende in die Rückrunde. Archivbild: Melanie Duchene

An diesem Wochenende ist es wieder so weit: Die Rückrunde im Regionalfussball beginnt. Fussballschuhe werden geschnürt, Schienbeinschoner montiert und die Trikots der Mannschaft übergestreift. Raus soll es gehen, auf den Fussballplatz, um sich in Zweikämpfe, Kopfballduelle und schweisstreibende Matches zu stürzen. Ganz nach dem Vorbild berühmter Fussballstars, die das Publikum jedes Wochenende mit ihrer filigranen Balltechnik beeindrucken. Und manch einer wird insgeheim davon träumen, eines Tages ebenfalls vor Tausenden von Zuschauern zu spielen. Spätestens nach den ersten 20 Minuten und einem Beinah-Lungenkollaps wird sich mancher Amateur aber bewusst, dass diese Tage wohl nie kommen werden. Denn eines ist klar: Amateur- und Profispieler unterscheiden sich in unzähligen Bereichen, wie wir mit einem Augenzwinkern in folgenden Beispielen zeigen wollen. 

 

Vor dem Match

Profiliga: Weil Profis im Fussball ihre Brötchen mit dem runden Leder verdienen können, müssen sie auch pünktlich am Treffpunkt erscheinen. Dies tun sie meist mit einem beliebigen Sportwagen ihrer Wahl. In der Kabine wird mit dem Trainer minutiös die Taktik durchgegangen, der Gegner analysiert sowie die letzten Feinschliffe an der Aufstellung vollzogen. Kurz gesagt: Die Profifussballer sind vor dem Spiel auch wirklich bereit. Was von den Amateuren nicht zwingend behauptet werden kann. 

Amateure: «Wir kommen 10 Minuten zu spät», ist wohl einer der häufigsten Sätze, den der Trainer einer Amateurfussballmannschaft zu hören bekommt. Dieser denkt aber nicht weiter darüber nach, ist er doch froh, hat er überhaupt elf Spieler für dieses Spiel zusammenkratzen können. Ist das Spiel an einem Wochenende, muss er sich zudem mit der Frage beschäftigen, wie fit jeder seiner Spieler ist. Denn: Beim Amateurspieler kommt der Ausgang nicht zu kurz. Und ist auch meist zu lang. 

Die übliche Vorbereitung eines Amateurspielers in der Nacht vor dem Match. 

In der Kabine angekommen wird über alles diskutiert. Nur nicht über das bevorstehende Spiel. Nachdem auch der letzte Spieler seine Schienbeinschoner montiert, eine Banane verdrückt und seine Wertsachen im «Wertsachensack» deponiert hat, kann sich der Trainer der Aufmerksamkeit aber sicher sein: Die Aufstellung für das kommende Spiel wird präsentiert. Wobei sie sich üblicherweise nicht gross von derjenigen unterscheidet, die er schon vor einem halben Jahr ertüftelt hat. Stammspieler heissen ja nicht ohne Grund so. 

Während des Spiels

Profiliga: Gut aufgewärmt und mit den Anweisungen des Trainers im Kopf laufen die Profispieler auf den Platz. Empfangen werden sie von Tausenden Anhängern, die sie mit beinahe martialischen Kampfgesängen und höchst aufwendigen Choreographien frenetisch unterstützen. Das Spiel selbst verläuft - wie die Vorbereitung - höchst professionell: Jeder Spieler weiss, was zu tun ist, die Mannschaft funktioniert wie eine gut geölte Maschine, die Einwechselspieler fügen sich ohne Problem in die bestehende Mannschaft ein. Ohne grosse Widerworte werden die Entscheidungen des Schiedsrichters akzeptiert, denn Disziplin wird gross geschrieben. 

Amateurliga: Fürs Aufwärmen nimmt man sich zehn Minuten, fürs Dehnen fünf Minuten Zeit. Das muss reichen. Die Hauptsache ist, dass man vor dem Match noch kurz aufs Tor schiessen kann, wobei manch ein Verteidiger insgeheim zu verstehen beginnt, weshalb er nicht im Sturm spielen kann. Auf dem Platz aufgelaufen, begrüssen die Spieler mit einem kurzen Applaus die 20 Stammzuschauer, die wie durch ein Wunder den Weg auf den abgelegenen Sportplatz Mitten im Nirgendwo gefunden haben und mit einer Bratwurst in der Hand zurückgrüssen. Auf dem Platz selbst geht es ruppig zur Sache: Der unebene Boden macht das präzise Spiel schwer, die Spieler glänzen statt mit kunstvollen Tricks eher mit Blutgrätschen. Bei zunehmendem Rückstand mutiert der Schiedsrichter ebenfalls zum Gegner, obwohl der Trainer doch vor dem Spiel eindrücklich gewarnt hat, «jede Entscheidung zu akzeptieren und einfach Fussball zu spielen». 

Nach dem Schlusspfiff

Profiliga: Viel Zeit, den Sieg zu geniessen oder die Niederlage zu verdauen, bleibt im Profifussball nicht. Nach einer kurzen Runde durch das Stadion, wo man sich bei den Tausenden Fans bedankt, kommt es zur Nachbesprechung, wobei intensiv darauf eingegangen wird, was im nächsten Spiel zu verbessern sei. Nach einer kurzen Dusche und einer allfälligen Behandlung durch den Mannschaftsphysiotherapeut, begeben sich die Spieler wieder in ihre Sportwagen und fahren nach Hause. 

Amateurliga: «Hauptsache gewonnen», heisst es nach dem Spiel vom Trainer. Eine kurze Zusammenfassung und Analyse des Spieles wird auf das nächste Training verschoben. Diejenigen, welche aufgrund des harten Eingreifens der Gegner nur noch einigermassen gehen können, humpeln gar nicht erst in die Kabine, sondern setzen sich gleich zu den Stammzuschauern in das Clubhaus und fachsimpeln bei einem Bier über die Fehlentscheide des Schiedsrichters. Die Spieler selbst begeben sich unter die Dusche, wobei zuerst noch die Frage geklärt werden muss, wer denn jetzt die Trikots zu waschen hat. Ist dies getan, kann jeder Spieler erleichtert den Heimweg antreten, zufrieden darüber, auch in diesem Spiel wieder «alles gegeben zu haben.»

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